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Umweltminister Olaf Lies zur Stilllegung der Asse: „Es muss Sorgfalt vor Schnelligkeit gehen“

Der Umweltminister Olaf Lies besuchte das Atommülllager Asse. (Archivbild)
Der Umweltminister Olaf Lies besuchte das Atommülllager Asse. (Archivbild)
Foto: Ole Spata/dpa
  • Umweltminister Olaf Lies besuchte die Schachtanlage Asse II
  • Die Asse II soll stillgelegt und die radioaktiven Abfälle nach Möglichkeit wieder zurückgeholt werden
  • Die geplante Stilllegung wird aber noch mindestens 15 Jahre dauern

Remlingen. In der Schachtanlage Asse II werden seit 50 Jahren rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen gelagert. Vom „erschütterndsten Beispiel fehlgeleiteter Industriepolitik für die Umwelt“ spricht Minister Olaf Lies, als er sich am Mittwoch ein Bild von den Stilllegungsarbeiten am atomaren Abfalllager macht.

In 490 Metern Tiefe lässt sich Niedersachsens Umweltminister informieren. Die Rückholung des Mülls aus dem Atommülllager sei „ein Milliardenprojekt von zentraler Bedeutung“ für das Land. Er steht genau zehn Meter über der Beschickungskammer 8A, in der 1301 Fässer voll mit radioaktiven Abfällen lagern. „Die sichere Stilllegung stellt eine der größten Herausforderungen dar“, sagt der SPD-Politiker.

Es soll ein Rückholbergwerk in der Asse entstehen

Begleitet wird Lies unter anderen vom technischen Geschäftsführer der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), Thomas Lautsch, und dem Präsidenten des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie, Andreas Sikorski. Lautsch erläutert, dass bis zu 100 Millionen Euro jährlich in die Rückholung investiert würden.

Rund 600 Mitarbeiter arbeiten ihm zufolge daran. Entstehen soll ein eigenes Rückholbergwerk mit einem neuen Schacht 5. Die technischen Lösungen für die Bergung sollten nach Auffassung des Ministers auch in der Region entwickelt und gebaut werden.

Aus einer schwierigen Situation könne so auch eine Chance entstehen.

Die Entstehung des Rückholbergwerks in der Asse soll schnellstmöglich passieren

Täglich dringt Wasser in das Bergwerk ein und droht es zu destabilisieren. Viele Jahre waren es 11,5 Kubikmeter, seit ein paar Wochen strömen laut BGE 12,5 Kubikmeter ein.

Vorhersagen zur weiteren Entwicklung gelten als schwierig. Ein unkontrolliertes Volllaufen des Grubengebäudes kann auch nach Auffassung der BGE nicht ausgeschlossen werden. Die Asse I und Asse III sind bereits abgesoffen, sagte eine BGE-Sprecherin während des Besuchs.

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Mit der geplante Stillegung der Asse wird noch mindestens 15 Jahre gewartet

Die Betreibergesellschaft mit Hauptsitz in Peine hat den gesetzlichen Auftrag, die Asse II unverzüglich stillzulegen. Die von 1967 bis 1978 eingelagerten radioaktiven Abfälle sollen zurückgeholt werden, wenn das radiologisch und sicherheitstechnisch möglich ist.

Das „unverzüglich“ bedeutet in diesem Fall aber noch mindestens 15 Jahre. Frühestens im Jahr 2033 könne damit begonnen werden, betont Geschäftsführer Lautsch.

„Es muss aber Sorgfalt vor Schnelligkeit gelten“, sagt Minister Lies und kündigt bei seinem ersten Besuch als Umweltminister an, den Prozess kritisch und mit Nachdruck begleiten zu wollen. Er fordert einen Gesamtplan bis Ende 2019, in dem Schachtbau, Rückholung, Zwischenlagerung mit möglichen Varianten und Zeitplänen aufgeführt werden sollen.

Die Umweltschützer machen Olaf Lies Druck

Umweltschützer betonen immer wieder, dass sie solche Ankündigungen kennen. Im Bürgergespräch nach der Besichtigung machen sie dem Minister auch deutlich, ihn an konkreten Ergebnissen messen zu wollen.

Außerdem fordern sie, dass die Öffentlichkeit endlich besser in den Prozess eingebunden wird. Seit Jahren verlangt der Asse II-Koordinationskreis mehr Transparenz.

Lies räumte ein, dass diese nicht immer vollständig gegeben war. Nach der Übernahme der Betreiberfunktion gibt es ihm zufolge hohe Erwartungen an die BGE. Die notwendige Akzeptanz bei den Menschen in der Region könne dabei nur durch Aufrichtigkeit und echte Beteiligungsmöglichkeiten erreicht werden.

Die niedersächsischen Grünen kritisierten dabei die Aussagen des Ministers als „nichtssagend“. (ses/dpa)