Niedersachsen 

Celle: Juwelier (71) erschießt zwei Räuber – jetzt wird gegen ihn ermittelt

Nachdem ein Juwelier das Feuer auf zwei Räuber eröffnet hatte, sind beide Tatverdächtige ums Leben gekommen.
Nachdem ein Juwelier das Feuer auf zwei Räuber eröffnet hatte, sind beide Tatverdächtige ums Leben gekommen.
Foto: Moritz Frankenberg/dpa
  • Zwei Räuber wollen einen Juwelier in Celle überfallen
  • Der 71-jährige Besitzer greift zur Waffe und verletzt beide Männer tötlich
  • Welche Strafe erwartet den Juwelier?

Celle. Ein Juwelier soll mitten in Celle bei einem Raubüberfall einen mutmaßlichen Täter erschossen und einen weiteren schwer verletzt haben. Der Mann erlag in der Nacht im Krankenhaus ebenfalls seinen Verletzungen, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstagmorgen zu news38.de.

„Die Identität der Männer steht noch nicht fest. Zu einem der Getöteten haben wir allerdings Hinweise“, so die Sprecherin. Die Ermittlungen gegen den Juwelier sind aufgenommen worden, berichtet die Staatsamwaltschaft.

Nach Raubüberfall: Mehrere Schüsse in Celler Altstadt

Die beiden bewaffneten Männer hätten das Juweliergeschäft in einer Fußgängerzone mitten in der Altstadt am Montagnachmittag offenbar mit dem Ziel betreten, es zu überfallen, hatte die Polizei Celle am Montag mitgeteilt

In den Geschäftsräumen befand sich in dem Moment nur das Inhaber-Ehepaar im Alter von 71 und 72 Jahren. Das Geschehen in dem alteingesessenen Geschäft in Celle geriet dann offenbar außer Kontrolle, es fielen zwei Schüsse. Je eine Kugel traf einen der Tatverdächtigen.

Ein 35-jähriger Deutscher stirbt, die Identität des zweiten Mannes konnte noch nicht ermittelt werden.

Celle: Gegen den Juwelier wird ermittelt

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Geschäftsinhaber wegen des Verdachts auf Totschlag. Nach den bisherigen Erkenntnissen sei klar, dass der 71-Jährige auf die beiden mutmaßlichen Räuber geschossen und sie tödlich verletzt habe, sagte die Sprecherin der Anklagebehörde Stefanie Vogler am Dienstag.

Demnach ist der 71-Jährige Inhaber einer gültigen Waffenbesitzkarte und durfte die Schusswaffe benutzen. Die Ermittler prüfen, ob der Mann in einer Notwehrsituation war. „Auf den ersten Blick sieht es nach Notwehr aus, das muss nun im Einzelnen geprüft werden“, so Vogler. Der genaue Tathergang ist bislang unklar, da es keine Überwachungskamera in dem Geschäft gibt.

Das Inhaber-Ehepaar erlitt einen Schock. Ob es vernehmungsfähig und bereit ist, Aussagen zu machen, war zunächst unklar. Gegen die beiden mutmaßlichen, verstorbenen Täter hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten schweren Raubes eingeleitet.

Ermittler hoffen auf Touristen-Fotos aus Celler Altstadt

Erst eine Weile nach den Schüssen traf die Spurensicherung am Tatort ein. Die Polizei bittet Zeugen, sich zu melden. Die Ermittler hoffen vor allem auf touristische Fotos, die zufällig am Ort des Geschehens in der Altstadt entstanden sein könnten – zum Beispiel von den Fachwerkhäusern.

Am Dienstagmorgen hieß es zudem, es gebe Hinweise darauf, dass sich die mutmaßlichen Täter mit einem Rollstuhl fortbewegt hätten.

Ob dieser medizinisch notwendig oder etwa eine Tarnung gewesen sei, stehe noch nicht fest, sagte die Polizeisprecherin zu news38.de. Auch hier erhoffen sich die Ermittler Hinweise. Hat etwa jemand gesehen, wie der Rollstuhl aus einem Fahrzeug geholt wurde?

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Schüsse auf Räuber nichts Ungewöhnliches

Immer wieder werden Juweliere in Deutschland Ziel bewaffneter Überfälle, manche von ihnen wurden dabei verletzt oder kamen ums Leben. Dass die Inhaber daher zum Schutz auch selber über eine Waffe verfügen, ist nicht ungewöhnlich.

So feuerte im niederrheinischen Moers 2014 ein von zwei maskierten Männern überraschter Juwelier auf die Eindringlinge, einer der beiden starb an seinen Verletzungen.

Bei einem anderen Überfall 2004 in Siegen war es die Frau des Inhabers, die nach einem Gerangel zwischen einem Räuber und ihrem Mann zur Pistole griff. Der Kriminelle wurde angeschossen. (dpa/ck)