Peine 

700 Euro für Welpe Bertha? Das sagt der Landkreis Peine zu den Abzocke-Vorwürfen

Bertha hatte alles andere als einen schönen Start ins Hundeleben. Sie wartet jetzt im Tierheim auf ein neues Zuhause.
Bertha hatte alles andere als einen schönen Start ins Hundeleben. Sie wartet jetzt im Tierheim auf ein neues Zuhause.
Foto: Landkreis Peine

Peine. Das Schicksal von Hündin Bertha in Peine bewegt offenbar viele Menschen. Vor einigen Wochen war der American-Staffordshire-Terrier-Welpe vom Zoll an der Autobahn entdeckt worden; Bertha wurde illegal nach Deutschland gebracht.

Danach hatte der zuständige Landkreis Peine die etwa fünf Monate alte Hündin sichergestellt. Die Kleine musste zunächst ein paar Wochen in Quarantäne verbringen. Mit Hilfe der Tierpfleger habe sich Bertha zu einem tollen Junghund entwickelt, hieß es.

Aber anders als erhofft, hat sich auch nach zwei Wochen Suche noch kein passender neuer Besitzer gefunden. Der Landkreis hatte für Bertha 700 Euro auf Verhandlungsbasis gefordert. Genau das hat viele news38.de-User empört.

Kritik an Summe für Hündin "Bertha" aus Peine

"Das ist eine Frechheit und Geldmacherei", schreibt Christiane bei Facebook. So sitze die Hündin wahrscheinlich noch Jahre im Tierheim fest. "Tierhandel ist für mich tabu. Unverschämt und eine unnötige Abzocke", so Veronica. Auch Naddi findet die Summe "exorbitant" hoch. "Jetzt machen Städte und Tierschutzvereine sogar Kohle mit den Rassen", schreibt John.

Es gibt aber auch andere Meinungen: "Wer bereit ist, diese Rasse zu halten und auch diese süße Maus aufzunehmen, dem ist auch die Summe egal. Find ich gerechtfertigt, kommen nicht zig Leute um die Ecke die sie wieder nach zwei Wochen abgeben", so Lisa.

Das sagt der Landkreis Peine zu den 700 Euro

Am Donnerstag hat sich der Landkreis zu Wort gemeldet. Er verteidigt die anberaumte Summe von 700 Euro und betont gegenüber news38.de noch einmal die Verhandlungsbasis.

Selbstverständlich hätte man Bertha auch zu einem niedrigeren Verkaufspreis abgegeben – wenn ein geeigneter Interessent auch geeignete Rahmenbedingungen nachgewiesen hätte.

"Entsprechende Anfragen kamen auch. Da jedoch die übrigen Voraussetzungen nicht stimmten, konnten diese Interessenten nicht berücksichtigt werden", so eine Sprecherin.

"Spaßbieter" sollten abgeschreckt werden.

700 Euro sei ein marktüblicher Verkaufspreis für einen American-Staffordshire-Terrier-Welpen. Man habe die Summe auch bewusst gewählt, um mögliche "Spaßbieter" abzuschrecken. Und: Es handle sich auch nicht um eine "Gebühr", sondern um einen zu erzielenden Erlös.

"Die Verwaltung ist daran gebunden, durch den Verkauf eines sichergestellten Tieres einem möglichst seinem Wert entsprechenden Geldbetrag zu erhalten", erklärt die Sprecherin.

Ein Verkauf unter Wert sei kritisch zu sehen, weil das zu Ersatzansprüchen von dem bisherigen Halter führen könne. "Kann ein sichergestelltes Tier innerhalb einer angemessenen Frist nicht verkauft werden, so darf es nach der Rechtslage einem gemeinnützigen Zweck zugeführt werden. Das ist hier der Fall", heißt es.

Da es sich bei Bertha um ein lebendes Tier handelt, sei der Hündin aus Tierschutzgründen weder eine unbegrenzte Verwahrung bis zu einem möglichen Verkauf zuzumuten noch sei ein sichergestellter Hund einfach an den Meistbietenden zu veräußern.

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"Vielmehr muss sichergestellt sein, dass bestimmte Mindestanforderungen seitens des Interessenten erfüllt werden", betont die Sprecherin. Unter anderem müsse der Interessent einen Sachkundenachweis nach NHundG vorlegen und eine artgerechte Tierhaltung garantieren können.

Bertha selbst wurde am Donnerstag dem gemeinnützigen Tierschutzverein übertragen, bei dem sie bereits heute lebt. Ab sofort übernimmt der Verein die Kosten für die weitere Unterbringung und die Verantwortung für die Vermittlung an einen geeigneten Halter.