Peine 

Peine: Flüchtlingsrat will Abschiebung von Roma-Familie stoppen – „Wir sind schockiert“

Einer achtköpfigen Roma-Familie aus dem Kreis Peine droht die Abschiebung. Der Flüchtlingsrat Niedersachsen kämpft für sie. (Symbolbild)
Einer achtköpfigen Roma-Familie aus dem Kreis Peine droht die Abschiebung. Der Flüchtlingsrat Niedersachsen kämpft für sie. (Symbolbild)
Foto: imago images / Michael Trammer

Peine. Einer Roma-Familie aus dem Kreis Peine droht die Abschiebung nach Serbien. Der Flüchtlingsrat Niedersachsen will das unbedingt verhindern.

Es geht um eine achtköpfige Familie, die seit 30 Jahren in Niedersachsen lebt, aktuell im Kreis Peine. Sechs der sieben Kinder seien in Deutschland geboren, so der Flüchtlingsrat. Sie seien acht bis 19 Jahre alt.

Land Niedersachsen will Familie aus Peine abschieben

Während die Härtefallkommission sich im Februar dafür ausgesprochen hatte, dass die Familie hierbleiben kann, lehnte das Innenministerium das Votum im April ab. Nur die 19-jährige Tochter solle ein Bleiberecht erhalten.

„Wir sind schockiert darüber, dass der Landkreis Peine und das Innenministerium einer niedersächsischen Familie, die seit Jahrzehnten hier lebt und auch Arbeit gefunden hat, Bleibeperspektiven verweigert und stattdessen auf ihre Abschiebung setzt“, so der Flüchtlingsrat.

Anstatt die Situation der Familie zu würdigen und die strukturelle Diskriminierung von Roma in Europa zu berücksichtigen, argumentierten die Behörden formalistisch und kalt, so Sascha Schießl vom Flüchtlingsrat.

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Dem Flüchtlingsrat zufolge ist der Vater unbefristet als Pflegeassistent beschäftigt. Auch seine Frau habe im Pflegebereich gearbeitet, bis sie aufgrund der Ausnahmesituation wegen drohenden Abschiebung erkrankt sei – und ihr gekündigt worden sei.

Sohn will Ausbildung bei „Kochlöffel“ in Peine starten

Dem 16-jährigen Sohn Rahman liege ein Ausbildungsvertrag als Systemgastronom bei „Kochlöffel“ in Peine vor. Er sei ein netter junger Mann, der sich über eine gute Ausbildung ein Leben aufbauen wolle, so Filialleiterin Stephanie Ledel. „Wir sind wirklich entsetzt, dass die Behörden so mit Menschen umgehen und ihnen damit Perspektiven verbauen.“

Dass es bei seinen Geschwistern Probleme in der Schule gebe, habe seine Gründe, so der Flüchtlingsrat. Unter anderem sei die große Verunsicherung schuld daran, wobei es zuletzt auch schon deutlich besser gelaufen sei.

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Das fordert der Flüchtlingsrat Niedersachsen

  1. Die Ausländerbehörde des Landkreises Peine muss Rahman M. umgehend eine Arbeitserlaubnis sowie eine Ausbildungsduldung erteilen.
  2. Der Landkreis Peine und das niedersächsische Innenministerium müssen sofort alle Abschiebemaßnahmen beenden.
  3. Die gesamte Familie braucht ein gesichertes Bleiberecht. Das schafft Rechtssicherheit und Perspektiven. Nur so muss die Familie nicht länger in der ständigen Furcht leben, abgeschoben zu werden und ihr Zuhause verlassen zu müssen.
  4. Die Familie benötigt Unterstützung durch wohlmeinende, wertschätzende Behörden. In ganz Niedersachsen muss gelten: Wir lassen niemanden zurück, wir geben Familien nicht auf, sondern unterstützen alle, die Unterstützung benötigen.

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Laut dem Innenministerium hatte die Familie aus dem Kreis Peine eine 2013 geschlossene Integrationsvereinbarung nur kurz eingehalten. Laut NDR soll die Familie auch andere Möglichkeiten, selbst ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht zu bekommen, ungenutzt verstreichen lassen haben. (ck)