Niedersachsen 

Hannover: Clanmitglied im Krankenhaus – liegt eine ungeheuerliche Verwechslung vor?

In Niedersachsen soll ein Mafia-Boss im Krankenhaus behandelt werden – auf Kosten der Steuerzahler (Symbolbild)
In Niedersachsen soll ein Mafia-Boss im Krankenhaus behandelt werden – auf Kosten der Steuerzahler (Symbolbild)
Foto: Panthermedia/Imago

Hannover. Der Aufschrei war laut, als bekannt wurde, dass an der MHH in Hannover ein Mafia-Boss behandelt werden soll. Unter Polizeischutz – da es ein gegnerischer Clan offenbar auf das Leben des Mannes abgesehen hat.

Jetzt wird die Geschichte allerdings noch viel skurriler!

Der Anwalt und die Frau des Mannes, der bei einem Attentat in Montenegro angeschossen wurde, meldeten sich zu Wort. Sie gaben an, dass der Patient in keiner Weise vorbestraft sei und nichts mit der Mafia zu tun habe. Es handele sich in Hannover bloß um eine Verwechslung.

Hannover: Ist der Mann im MHH gar kein Mafia-Boss?

Glaubt man dem Anwalt Harald Lemke-Küch, dann existiert in Montenegro offenbar ein anderer Mann gleichen Namens, der tatsächlich Kontakte zur Mafia habe. Mit genau diesem hätten schon die Attentäter seinen Mandanten verwechselt, als auf ihn geschossen wurde. Die Frau des Patienten bestätigte diese Geschichte.

Der Anwalt halte deshalb auch die aufwendigen Schutzmaßnahmen an der MHH nicht für nötig. zudem sei er dabei, zu prüfen, ob er gegen die falschen Verdächtigungen gegen seinen Mandanten vorgehen werde.

+++ Hannover: Polizisten mit Maschinenpistolen im Krankenhaus unterwegs – DIESER Patient ist der Grund dafür +++

Ehefrau und Anwalt sprechen von Verwechslung

Die Polizei äußerte sich bislang nicht zu der Verwechslungstheorie und gibt stattdessen an, sie hätte im Vorfeld intensiv mit anderen Behörden zusammengearbeitet, um die Situation einschätzen zu können. Die Sicherheitsmaßnahmen werden deshalb „weiterhin für unbedingt erforderlich gehalten“.

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Top-News:

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In Montenegro liefern sich zwei Mafia-Clans seit mehreren Jahren eine blutige Fehde, bei der es um Drogengeschäfte geht. Eine Bande soll der anderen in Spanien 200 Kilogramm Kokain gestohlen haben. Mindestens 23 Menschen sollen seitdem getötet worden sein.

Politiker stellen die teure Behandlung in Frage

In der Politik wächst die Kritik an der Behandlung und dem großen Polizeieinsatz. Niedersachsens CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer sagte, der Mann aus Montenegro hätte niemals in der landeseigenen Klinik behandelt werden dürfen.

„Indem die Klinikleitung die zuständigen Stellen des Landes viel zu spät und nur unzureichend über Igor K. informiert hat, hat sie die Beschäftigten und Patienten darüber hinaus einer großen Gefahr ausgesetzt. Dieses Verhalten war verantwortungslos und kostet den Steuerzahler nun zigtausende Euro.“

+++Hannover: Clan-Mitglied wird an MHH behandelt – jetzt gehen SIE auf die Barrikaden+++

Die FDP hat eine Anfrage an die Landesregierung zu den Hintergründen des MHH-Aufenthalts gestellt. Die Grünen-Fraktion beantragte eine Unterrichtung des Innenausschusses des Landtags.

Der Aufwand sei größer als der Gewinn

Die stellvertretende sozialpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Thela Wernstedt, sagte, es gehöre zur Normalität an großen spezialisierten Kliniken in Deutschland, dass Patientinnen und Patienten aus dem Ausland behandelt würden. Die Kosten der Behandlung trügen dann die Patienten. Im aktuellen Fall überwiege allerdings „der Sicherheitsaufwand für den Patienten sicherlich den Gewinn, den die MHH machen kann“, kritisierte sie. (wt)