Region38 

Verkehrsbilanz 2017: Mehr Tote in der Region38

Mit Tempo 200 ist ein mutmaßlicher Autodieb am 31. Mai auf der Flucht vor der Polizei in der Berliner Straße in Braunschweig in den Tod gerast.
Mit Tempo 200 ist ein mutmaßlicher Autodieb am 31. Mai auf der Flucht vor der Polizei in der Berliner Straße in Braunschweig in den Tod gerast.
Foto: Rudolf Karliczek/dpa
  • Opferzahl in Braunschweig mehr als verdreifacht.
  • Anstieg auch in Gifhorn, Wolfsburg und Helmstedt.
  • Ein Todesopfer in der Stadt Salzgitter.

Region38. Es war kein gutes Jahr 2017 auf den Straßen der Region38: Die Zahl der Verkehrstoten ist in einigen Bereichen deutlich gestiegen. In der Stadt Braunschweig hat sie sich gegenüber 2016 sogar mehr als verdreifacht: Starben damals im Stadtgebiet "nur" zwei Menschen an den Folgen von Verkehrsunfällen, waren im vergangenen Jahr sieben Opfer zu beklagen. Nur in der Stadt Salzgitter ging die Zahl der Opfer deutlich zurück.

Polizeiinspektion Braunschweig

Anfang Dezember erlag eine 59-jährige Fußgängerin ihren Verletzungen, die sie eine Woche zuvor bei einem Unfall in Rüningen erlitten hatte - sie war das siebte und letzte Verkehrsopfer im alten Jahr in der Löwenstadt.

Die Erklärung für den sprunghaften Anstieg gegenüber 2016 mutet fast schon zynisch an: 2016 war aus Sicht der Polizeiinspektion Braunschweig ein Jahr mit besonders wenigen Verkehrsopfern. Damals starben zwei Menschen. Zum Vergleich: "2015 waren es noch sechs Tote", berichtet Sprecher Stefan Weinmeister.

Dass die Zahl im jüngst abgelaufenen Jahr jene von 2015 noch übertrifft, schreibt Weinmeister auch einem besonders spektakulären Unfall Ende Mai auf der Berliner Straße zu: Damals war ein 50-jähriger Autodieb auf der Flucht vor der Polizei in einem gestohlenen Audi mit Tempo 200 in Richtung Innenstadt unterwegs - und gegen einen Oberleitungsmasten der Straßenbahn gekracht.

Autobahnpolizei-Kommissariat Braunschweig

Ein ähnlicher Fall hat sich am 19. Dezember bei Eilsleben in Sachsen-Anhalt ereignet: Dort zerschellte ein 31-jähriger mit einem in Cremlingen gestohlenen Audi an einem Versorgungshäuschen. Zuvor hatte er sich auf der A2 ab dem Parkplatz Uhry eine Verfolgungsjagd in Richtung Osten geliefert. Dabei waren die Fahrzeuge zeitweise mit Tempo 240 unterwegs.

Der Tod des Mannes hinter der niedersächsisch/sachsen-anhaltinischen Grenze bewahrt die 2017er Statistik des Autobahnpolizei-Kommissariats Braunschweig vor schlechteren Zahlen als 2016: In beiden Jahren starben jeweils zehn Menschen auf den Autobahnen im Bereich der Polizeidirektion Braunschweig; dazu zählen sowohl die für ihre schweren Lkw-Unfälle berüchtigte A2 als auch die A39, die A391 und die A395.

Eine Statistik-Besonderheit: Als letzter Autobahn-Toter des alten Jahres zählt jener am Dienstag gestorbene 18-Jährige, der am Silvestertag bei einem Unfall auf der A39 bei Salzgitter-Thiede aus dem Auto geschleudert wurde.

Wie viele Menschen bei den Autobahn-Unfällen schwere Verletzungen erlitten haben, ist indes unklar: Zahlen liegen noch nicht vor.

Vorsicht: Oma am Steuer!
Vorsicht: Oma am Steuer!

Polizeiinspektion Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel

Auch im Bereich der Polizeiinspektion Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel war das letzte Todesopfer noch kurz vor dem Jahreswechsel zu beklagen: In der Nacht zum 31. Dezember starb ein 19-Jähriger zwischen Klein und Groß Gleidingen im Landkreis Peine bei einem Baum-Unfall.

Bereits im August hatte in Wolfenbüttel ein tödlicher Unfall für Entsetzen gesorgt: Ein Porsche-Fahrer hatte mit seinem Sportwagen einen mit Blaulicht und Martinshorn fahrenden Rettungswagen gerammt und umgekippt; ein 80-jähriger Patient kam dabei ums Leben.

Gesamtzahlen für den Inspektionsbereich Salzgitter-Peine-Wolfenbüttel liegen zwar noch nicht vor. Eine vorläufige erste Bilanz kann Sprecher Matthias Pintak nur für die Stadt Salzgitter ziehen. Demnach ist die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten etwas und jener mit Leichtverletzten "deutlich höher als im Vorjahr".

Außerdem gab es ein Todesopfer: Im August hatte ein Schulbus ein neunjähriges Mädchen an der Kreuzung Kattowitzer Straße/Bruchmachtersenstraße erfasst. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Busfahrer dauern nach Angaben von Behördensprecher Sascha Rüegg noch an.

Erst bis Ende Februar sei mit dem Abschluss - und damit auch mit einer Entscheidung über eine Anklage - zu rechnen, teilte er auf Nachfrage von news38.de mit.

Zum Vergleich: 2016 gab es im Stadtgebiet von Salzgitter noch sieben Verkehrstote; außerdem wurden 67 Menschen schwer verletzt.

Polizeiinspektion Wolfsburg-Helmstedt

Genaue Zahlen gibt's zwar auch aus der Polizeiinspektion Wolfsburg-Helmstedt noch nicht, aber "die Tendenz ist eindeutig", bestätigte Sprecher Sven-Marco Claus.

Diese Tendenz zeigt: nach oben. Es gab mehr Tote und Verletzte - nicht zuletzt wegen mehrerer schwerer Unfälle im Dezember auf der K114 im Bereich des Ilkerbruchs bei Wolfsburg. Drei Tote und mehrere teilweise lebensgefährlich verletzte Fahrzeuginsassen - das ist die tragische Unfallbilanz im letzten 2017er Monat alleine auf dieser Strecke.

Dabei sei die K114 - gemessen an der Zahl der Unfälle - gar kein Unfallschwerpunkt, sagte Claus. Viel häufiger krache es beispielsweise im Bereich des Berliner Rings in Wolfsburg - die Folgen seien dort im vergangenen Jahr aber viel weniger gravierend gewesen.

Über Konsequenzen aus dem Unfallgeschehen wird nach Claus' Worten im März eine aus Vertretern der Polizei, den Kommunen und der Straßenbaubehörde bestehende Unfallkommission beraten.

Doch an manchen Stellen wie an der K114 seien Veränderungen kaum noch möglich: "Dort gelten bereits Tempo 70 und ein Überholverbot" - außerdem habe die Polizei in der vergangenen Woche mit Messungen "intensiv" die Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit überprüft.

Polizeiinspektion Gifhorn

Im Bereich der Polizeiinspektion Gifhorn ist die Zahl der Verkehrstoten von neun im Jahr 2016 auf 13 im vergangenen Jahr gestiegen, zieht Verkehrs-Sachbearbeiter Winfried Enderle von der dortigen Inspektion eine erste vorläufige Bilanz. Außerdem seien bei 102 Unfällen 127 Personen schwer verletzt worden; im Vorjahr waren es noch 131 Schwerverletzte.

Damit hat die Polizei auch in Gifhorn ihr selbstgestecktes Ziel verfehlt, "runterzukommen von diesen hohen Zahlen". Unfallschwerpunkt sei die B188 gewesen. Auch hier will im Frühjahr die Unfallkommission darüber beraten, wie das Ziel sicherer Straßen doch noch erreicht werden kann.

Eine Maßnahme für sichereren Verkehr hatte dabei im vergangenen Jahr für viel Aufsehen gesorgt: Die Lovemobile sollen vom Rand der B188 verschwinden; denn in einem Bereich der B188 mit auffallend vielen dieser Mobil-Puffs habe es 2016 insgesamt 13 Unfälle mit Schwerverletzten gegeben, hatte Enderle seinerzeit begründet.

Polizeiinspektion Goslar

Im Bereich der Polizeiinspektion Goslar liegen noch keine genauen Zahlen vor, wie Verkehrssachbearbeiter Sigurd Breustedt berichtet. Nur einen Trend kann er deshalb vermelden: "Die Zahlen der Verkehrsunfälle und der Verkehrsopfer liegen nach dem bisherigen Kenntnisstand auf dem Niveau von 2016."

Damals hatte es acht Verkehrstote gegeben - vier Mal so viel wie 2015. Außerdem wurden 133 Menschen schwer verletzt,