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Grausame Tötung auf Video: Schlachthof in Oldenburg macht dicht

Tierschützer haben mit versteckter Kamera aufgenommene Videos aus dem Schlachthof in Oldenburg gezeigt und dem Betrieb vorgeworfen, Rinder unzureichend und nicht fachgerecht betäubt und bei Bewusstsein getötet zu haben. (Symbolbild)
Tierschützer haben mit versteckter Kamera aufgenommene Videos aus dem Schlachthof in Oldenburg gezeigt und dem Betrieb vorgeworfen, Rinder unzureichend und nicht fachgerecht betäubt und bei Bewusstsein getötet zu haben. (Symbolbild)
Foto: Imago/Blickwinkel
Tierschützer schockieren mit heimlich aufgenommenen Horror-Videos aus niedersächsischen Schlachthöfen. Nach dem durch Horror-Videos bekanntgewordenen Missstände hat der Oldenburger Schlachthof die Reißleine gezogen. Alle Schlachtungen sind vorerst gestoppt. Drei Stadt-Veterinäre müssen möglicherweise unangenehme Fragen beantworten.

Der wegen des Verdachts auf Tierquälerei in die Schlagzeilen geratene Schlachthof in Oldenburg hat seinen Betrieb vorübergehend stillgelegt. Das teilte der Schlachthofbetreiber GK Oldenburg GmbH & Co. KG am Montag der Stadt Oldenburg mit. Nach dpa-Informationen wird schon seit Freitag in dem Betrieb nicht mehr geschlachtet. Es sollen nun bauliche Maßnahmen, Kontrollprozesse und Möglichkeiten für Mitarbeiterqualifikationen geprüft werden. Tierschützer sprachen von einem Erfolg, erstatteten aber gleichzeitig Strafanzeige gegen Mitarbeiter des Veterinäramtes Oldenburg.

Schlacht-Stopp in Oldenburg

Das an dem Schlachthof beteiligte Fleischunternehmen Goldschmaus mit Sitz in Garrel (Kreis Cloppenburg) zeigte sich in einer Pressemitteilung “bestürzt“, dass es bei dem Schlachtbetrieb in Oldenburg zu den “aktuell diskutierten Vorfällen“ gekommen sei. Man habe sich entschlossen, den Schlachthofbetreiber GK Oldenburg vorerst nicht mehr mit Schlachtungen zu beauftragen. Die Zusammenarbeit sei bis auf Weiteres gestoppt worden. Die 14 fest angestellten Mitarbeiter sollten während der vorübergehenden Stilllegung weiter beschäftigt werden.

Schlachthof soll Tiere bei Bewusstsein getötet haben

Der Verein Deutsches Tierschutzbüro begrüßte die Entscheidung. “Es ist ein Erfolg, dass der Schlachthof selbst die Einsicht hatte, seinen grauenvollen Betrieb ruhen zu lassen. Der Schlachthof darf nie wieder in Betrieb gehen und alle Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, so Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Tierschutzbüros. Der Verein hatte mit versteckter Kamera aufgenommene Videos aus dem Schlachthof gezeigt und dem Betrieb vorgeworfen, Rinder unzureichend und nicht fachgerecht betäubt und bei Bewusstsein getötet zu haben.

Videos aus Schlachthof werden ausgewertet

Die Stadt Oldenburg teilte am Montag mit, dass man nach einer ersten Bewertung des sehr umfangreichen Videomaterials davon ausgehe, dass drei städtische Veterinäre auf dem Bildmaterial zu sehen sind. Die Stadt werde die Mitarbeiter jetzt umgehend befragen, sagte Pressesprecher Reinhard Schenke. Ob tatsächlich konkrete Verstöße gegen das Tierschutzrecht vorlägen, sei nach Auffassung der Stadt durch das Videomaterial nicht zweifelsfrei zu klären.

Veterinäre geraten ins Visier der Ermittler

Das Tierschutzbüro reichte am Montag eine weitere Strafanzeige ein. Diese richte sich gegen namentlich nicht benannte Veterinäre der Stadt Oldenburg wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz, teilte die Staatsanwaltschaft Oldenburg auf Anfrage mit. Nach Angaben der Tierschützer sind Mitarbeiter vom zuständigen Veterinäramt “ganz offensichtlich (...) in den Skandal verwickelt“. “Immer wieder haben Personen, die ganz offensichtlich nicht direkt zum Schlachthof gehören und eine Kontrollfunktion haben, zugeschaut, wenn Tiere leiden und gequält werden“, hieß es vom Verein.

Edeka und Co. beendet Zusammenarbeit mit Schlachthof

In den vergangenen Tagen hatten mehrere große Einzelhandelsketten wie Edeka, Aldi und Lidl wegen der Vorfälle die Zusammenarbeit mit dem Schlachthof beendet. Der Schlachthofbetreiber selbst hatte vorige Woche die Vorwürfe im Grundsatz eingeräumt, aber vor allem Werksvertragsarbeiter für die Missstände verantwortlich gemacht. (dpa, aj)