Niedersachsen 

Coronavirus in Niedersachsen: Tafeln vor dem Kollaps – SO geht es weiter

Das Coronavirus macht auch vor den Tafeln in Niedersachsen nicht Halt. Immer mehr Hartz4-Empfänger stehen jetzt vor einem riesigen Problem. (Symbolbild)
Das Coronavirus macht auch vor den Tafeln in Niedersachsen nicht Halt. Immer mehr Hartz4-Empfänger stehen jetzt vor einem riesigen Problem. (Symbolbild)
Foto: imago images / epd

Die Auswirkungen des Coronavirus in Niedersachsen ziehen immer größere Kreise – und stellen jetzt vor allem Hartz4-Empfänger vor einem großen Problem.

Denn das Coronavirus macht auch vor den Tafeln nicht halt. Und sie sind besonders für Hartz4-Empfänger existenziell. Denn während viele Menschen derzeit Hamsterkäufe tätigen, ist das für Hartz4-Empfänger schlichtweg nicht möglich. Ihre finanzielle Lage lässt das nicht zu - viele sind auf die Tafeln angewiesen.

Doch einige Tafeln mussten jetzt bereits schließen. Andere wiederum werden kreativ und lassen sich verschiedene Lösungen einfallen. Hier findest du einen Überblick über die Tafeln in der Region38.

Coronavirus in Niedersachsen: Auswirkungen auf die Tafeln

Braunschweiger Tafel e.V.

Der Vorstand der Braunschweiger Tafel hat am Freitag nach eigenen Angaben beschlossen, die Tafel vorübergehend zu schließen. Wie Nicoline Leven, ehrenamtliche Geschäftsführerin, betont, sei dies vor allem „aus Fürsorge für unsere Mitarbeiter (die eindeutig zur Risikogruppe gehören – Durchschnittsalter 70 Jahre) und unsere Kunden beschlossen“ worden.

Die räumliche Situation würde dafür sorgen, dass nicht genügend Abstand untereinander gehalten werden könnte. Deshalb „sahen wir uns zu diesem Schritt gezwungen“, erklärt Leven. Auch wenn sie diese Entscheidung bedauert. Denn es treffe die Menschen, die es am nötigsten haben. Bisher sei noch keine Lösung für das Problem gefunden worden.

Nicoline Leven hofft aber, sobald wie möglich die Tafelarbeit wieder aufnehmen zu können.

>>>>> Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Niedersachsen findest du im Überblick in unserem Newsblog!

Wolfsburger Tafel

Die Wolfsburger Tafel gibt nach eigenen Angaben noch am heutigen Montag und Dienstag Lebensmittel heraus. Ab MIttwoch werde die Tafel jedoch bis auf Weiteres geschlossen. „Wir hoffen, dass sich die Lage bald entspannt. Dann retten wir wieder Lebensmittel vor dem Weggeworfen-werden und geben diese dann wieder aus“, sagt Hans Rühl, zweiter Vorsitzender der Wolfsburger Tafel, auf Nachfrage von news38.

Salzgitter-Tafel e.V.

Die Tafel in Salzgitter hingegen ist aktuell noch zu den regulären Öffnungszeiten geöffnet. Wie Ida Naumov, stellvertretende Vorsitzende, mitteilt, verzeichne die Tafel jedoch ein etwas geringeres Spendenaufkommen an Lebensmitteln. Dennoch könnten die Kunden aktuell noch versorgt werden.

Sollte es zu einer vorübergehenden Schließung der Tafel können, so sei diese auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Gifhorner Tafel

Die Gifhorner Tafel hat weiterhin geöffnet, teilt sie auf Nachfrage von news38 mit. Hier gelte die Regel: Lebensmittel werden drinnen gepackt und die Ware wird nach draußen gegeben. Die Räumlichkeiten seien groß genug, um weiterhin den notwendigen Abstand zu gewährleisten. Allerdings steht die Tafel laut Edeltraud Sack vor einem anderen Problem: Die Lebensmittel werden knapper.

Solange es noch welche gibt, könne der Betrieb aufrecht erhalten werden. Doch durch die Hamsterkäufe würden sich die Spenden deutlich verringern.

Tafeln in Niedersachsen: Kreativität ist gefragt!

Manfred Jabs, Vorsitzender des Landesverbandes der Tafeln in Niedersachen und Bremen, betont: „Wir sind gerade am Überlegen, wie man das am besten managen kann.“ Damit meint er Situationen wie z.B. Mitarbeiter, die in Quarantäne müssen, oder auch die Vermeidung des direkten Kontaktes zu Kunden.

Einige Tafeln seien bereits dazu übergangen, überhaupt keinen direkten Kontakt mehr zu Kunden zu haben. Das läuft dann wie folgt ab: Menschen stellen eine leere Einkaufstasche im Eingangsbereich ab. Diese werde dann von den Mitarbeitern befüllt und wieder zurück in den Eingangsbereich gestellt.

+++Eintracht Braunschweig: Coronavirus – DAS müssen Fans jetzt wissen+++

Eine andere Überlegung: Lieferservice. „Es gibt bereits Tafeln, die für Kranke und Gebrechliche die Lebensmittel nach Hause bringen“, sagt Jabs. Da das jedoch sehr aufwendig sei, was Personal und Fahrzeuge betrifft, glaube er nicht, dass sich dieses Modell durchsetze.

--------------------

Mehr zum Thema Coronavirus

Coronavirus: Katastrophenfall ausgerufen ++ Ärzte mit dringender Forderung

Coronavirus: Diese Telefonnummern und Hotlines muss JEDER kennen

Coronavirus: Bäckermeister warnt vor DIESER Ansteckungsgefahr bei Aldi, Lidl und Co.

---------------------

Auf der Facebookseite des Landesverbands der Tafeln in Niedersachsen und Bremen ist ein Appell vor allem an die Jüngeren der Helfer gerichtet. Dort heißt es: „Du gehörst nicht zu einer Risikogruppe? Zeig Solidarität und melde dich bei deiner lokalen Tafel! Schon ein kurzzeitiges Engagement kann aktuell viel bewirken.“ (/mit dpa)