Region38 

"Das Hakenkreuz von nebenan": Erfahrungen eines Fotografen

Der Student Jannis Große ist häufig als Fotograf auf Demonstrationen unterwegs - dabei fühlt er sich nicht immer ganz wohl.
Der Student Jannis Große ist häufig als Fotograf auf Demonstrationen unterwegs - dabei fühlt er sich nicht immer ganz wohl.
Foto: Lara Hann

Region38. Der Student Jannis Große hat eine Foto-Serie über rechtsradikale Schmierereien in der Region38 erstellt. Die rechte Szene droht ihm wegen seiner Dokumentationen.

Schon im Kindesalter hat Jannis, der ursprünglich aus Freiburg kommt, sich für Fotografie interessiert. Mit 14 ist er zu Greenpeace gekommen und hat angefangen auf Anti-Atom-Demos zu fotografieren. Inzwischen studiert der 21-Jährige Medienkommunikation an der Hochschule in Salzgitter.

Hakenkreuze in Salzgitter

Auf der Platform Campus38 hat er den Beitrag "Das Hakenkreuz von nebenan" veröffentlicht. Rechtsextreme Sticker und Graffiti – all das dokumentiert seine Foto-Serie.

"Als ich angefangen habe zu studieren, ist mir auf dem Weg zur Uni immer wieder ein riesiges Hakenkreuz aufgefallen, das auf eine Garage geschmiert war", erzählt der Student. Auf dem Hakenkreuz habe ein vergilbter "JN-Strukturen zerschlagen"-Aufkleber geklebt. "Dieses Hakenkreuz muss schon etliche Jahre zu sehen gewesen sein", stellt er fest.

Ärger mit der rechten Szene

Das Erlebnis habe ihn auf die Idee gebracht, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Er selbst bezeichnet sich als "politischen Menschen". Das zeigen auch seine Fotomotive - häufig ist er auf Demos unterwegs und fängt als freier Fotograf Eindrücke ein. Das hat ihm schon Ärger mit der rechten Szene beschert.

So habe ein bekannter Neonazi aus der Braunschweiger Szene ihn online bedroht. Sätze wie "nimm die Scheiße raus, sonst wird das nächstes mal richtig eklig für dich", sollen dabei gefallen sein. Auch auf der großen Demonstration in Chemnitz, bei der viele bekannte Neonazis anwesend waren, war Jannis dabei. Auch dort sei er von den Braunschweigern wiedererkannt worden.

Wohnsitz: unbekannt

"Außer, dass einer von ihnen immer wieder um mich herumgelaufen ist, ist aber zum Glück nichts passiert", erzählt der Foto- und Videojournalist, der seinen Wohnsitz sicherheitshalber nicht nennen möchte.

Auch auf anderen Demos sei er schon wiedererkannt und sogar angesprochen worden. So richtig wohl fühle er sich in dieser Situation nicht. "Aber ich weiß, dass ich Leute habe, die hinter mir stehen", sagt er. Angezeigt hat er die Drohungen nicht. Zu groß sei das Risiko nicht ernst genommen, oder von den extrem Rechten gefunden zu werden.

Kampf der Sticker-Kleber

Die Bilder für seine Foto-Serie sammelt er seit Anfang des Jahres. "Und es kommen immer wieder neue dazu", sagt er. Dass es in den letzten zwei Jahren grundsätzlich mehr geworden ist, sieht er allerdings nicht. "Das ist komplett ortsabhängig und läuft phasenweise ab", erklärt er.

Manchmal würden die Sticker lange hängen, manchmal würden sie sehr schnell mit anderen Stickern überklebt. In einer zweiten - noch nicht veröffentlichten - Fotoserie beschäftigt er sich mit dem "Kampf" zwischen den Sticker-Kleber und Sprayer, und hat neben rechten auch viele linke Sticker und Graffitis fotografiert.

Aus Freiburg kenne er solche Phänomene nicht in dem Maße. "Das war schon ein richtiger Kulturschock, als ich angefangen habe zu studieren", sagt er.

Schmierereien in Braunschweig

Zukunft im Journalismus

Nach seinem Studium möchte er weiterhin das tun, "was ich eh schon tue". Neben Praktika will er weiter als freier Fotograf arbeiten und versuchen, seinen Lebensunterhalt rein auf diese Weise zu verdienen. Dabei sollen auch Dokus über Demonstrationen und die Live-Berichterstattung bei Twitter weiterhin einen großen Teil seines Schaffens einnehmen.

Die Freude am Journalismus will er sich also durch den Gegenwind nicht nehmen lassen. Die gesamte Galerie von Jannis findet ihr hier.