Peine 

Tag des offenen Hofes: "Bilderbuchromantik ist vorbei!"

Sie haben heute die Türen ihres Hofes aufgemacht: Sabine und Maik Wiedemann aus Bettmar. "Wir haben gehofft, dass viele Menschen zu uns kommen."
Sie haben heute die Türen ihres Hofes aufgemacht: Sabine und Maik Wiedemann aus Bettmar. "Wir haben gehofft, dass viele Menschen zu uns kommen."
Foto: Bea Kühne
  • Bundesweiter Aktionstag - auch Höfe in der Region dabei.
  • Landwirte erlauben Blick hinter die Kulissen.
  • Warum ausländische Arbeitskräfte nötig sind.

Bettmar. "Als Landwirt ist es wie als Informatiker: Kaum einer weiß eigentlich noch, was wir hier genau machen", sagt Henning Ehlers. Er ist Landwirt in Bettmar bei Vechelde und macht gemeinsam mit Familie Wiedemann aus dem Ort beim "Tag des offenen Hofes" mit. Die Message an diesem Tag ist deutlich: "Wir machen nichts Verbotenes", sagt Ehlers in Bezug auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Rauf aufs Zuckerrübenfeld

Davon sollten sich die zahlreichen Besucher auf den Höfen und direkt am Feld selbst überzeugen, denn hier haben sich die Landwirte etwas Besonderes einfallen lassen: Neben dem gespritzten Zuckerrübenfeld haben sie eine kleine Flächen ohne Pflanzenschutzmittel wachsen lassen - der Unterschied ist gut sichtbar: Unkraut verdeckt die Pflanzen, die Rüben sind deutlich kleiner.

"Wir möchten so wenig wie möglich spritzen, aber wenn die Leute nur günstige Produkte kaufen wollen, geht das nicht einfach so", erklärt Klaus Thieleke, ein weiterer Landwirt aus der Region.

Zehn Arbeitsstunden benötigt er für die Bewirtschaftung von einem Hektar Zuckerrüben - ohne Pflanzenschutzmittel wären es 150 bis 250 Stunden. "Das geht dann nur mit ausländischen Arbeitskräften - die Bilderbuchromantik des Bauernhofes ist längst vorbei."

Wie leben die Hühner?

Die Besucher konnten auch einen Blick in den Hühnerstall von Henning Ehlers werfen: Hier leben 9.000 Hennen in Freiland- und Bodenhaltung. Im Stall hat die Technik Einzug gehalten: Fütterung, Wässerung und Entmistung laufen voll automatisch.

Der Mist wird zu der Biogasanlage in Groß Lafferde gefahren und kommt als Dünger zurück. Auch über das Futter wurde ausgiebig informiert: Unter anderem sind Bohnen, Weizen und Mais enthalten. "Wir würzen das Futter mit Oregano - das schmeckt den Hühnern besser", erklärt Mitarbeiter Marc-André Corrompt.

Für Henning Ehlers ist der "Tag des offenen Hofes" super. "Ich habe eine Verantwortung für meine Tiere und es kränkt mich sehr, wenn man mich als Tierquäler bezeichnet."

Sein Wunsch für die Zukunft ist klar: "Bei Fragen freuen wir uns, wenn man uns anspricht. Ich wünsche mir, dass man erst ein Urteil über unsere Arbeit fällt, wenn man Bescheid weiß." Heute wurde dahin zumindest ein erster Schritt getan.

Wir haben uns umgesehen: