Niedersachsen 

Coronavirus Niedersachsen: Krankenpfleger schlägt Alarm – „Wir sind am Ende!“

Corona Deutschland (13.3.)
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Hildesheim. In Zeiten des Coronavirus in Niedersachsen gibt es Menschen, die den Betrieb am Laufen halten. Die dafür sorgen, dass Menschen weiterhin Lebensmittel bekommen, dass Menschen medizinisch versorgt werden und dass die Menschlichkeit dabei nicht verloren geht.

Doch auch da gibt es ein Limit. Einer, der jetzt ganz offen Alarm schlägt, ist Krankenpfleger Alexander Jorde aus Hildesheim. Bei Twitter berichtet er immer wieder aus seinem Alltag – vor der Corona-Krise und jetzt auch währenddessen. Er macht auf die Missstände in der Pflege aufmerksam, darauf, dass es vor allem an einem fehlt: Personal.

Coronavirus: Krankenpfleger aus Hildesheim schlägt Alarm

In einem erst kürzlich geteilten Tweet bringt er seine Gefühle auf den Punkt: „Wir sind am Ende. Wir können nicht mehr." Und dieser Beitrag ist nur einer von zehn Tweets, in denen er erklärt, warum sich die Pflegekräfte gerade jetzt im Stich gelassen fühlen.

Vor allem eins sorge bei ihm für Unverständnis: Es würden zusätzliche Betten geschaffen, ebenso würden Beatmungsgeräte gekauft werden – doch die Berufsgruppe, die essenziell dafür sei, dass alles funktioniert, werde vergessen. Er fordert: „Ich bin ganz klar für eine Zusatzvergütung - nennen Sie es Gefahrenzulage - zumindest für den Zeitraum der Epidemie. Aus meiner Sicht könnte man diese gleich in die Tariflöhne integrieren, weil die Politik schon vor Monaten gesagt hat: 'Wir wollen alles tun, um mehr Pflegekräfte zu bekommen.'

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Er selbst arbeitet auf einer Intensivstation, weiß, was dort gefordert und auch vom Personal abverlangt wird. Er bekomme jetzt bereits Rückmeldung, dass es zum Teil schon an Schutzkleidung wie Masken fehle. „Das liegt nicht an der einzelnen Klinik, sondern am Gesundheitssystem in privater Hand, das auf Effizienz getrimmt ist", kritisiert der Krankenpfleger.

„So ein Beatmungsgerät ist eben kein Kaffeeautomat"

Er warnt davor, dass nicht beliebig viele Patienten auf Intensivstationen betreut werden könnten. Dort würden teilweise Menschen liegen, die eine Betreuung rund um die Uhr bräuchten. Würde eine Fachkraft nun eine Vielzahl an Patienten betreuen müssen, so würde die Gefahr der Fehler größer werden. Hintergrund ist die Beschluss des Bundes, den Personalschlüssel für bestimmte Stationen aufzugeben.

Unterstützung von Medizinistudenten beispielweise begrüßt Alexander Jorde. Doch er betont auch: „So ein Beatmungsgerät ist eben kein Kaffeeautomat, für den man nur einen Fünf-Minuten-Crashkurs braucht. Wenn man von der Politik nur versucht, es billig zu lösen, dann ist das fahrlässig. Am Ende geht es um die Sicherheit der Menschen."

>>>>>>> Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Niedersachsen kannst du in unserem Newsblog nachlesen. (abr mit dpa)