Niedersachsen 

Niedersachsen: Ministerin bricht am Rednerpult in Tränen aus – „Mich erreichen Telefonate von weinenden Frauen und Männern“

Emotionale Szenen im Landtag in Niedersachsen: Barbara Otte-Kinast während ihrer Rede.
Emotionale Szenen im Landtag in Niedersachsen: Barbara Otte-Kinast während ihrer Rede.
Foto: imago images / NDR/dpa

Der Agrarministerin in Niedersachsen, Barbara Otte-Kinast, gehen die Inhalte ihres Jobs anscheinend sehr nahe.

In einer Sitzung des Landtags in Niedersachsen am Donnerstag bricht sie während einer Rede in Tränen aus – und erhält für ihre emotionalen Worte Beifall von den Anwesenden.

Niedersachsen: Ministerin bricht im Landtag in Tränen aus – das ist der Grund

Der Grund dafür: Die Verzweiflung der Tierhalter sei sehr groß. Weinende Frauen und Männer riefen sie an, sagte die CDU-Politikerin mit stockender Stimme. Sie würden ihre Schweine nicht mehr los. „Ich wäre froh, wenn ich diesen Menschen sagen könnte, dass das Schlimmste schon überstanden ist“, sagte die Ministerin, und verdrückt einige Tränen.

„Entschuldigung, aber ich bin ein bisschen angefasst“, sagt sie und dreht sich kurz weg, bevor sie weiterspricht. Die Tierhalter müssten ihre Erzeugung drosseln, auch wenn das erst in einigen Monaten greife.

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Deswegen ist die Situation in der Schweinemast schwierig

Angesichts coronabedingt weiter abnehmender Schlachtkapazitäten in Deutschland fordern Landwirte Hilfe von Politik und Verwaltung. Vor allem in Niedersachsen, einer der Hochburgen der Schweinehaltung in Deutschland, befänden sich die Betriebe in einer existenzgefährdenden Notlage.

Das Landwirtschaftsministerium reagierte und kündigte an, zusammen mit dem Sozialministerium die rechtlichen Voraussetzungen für Schlachtungen an Sonn- und Feiertagen vorzubereiten. Eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit sei aber erst einmal nicht geplant.

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Die Schlacht- und Zerlegekapazitäten sind schon seit Wochen aus Infektionsschutzgründen reduziert. Es fehlen für etwa 120 000 Schweine in der Woche die Schlachtkapazitäten, weil zwei Betriebe wegen Coronafällen verringerte Kapazitäten haben. Sie stellten zusammen 40 Prozent der Schlachtkapazitäten für Schweine in Niedersachsen, sagte Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast im Landtag in Hannover.

Otte-Kinast erwartet „Tierschutzproblem“

„Wir werden in den nächsten Wochen ein gravierendes Tierschutzproblem in vielen Ställen bekommen“, sagte Otte-Kinast mit Blick darauf, dass die Halter keine Abnehmer für ihre Tiere mehr finden. Die Notlage wird noch durch die Einfuhrverbote für deutsches Schweinefleisch in vielen Ländern wegen der Afrikanischen Schweinepest verschärft.

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Das ist Niedersachsen:

  • ist mit einer Fläche von 47.600 Quadratkilometern das zweitgrößte Bundesland nach Bayern
  • Landeshauptstadt ist Hannover
  • hat 7.993.608 Einwohner (Stand: Dezember 2019)
  • wurde im November 1946 gegründet
  • Sehenswürdigkeiten unter anderen: Heide Park, Lüneburger Heide, Autostadt, Nationalpark Harz

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Bauernpräsident Joachim Rukwied forderte, alle Möglichkeiten zu nutzen, den „Schweinestau“ in den Ställen abzubauen. In der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sprach er sich für Wochenendarbeit in den Schlachthöfen aus: „Wir brauchen jetzt Kompromissbereitschaft, um auch Tierwohl weiter gewährleisten zu können.“ (vh/mit dpa)