Niedersachsen 

Hannover Hauptbahnhof: Diskussion um Polizeigewalt – Polizei sucht DIESE Frau

Am Hannover Hauptbahnhof kam es zu unglaublichen Szenen. Ein Video im Netz sorgt für Diskussionsstoff. (Symbolbild)
Am Hannover Hauptbahnhof kam es zu unglaublichen Szenen. Ein Video im Netz sorgt für Diskussionsstoff. (Symbolbild)
Foto: imago images; Twitter/acidkafa (Montage: News38)

Hannover. Unfassbare Szenen am Hauptbahnhof Hannover! Eine Festnahme lief am Sonntag völlig aus dem Ruder. Ein Video sorgt im Netz für Diskussionsstoff. Nun bezieht die Polizei offiziell Stellung zu Vorwürfen von Twitter-Nutzern.

Wie die Polizei berichtet, sei am Sonntag gegen 19.50 Uhr die Handtasche einer 14-Jährigen am Volgersweg geklaut worden. Der mutmaßliche Dieb (31) aus Gifhorn sei daraufhin geflüchtet und habe die Tasche fallen gelassen. Als er erneut auf das Mädchen traf, lief er erneut zurück in Richtung Hannover Hauptbahnhof.

Hauptbahnhof Hannover: Nutzer sprechen von Polizei-Gewalt

Dort lief er alarmierten Beamten der Bundespolizei in die Arme und sei festgesetzt worden. Und genau hier eskaliert die Situation. Ein Video zeigt das Ausmaß und wirft eine Frage auf. Inzwischen hat sich auch die Polizei gegenüber News38.de zu den Vorwürfen geäußert.

Eins steht fest: Diese Festnahme lief völlig aus dem Ruder. Wie die Polizei angibt, hätten sich während der Maßnahme gegen den mutmaßlichen Handtaschendieb mehrere Personen, darunter ein 15-, 16- und 19-Jähriger, den Beamten genähert.

Die Polizei Hannover habe sie nach eigener Aussage des Platzes verwiesen. Diesem Platzverweis kamen die Jugendlichen jedoch nicht nach. Wie die Beamten angaben, hätten die jungen Männer sie stattdessen beleidigt und versucht, die Festnahme des Räubers zu verhindern. Dabei wurde ein Polizist leicht verletzt. Auch die drei Jugendlichen sollen daraufhin festgesetzt worden sein.

Der 15-Jährige sei von seinen Begleitern befreit worden und geflüchtet. Während der Festnahme versammelten sich immer mehr Personen, um die Szene zu verfolgen und zu kommentieren. Die Polizei stellte Platzverweise im dreistelligen Bereich gegen die Zuschauer aus.

Hauptbahnhof Hannover: Polizei entschuldigt sich

Mehrere Minuten dauerte die Festnahme des mutmaßlichen Taschen-Diebs sowie der jungen Männer an, die sich in die Verhaftung des 31-Jährigen eingemischt hatten.

Auch wurde ein Video des Vorfalls am Hannover Hauptbahnhof aufgenommen und auf Twitter veröffentlicht.

Es zeigt das Chaos und Handgemenge zwischen den Flüchtigen und der Polizei. Dabei stellen sich die Nutzer eine Frage: War es Polizeigewalt? Denn der Nutzer, der das Video veröffentlichte, schreibt dazu: „Polizei Hannover zeigt sich wieder von seiner besten Seite zur Deeskalation von Situationen, indem man einer unbeteiligten Frau ins Gesicht boxt.“

In den letzten Tagen sind ebenfalls Videos aus Frankfurt, Hamburg und Düsseldorf aufgetaucht, die Polizisten bei Festnahmen zeigen. Seit dem gewaltsamen Tod von George Floyd in den USA ist das Thema Polizei-Gewalt omnipräsent. Die Stimmen nach einer Studie zu Polizeigewalt und Rassismus werden immer lauter.

Über 170 Menschen kommentieren das Video vom Hauptbahnhof Hannover in den Sozialen Netzwerken. Mit ganz unterschiedlichen Meinungen. Eine Nutzerin schreibt: „Deutschland hat ein Problem mit Polizei-Gewalt, schlecht ausgebildeten Polizisten und institutionellem Rassismus!“

+++ Niedersachsen: Frau (43) auf offener Straße erstochen – Täter verletzt sich schwer +++

Doch andere halten dagegen und finden, dass die Polizei Hannover richtig gehandelt und nur ihren Job gemacht habe. Kommentar: „Die war nicht ‚unbeteiligt‘, sie hat eingegriffen. Bin absolut gegen unverhältnismäßige Gewalt, aber da geht es so schnell, so viele drum herum, da reagiert man instinktiv und dass auch mal falsch. Selbstschutz.“

Das sagt die Polizei zu dem Einsatz

Auf Anfrage von News38.de erklärt die Polizei in Hannover zu dem Video, dass es „den komplexen Einsatz nicht vollständig“ abbilde. Auf die Nachfrage, ob es zu einer Untersuchung des Einsatzes kommen werde, ergänzt die Polizei, dass der Vorfall intern aufgearbeitet werde, „um den Sachverhalt in Gänze zu erhellen, aber auch um Erkenntnisse für zukünftige Einsätze zu erlangen.“

Derzeit befinde man sich in der Auswertung des Einsatzes. Dabei spiele auch das entstandene Video eine Rolle. Deneben würden auch „Einsatzprotokolle und Schilderungen der eingesetzten Beamten sowie natürlich Aussagen möglicher Zeugen“ berücksichtigt.

+++ Braunschweig: Massive Kritik an Bordell-Plänen für Gliesmarode +++

Die Polizei Hannover verwies gegenüber News38.de zudem darauf, dass bei der Durchsetzung polizeilicher Maßnahmen „Zwangsmaßnahmen grundsätzlich zulässig“ seien. Darunter falle auch einfache körperliche Gewalt. Dabei sei jedoch der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu beachten.

Am Mittwoch veröffentlichte die Polizei nun eine öffentliche Stellungnahme. „Es ist bedauerlich, wenn unbeteiligte Dritte derart in polizeiliche Maßnahmen geraten“, so Vizepräsident der Polizeidirektion Hannover, Jörg Müller.

Polizei sucht Frau

Denn auf den Vorfall mit der Frau wurden die Beamten mehrmals angesprochen. Die Polizei teilt mit: Da für die betreffende Einsatzkraft im Zweifel nicht erkennbar ist, ob die handelnde Person die Polizei in ihren Maßnahmen unterstützen oder behindern will, wird empfohlen, in polizeiliche Maßnahmen nicht einzugreifen.“

Die Frau wird gebeten, sich unter Telefon 0511 109-1040 zu melden. Außerdem bittet die Polizei Zeugen und Personen, die Videoaufnahmen des Vorfalls gemacht haben, sich bei ihnen zu melden.

Ermittlungen zu Polizeigewalt – ein strittiges Thema

An der Art der Ermittlungsarbeit gegen Polizeigewalt gibt es immer wieder Kritik. Im Regelfall ermittelt die zuständige Staatsanwaltschaft in Zusammenarbeit mit einer anderen Polizeidienststelle gegen die Stelle, der ein Fehlverhalten unterstellt wird.

-----------

Mehr News aus Hannover:

Blutiger Gewaltakt – Frau sticht auf 56-Jährigen ein

Maskierter Mann mit Waffe vor Schule aufgetaucht – dann stellt sich heraus, dass...

Kinder spielen in Zufahrt – plötzlich macht ein Mann DAS

-----------

Der Vorwurf: Dadurch will sich niemand der Gefahr aussetzen, als Nestbeschmutzer zu gelten. Eric Töpfer vom Deutschen Institut für Menschenrechte sagte gegenüber dem Morgenecho bei WDR5: „Da ermitteln Polizisten gegen Polizisten. Und es ist nicht auszuschließen, dass sich Menschen über den Weg laufen, die sich gemeinsam aus der Ausbildung kennen oder gemeinsame Einsätze miteinander gemacht haben und deswegen befangen sind.“

-----------

Polizei-Gewalt in Niedersachsen:

  • 2010: Ein französischer Polizist soll einen Demonstranten einer Anti-Castor-Demonstration im Wendland festgehalten haben. Es folgten mehrere Anzeigen wegen Amtsanmaßung. Das Verfahren wurde eingestellt.
  • 2011: Bei einer weiteren Demo dieser Art im Landkreis Lüchow-Dannenberg wurden 1300 Teilnehmer festgenommen. Das Gericht entschied, dass die Festnahmen rechtswidrig waren.
  • 2014: Ein Polizist aus Hannover soll einen Flüchtling aus Afghanistan mit angebrachten Fußfesseln durch die Wache geschleift haben. Auch soll ein Marokkaner in seiner Zeile absichtlich verdorbenes Schweinemett zu essen bekommen haben. Diese Vorwürfe wurden als „Folterskandal“ bekannt. Die Verfahren wurden eingestellt.
  • 2015: Ein Polizist soll einen Obdachlosen geschlagen, getreten und am Stadtrand ausgesetzt haben. Es wurde Anklage erhoben, aber wegen mangelnder Beweise eingestellt.

-----------

Zudem arbeite auch die Staatsanwaltschaft in anderen Fällen mit eben jener Polizeidienststelle zusammen, gegen die sie nun ermitteln soll.

Beteiligte werden später auffällig

Noch einmal zurück zum Hauptbahnhof Hannover: Wie die Polizei bereits in einer vorangegangen Mitteilung angab, habe der 16-Jährige im Hauptbahnhof Hannover einen Schlagstock und ein Springmesser mit sich getragen. Auch der 31-jährige mutmaßliche Taschen-Dieb war kein Unbekannter. Er wurde einige Stunden vorher in Gifhorn als vermisst gemeldet, da eine Eigen- und Fremdgefährdung nicht ausgeschlossen werden konnte. Außerdem hatte er Betäubungsmittel dabei. Auch der befreite 15-Jährige wurde erneut auffällig.

+++ Braunschweig: Besorgniserregende Entdeckung – hat sie mit dem Tod zweier junger Menschen zu tun? +++

Unmittelbar nach seiner seiner Flucht soll er einen älteren Mann angespuckt haben. Der hatte ihn darauf hingewiesen, dass er im Bus keine Maske trug. Auch am Montagmorgen sorgte der 15-Jährige für einen Einsatz, da er in einem Linienbus Personen mit einem Messer bedrohte. Nach seiner Freilassung soll er nach Auskunft der Polizei jedoch noch einmal zurückgekehrt sein und die Beamten beleidigt haben. Die Polizei Hannover brachte ihn zu einem Arzt, der konnte jedoch keine psychischen Beeinträchtigungen feststellen. (ldi/dav)