Region38 

Grippewelle rollt an - Experten werben für den Pieks

Nicht nur die Gesundheitsämter der Region, auch Haus- und Betriebsärzte impfen gegen die Grippe - mit einem Pieks in den Oberarm (Symbolfoto).
Nicht nur die Gesundheitsämter der Region, auch Haus- und Betriebsärzte impfen gegen die Grippe - mit einem Pieks in den Oberarm (Symbolfoto).
Foto: Patrick Pleul/dpa
  • Gesundheitsämter der Region bieten Impf-Aktionstage an.
  • Impfungen entweder gratis - oder Kassen erstatten die Kosten.
  • Nach schwerer Influenza-Welle wollen Behörden Wiederholung vermeiden.

Braunschweig/Region38. Mehr als 1.000 Tote bundesweit, Krankenstände in den Betrieben von bis zu 20 Prozent - und allein in der Stadt Braunschweig fast 360 gemeldete Influenza-Fälle: Die Grippewelle Anfang des Jahres war so heftig, dass die Gesundheitsämter in der Region38 nun alle Hebel in Bewegung setzen, um eine Wiederholung im Winter 2018/19 unbedingt zu verhindern. Im Mittelpunkt dabei: das Werben für die Grippeschutzimpfung.

Impf-Aktionstage

So planen die Behörden in der Woche zwischen dem 22. und dem 26. Oktober jeweils eigene Impf-Aktionstage. "Wir wollen kräftig informieren und motivieren, sich schützen zu lassen", betont die Braunschweiger Gesundheitsamtsleiterin Dr. Brigitte Buhr-Riehm, die gleichzeitig Vorsitzende des Hygienenetzwerks Südostniedersachsen ist.

Impfquote unter 50 Prozent

Denn bislang lasse sich in der Region nicht einmal jeder zweite gegen die Influenza-Viren impfen. "Und deshalb gab es auch bei uns eine Reihe schwerer Verläufe - und den einen oder anderen tragischen Fall." Zwar werde selbst der für die kommende Grippe-Saison eingesetzte Vierfach-Wirkstoff höchstens einen etwa 80-prozentigen Schutz bieten - "aber er vermeidet allemal einen schweren Krankheitsverlauf".

Wer sich trotz Impfung anstecke, leide vielleicht unter den typischen Symptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Mattheit. Aber es gebe dann eben keinen Komplett-K.o,, der bis zur akuten Lebensgefahr reichen könne.

Die meisten Kassen zahlen

In Braunschweig lädt das Gesundheitsamt am Dienstag, 23. Oktober, zwischen 9 bis 17 Uhr zur Schutzimpfung ein. Versicherte der AOK, DAK, Techniker-Krankenkasse und der Barmer brauchen gar nichts zu zahlen - bei ihnen genügt die Vorlage der Gesundheitskarte. Kunden anderer Kassen und Privatversicherte müssen zwar zunächst 14 Euro zahlen, Nach Worten von Amtsärztin Buhr-Riehm könnten sich die Kosten in den meisten Fällen erstatten lassen.

Auch Hausärzte impfen

600 Impfdosen hat die Stadt Braunschweig bestellt - viel zu wenig, um die vom Gesundheitsamt angepeilte Impfquote von 80 Prozent zu erreichen. Deshalb weist die Leiterin des Gesundheitsamtes auch auf die Möglichkeit hin, sich beim jeweiligen Hausarzt beraten und impfen zu lassen.

In größeren Unternehmen gebe es zudem die Möglichkeit, sich beim Betriebsarzt den schützenden Piekser in den Oberarm abzuholen. Hier wie dort werde sogenannter "Tot-Impfstoff" verabreicht. Das heißt: "Er kann keine Influenza auslösen." Und nur in den seltensten Fällen könne es zu leichten Nebenwirkungen wie erhöhte Temperatur oder Kopf- und Gliederschmerzen kommen.

Hier wird geimpft

  • Braunschweig: Dienstag, 23. Oktober, 9 - 17 Uhr, Gesundheitsamt (Hamburger Straße 226). Versicherte der AOK, DAK, Techniker-Krankenkasse und der Barmer brauchen gegen Vorlage der Gesundheitskarte nichts zu zahlen. Für andere kostet die Teilnahme 14 Euro, die Kosten werden in den meisten Fällen von den jeweiligen Kassen später erstattet.
  • Goslar: Donnerstag, 25. Oktober, 9 - 16 Uhr, Gesundheitsamt (Heinrich-Pieper-Straße 9). Gesetzlich Versicherte erhalten eine Rechnung über 16 Euro, die bei der Krankenkasse eingereicht werden können. Barzahlung ist nicht möglich.
  • Helmstedt: Donnerstag, 25. Oktober, 9 - 11.30 Uhr, Gesundheitsamt des Landkreises. Hier müssen die Teilnehmer circa 20 Euro bar bezahlen; die Kosten werden später von den meisten Kassen erstattet.
  • Peine: Montag, 22. Oktober, 9 bis 15 Uhr, Gesundheitsamt des Landkreises. Für Versicherte von AOK, Techniker Krankenkasse, DAK und Barmer ist die Impfung gegen Vorlage der Versichertenkarte kostenlos; andere müssen etwa 13 Euro in bar zahlen und können sich die Kosten erstatten lassen.
  • Salzgitter: Mittwoch, 24. Oktober, 9 - 15 Uhr, Außenstelle des Gesundheitsamtes im Fachärztezentrum in Lebenstedt, Kattowitzer Straße 191b, sowie Gesundheitsamt in Bad, Paracelsusstraße 1-9. Für Versicherte der Audi BKK, Betriebskrankenkasse Mobil Oil, der AOK, der BKK Salzgitter, der BKK Publik, der TUI BKK, der DAK, der Barmer, der Techniker Krankenkasse und der hkk ist die Impfung gegen Vorlage der Chipkarte kostenlos. Kunden anderer Kassen sowie Privatversicherte erhalten eine Rechnung über 23 Euro. Barzahlung ist nicht möglich.
  • Wolfsburg: Dienstag, 23. Oktober, 8.30 - 16 Uhr, Gesundheitsamt, Rosenweg 1a. Für Mitglieder der AOK, Audi BKK, Barmer, DAK und Techniker-Krankenkasse ist die Impfung kostenlos gegen Vorlage der Chipkarte. Alle anderen müssen 13 Euro in bar zahlen, die meisten Kassen erstatten die Kosten im Nachhinein.

Von anderen Verwaltungen liegen bislang keine Termine vor.

Wer sollte sich impfen lassen?

Laut Ständiger Impfkommission des Robert-Koch-Institutes sind Grippeschutzimpfungen für folgende Personengruppen empfohlen:

  • Alle Personen über 60 Jahre,
  • Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel,
  • Menschen mit chronischen Grunderkrankungen ab 6 Monaten,
  • medizinisches Personal einschließlich Mitarbeitern von Alten- und Pflegeheimen.

Wie kann man sich sonst schützen?

Tobias Lenz, Gesundheitsingenieur im Gesundheitsamt Braunschweig und zuständig für meldepflichtige Erkranken, gibt folgende Tipps:

  • Sehr viel Hände waschen.
  • "Hygienisch husten oder niesen" - das heißt: Sich von anderen abwenden, in die Hand oder Armbeuge husten.
  • In der Grippesaison (üblicherweise Januar bis etwa April): Öfter mal aufs Händeschütteln verzichten, weniger Begrüßungen mit Küsschen.

Und wenn's einen doch erwischt hat?

  • Bei ersten Anzeichen den Hausarzt lieber anrufen - anstatt sich gleich ins volle Wartezimmer zu setzen.
  • Im Krankheitsfall "wirklich zuhause bleiben und dadurch auch Kollegen und den Arbeitgeber schützen", wie Amtsärztin Brigitte Buhr-Riehm betont.
  • Sich zuhause in ein gesondertes (Schlaf-)Zimmer zurückziehen, um Familienmitglieder zu schützen.
  • Drei bis vier Mal pro Tag die Räume für jeweils zehn Minuten durchlüften.
  • "Ganz wichtig: Antibiotika helfen bei Grippe gar nicht", betont die Braunschweiger Amtsärztin. "Da züchtet man sich eher Resistenzen heran."