Niedersachsen 

Hannover: Hassbriefe erschüttern die Landeshauptstadt – „Ihr werdet vernichtet“

Mehmet Kılıç, Besitzer des Restaurants Urfa Sofrasi in Hannover, mit dem Hassbrief in seinen Händen.
Mehmet Kılıç, Besitzer des Restaurants Urfa Sofrasi in Hannover, mit dem Hassbrief in seinen Händen.
Foto: Facebook @Urfa Sofrası Hannover

Hannover. Die Sätze sind eindeutig. „Ihr werdet vernichtet“, „haut endlich ab, ihr scheiß Drecks-Kanaken, wir hassen euch“ steht in dem Hassbrief, den Mehmet Kılıç erhalten hat.

Der Restaurantbesitzer ist offensichtlich nicht das einzige Opfer in Hannover, laut Polizei sollen weitere Hassbriefe verteilt worden seien. Denn in dem anonymen Schreiben wird „allen türkischen Geschäften und Moscheen“ gedroht.

Der Unterzeichner: „Die Deutschen“.

Hannover: „Wissen, dass solche Schreiben auch schon umgesetzt worden sind“

Restaurantbesitzer Kılıç macht sich Sorgen, dem NDR erzählt er: „Ich lebe seit 26 Jahren in Deutschland, meine Töchter sind hier geboren. Bisher hatten wir solche Probleme in Hannover nicht. Ich hoffe, dass die Polizei uns unterstützt.“

Nachdem der feige Angriff öffentlich geworden ist, erreicht ihn eine Welle der Solidarität. In einem Facebook-Post schreibt er: „Ich möchte mich an der Stelle bei meinen Mitmenschen bedanken, die sich mit uns solidarisiert und uns ihre uneingeschränkte Solidarität und Unterstützung zugesagt haben. Das gibt uns Kraft und Mut und zeigt, dass wir mehr sind und der Zusammenhalt nötig ist, um Anfeindungen aus der rechten Ecke gegenzuwirken. Wir halten zusammen!“

Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Volksverhetzung bereits eingeleitet. Oberstaatsanwalt Thomas Klinge gegenüber dem NDR: „Wir wissen, dass solche Schreiben auch schon umgesetzt wurden und sind darum sehr vorsichtig.“ Ob tatsächlich Gefahr bestehe, prüfe die Staatsanwaltschaft aktuell. „Wir werden alles versuchen, um diesen Absender zu fassen.“

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Verbindung zu den Hells Angels?

Für mächtig Verwirrung sorgte, dass der Briefschreiber eine Verbindung in die Rockerszene angab. Demnach informiere der Schreiber regelmäßig die „Hells Angels“-Größe Frank Hanebuth.

Dessen Anwalt distanziert sich entschieden: „Er (Frank Hanebuth) hat einen guten, auf gegenseitigem Vertrauen beruhenden Kontakt zu allen dort tätigen Geschäftsleuten. [...] Alle dürften wissen, dass er mit solchen Briefen nichts zu tun hat. Er kennt weder den Verfasser noch den Inhalt der Briefe.“ (mb)