Niedersachsen 

Hannover: Frau sammelt Stein aus See auf – und erleidet schwere Verbrennungen

Ein Mitarbeiter vom Naturpark stellt ein Warnschild am Surferstrand bei Mardorf am Steinhuder Meer auf. Eine 28 Jahre alte Frau hat am Steinhuder Meer nach dem Fund von weißem Phosphor am Strand schwere Verbrennungen erlitten.
Ein Mitarbeiter vom Naturpark stellt ein Warnschild am Surferstrand bei Mardorf am Steinhuder Meer auf. Eine 28 Jahre alte Frau hat am Steinhuder Meer nach dem Fund von weißem Phosphor am Strand schwere Verbrennungen erlitten.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover. Am See-Strand einen Stein aus dem Wasser mitzunehmen – das klingt eigentlich nicht besonders gefährlich. Am Steinhuder Meer in der Region Hannover hat genau das jedoch zu einem schweren Unglück geführt.

Eine Frau zog sich schwere Verbrennungen zu. Schuld ist eine lebensgefährliche Verwechslung. Jetzt warnen auch die Behörden in Hannover davor, Steine aus dem Steinhuder Meer einzustecken.

Region Hannover: Frau steckt Stein ein und erleidet Verbrennungen

Die 28-Jährige hatte am späten Sonntagnachmittag im Steinhuder Meer einen vermeintlichen Bernstein im Wasser gefunden und ihn sich in die Tasche gesteckt.

Leider handelte es sich dabei aber nicht um einen Bernstein – sondern um hochgefährlichen Phosphor! Dieser entzündete sich, die Frau erlitt Verbrennungen zweiten Grades und kam in die Medizinische Hochschule Hannover.

Von dort heißt es inzwischen, der 28-Jährigen gehe es „den Umständen entsprechend gut“, Folgeschäden seien nicht zu erwarten.

Strände am Steinhuder Meer gesperrt

Die Region Hannover ließ zunächst den Surferstrand, den Badestrand am Nordufer und die Badeinsel in Steinhude sperren. Am Montagmorgen wurden die Sperrungen bis auf einen Teil des Surferstrands aufgehoben.

Der dort aufgeschüttete Sand stamme aus dem Steinhuder Meer selbst und sei bei der Entschlammung im Frühjahr angefallen, hieß es von der Region Hannover.

Abgeschossenes Flugzeug liegt im See

Es habe schon früher Phosphorfunde am Steinhuder Meer gegeben. Es handle sich dabei um Munitionsreste aus dem Zweiten Weltkrieg. Es habe im Krieg eine Flakstellung am Steinhuder Meer gegeben.

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Das ist das Steinhuder Meer:

  • Fläche: 29,12 km²
  • Höhe über dem Meeresspiegel: 38 Meter
  • Länge: 8 Kilometer
  • Mittlere Tiefe: 1,35 Meter
  • Maximale Tiefe: 2,9 Meter
  • Umfang: 22 Kilometer

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Lückenlos aufklären lasse sich der Verbleib der explosiven Überreste aber nicht – auch ein abgeschossenes Flugzeug liege noch in dem See. Zu einem Unfall wie diesmal sei es im größten See Niedersachsens aber bisher nicht gekommen.

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An den Strand geraten sei die tückische Substanz vermutlich im Frühjahr bei Aufspülungen von Sand, der aus dem See selber stamme. Sandbänke, die die Schifffahrt auf dem Steinhuder Meer behinderten, seien abgetragen und der Sand an anderer Stelle aufgespült worden – und mit ihm die leicht entzündliche Altlast.

Phosphor sieht aus wie Bernstein – und ist brandgefährlich

Das Problem: Äußerlich ähneln Phosphorbrocken tatsächlich Bernstein, sie sind kaum zu unterscheiden. Wenn Phosphor trocknet, entzündet er sich selbst – dann verbindet sich der Phosphor mit dem Sauerstoff aus der Luft und es entsteht ein 1.300 Grad heißes Feuer. Dieses Feuer ist kaum zu löschen. Phosphordämpfe sind zudem hochgiftig.

Die Region Hannover warnt ausdrücklich davor, Steine aus dem Wasser des Steinhuder Meers oder am Ufer aufzusammeln. Bernstein gebe es dort sowieso nicht. (dpa/ck)