Peine 

Lovemobil-Mord: Auch der Zweite will's nicht gewesen sein

Der des Mordes Angeklagte Martin H. am 7. Dezember vor dem Gerichtssaal des Landgericht Hildesheim beim Prozessauftakt gegen den 30-Jährigen wegen Mordes an einer Prostituierten.
Der des Mordes Angeklagte Martin H. am 7. Dezember vor dem Gerichtssaal des Landgericht Hildesheim beim Prozessauftakt gegen den 30-Jährigen wegen Mordes an einer Prostituierten.
Foto: dpa

Hildesheim. Nach dem Freispruch eines zu Unrecht verdächtigten Mannes muss sich ein neuer Angeklagter wegen eines Prostituiertenmordes bei Hohenhameln verantworten. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Hildesheim bestritt der 30-Jährige, die Frau am 4. November 2016 in einem "Lovemobil" umgebracht zu haben. "Damit habe ich nichts zu tun", sagte der bullige Mann mit den kurz geschorenen Haaren. Rund anderthalb Stunden berichtete der 30-jährige Deutsche von seiner Kindheit in Stendal, späteren Jobs und Geldproblemen sowie vom Tatabend.

Überraschend erklärte der Mann plötzlich, er sei an dem Abend mit seinem Bekannten doch auf dem Parkplatz des Wohnwagens gewesen. Sein Bekannter und ehemals enger Freund habe mit der Prostituierten etwas regeln wollen, dann habe die Frau ihn an der Wohnwagentür betatscht, und er sie zurückgestoßen. Dabei habe sie ihn am Arm gekratzt.

Tatsächlich fanden die Ermittler DNA des 30-Jährigen unter den Fingernägeln der getöteten Ungarin, deren Bruder im Prozess als Nebenkläger auftritt. Dem 30-Jährigen, der zuletzt mit seiner Freundin in Salzgitter lebte, wird Mord aus Habgier vorgeworfen. Laut Anklage täuschte der mutmaßliche Mörder zunächst vor, die Dienste der Prostituierten mit dem Künstlernamen "Sissy" in Anspruch nehmen zu wollen.

Grausame Mord-Details

Wie Staatsanwalt Wolfgang Scholz sagte, schlug er der 40-Jährigen wütend mit der Faust ins Gesicht, als sie sich weigerte, Geld herauszurücken. Die sich heftig wehrende Frau fügte ihm demnach blutende Kratzwunden zu. Daraufhin habe sich der Mann mit dem rechten Fuß so lange auf Hals, Schulter und Brust der Frau gestellt, bis sie erstickte. Danach soll er die Tageseinnahmen von 1.000 Euro, ein Handy und einen Fernseher aus dem "Lovemobil" gestohlen haben.

Der Bekannte des mutmaßlichen Mörders hatte nach eigener Aussage zunächst auf dem Parkplatz gewartet und dann beim Öffnen der Wohnwagentür den Mann mit dem Fuß auf der Kehle der Frau stehen gesehen. Aus Angst vor dem 30-Jährigen habe er sich zunächst nicht bei der Polizei gemeldet. Deshalb wurde ein 45 Jahre alter anderer Kunde des Tatabends verhaftet. Erst in der Hauptverhandlung gegen den Ingenieur, der stets seine Unschuld beteuert hatte, kam die überraschende Wende. Der Staatsanwalt entschuldigte sich für das Justiz-Irrtum, ein Entschädigungsverfahren für seine rund sechsmonatige Inhaftierung läuft.

Der neue Angeklagte versuchte am Donnerstag, seinen Bekannten zu belasten, der das Verfahren gegen ihn ins Rollen gebracht hatte. Dieser sei am Tatabend rund anderthalb Stunden verschwunden und außerdem eifersüchtig auf seine neue Beziehung gewesen. Beide Männer hatten in der Vergangenheit zusammengewohnt.

Urteil im Januar

Am kommenden Montag sollen dieser Hauptbelastungszeuge sowie der freigesprochene Mann als Zeugen gehört werden. Insgesamt hat die Strafkammer zehn Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte nach dieser Planung am 17. Januar gesprochen werden.

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