Niedersachsen 

Niedersachsen: Kirchenglocke bleibt plötzlich stumm – der Grund ist einfach kurios

Gelegentlich läuten die Glocken der Dorfkirche im Landkreis Göttingen in Niedersachsen nicht. Die Menschen staunten nicht schlecht, als sie dem Übeltäter auf die Schliche kamen.
Gelegentlich läuten die Glocken der Dorfkirche im Landkreis Göttingen in Niedersachsen nicht. Die Menschen staunten nicht schlecht, als sie dem Übeltäter auf die Schliche kamen.
Foto: Swen Pförtner/dpa, Matthias Freter/dpa

Göttingen. Morgens, mittags, abends – immer pünktlich läuten in dem kleinen Ort in Niedersachsen die Glocken im Kichturm. Eigentlich.

Doch auf einmal wurde es ziemlich chaotisch und man begann sich zu wundern. Nur durch Zufall kam man dem Übeltäter auf die Schliche. Und ein Beweisfoto gab es auch noch.

Und die Menschen der Gemeinde in Niedersachsen staunten nicht schlecht.

Niedersachsen: Glocken bleiben immer wieder still

In Löwenhagen im westlichen Teil des Landkreises Göttingen läuten die Glocken der evangelischen Kirche dank einer Zeitschaltuhr normalerweise dreimal pro Werktag.

Zuletzt blieb das Geläut allerdings wiederholt still.

Der Grund dafür blieb zunächst unklar. Denn die Anlage ist relativ neu. „Zudem wird sie regelmäßig gewartet“, sagt Roswitha Kamm vom örtlichen Kirchenvorstand.

Bei Inspektionen des Turmes sei allerdings aufgefallen, dass der Hebel, mit dem der Strom für die Anlage ein- und ausgeschaltet werden kann, umgelegt war, berichtet Kamms Ehemann Uwe.

Er hat im Auftrag des Kirchenvorstands die steilen Stiegen des Glockenturms erklommen und die Lage begutachtet. Rätselhaft, denn der Zugang zum Turm ist stets verschlossen. Den Schlüssel verwahrt der Kirchenvorstand.

Übeltäter mit Kamera erwischt!

„Mittlerweile ist das Rätsel allerdings gelöst“, sagt Roswitha Kamm. Ein Waschbär habe den Strom abgestellt. Die „Hessische Niedersächsische Allgemeine“ berichtet, dass an dem Hebel entsprechende Bissspuren entdeckt wurden.

Dass im Kirchturm tatsächlich ein Waschbär haust, sei bewiesen, sagt Uwe Kamm. „Wir haben Waschbär-Kot gefunden“, sagt er. Zudem gelang ein fotografischer Beweis.

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Kamm habe für die Ortschronik Fotos der Glocken schießen wollen, berichtet der Löwenhagener Einwohner Matthias Freter. Dabei sei ihm das Tier vor einiger Zeit im Glockenturm vor die Linse gelaufen.

Waschbär haust im Kirchturm

„Wie der Waschbär in den Turm kommt, ist allerdings das große Geheimnis“, sagt Uwe Kamm. „Wir haben das ganze Dach von innen abgesucht. Es ist uns aber nach wie vor nicht klar, wie das Tier auf den Boden gelangen kann.“

Glocken sollen wieder pünktlich läuten

Da der Waschbär aber – mit Ausnahme des Strom-Abstellens – keinen nennenswerten Schaden angerichtet habe, solle das Tier nicht vom Dachboden vertrieben werden. Die Glocken werde es künftig allerdings nicht mehr auf Stumm schalten können, sagt Kamm. „Ich baue einen Drahtverhau um den Hebel, so dass es nicht mehr dran kommt.“ In Löwenhagen können die Glocken dann künftig wieder wie gewohnt morgens, mittags und abends läuten.

Waschbär hat nicht überall so viel Glück

So viel Nachsicht wie in Löwenhagen finden Waschbären im übrigen nicht überall in Niedersachsen. Im den vergangenen Jahren wurden landesweit jeweils mehr als 15.000 Exemplare erlegt.

Die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Tiere waren im vergangenen Jahrhundert zur Pelzzucht nach Deutschland gebracht und erstmals im Jahr 1934 am nordhessischen Edersee ausgewildert worden.

Waschbär torkelt über Weihnachtmarkt

Seither verbreitet sich der Waschbär immer weiter. Auch die hohen Abschusszahlen konnten daran nichts ändern. Experten gehen davon aus, dass auf jedes erlegte Exemplar eine Vielzahl lebender Waschbären kommen. Die Allesfresser haben nach Ansicht von Experten einen erheblichen Einfluss auf die Bestände gefährdeter Arten wie Moorfrosch, Ringelnatter, Gelbbauchunke oder die Europäische Sumpfschildkröte. Waschbären plündern aber auch die Nester von Greifvögeln. Zudem erbeuten sie Singvögel und Niederwild.

Zuletzt hatte ein Waschbär in Thüringen traurige Berühmtheit erlangt, als er mutmaßlich betrunken über den Weihnachtsmarkt torkelte. >> Hier zum ausführlichen Bericht auf Thüringen24. (dpa, aj)