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Obacht, wenn's klingelt: Falsche Polizisten auf dem Vormarsch

Immer wieder geben sich Betrüger als Polizisten aus. (Symbolbild)
Immer wieder geben sich Betrüger als Polizisten aus. (Symbolbild)
Foto: dpa

Hannover. Trotz aller Warnungen machen Betrüger, die sich als Polizeibeamte ausgeben, in Niedersachsen immer öfter Beute. Landesweit hat die Zahl der gemeldeten Vorfälle rapide zugenommen, wie aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion hervorgeht. In den ersten elf Monaten 2018 waren es 3.946, im gesamten Vorjahr lag die Zahl bei 2.927. Im Jahre 2016 wurden in Niedersachsen noch 257 solcher Vorfälle erfasst.

8.000 Euro von Seniorin geklaut

Zuletzt schlugen falsche Polizeibeamte am Montag in Hannover zu und erbeuteten bei einer 88 Jahre alten Frau 8.000 Euro und wertvolle Goldmünzen. Eine Betrügerin hatte sich, wie die Polizei am Dienstag mitteilte, als LKA-Beamtin ausgegeben und von einem angeblich in der Nachbarschaft festgenommenen Einbrecher berichtet.

Da auch die alte Frau von den angeblichen Tätern abgehört worden sei, müsse sie ihre Wertsachen in Sicherheit bringen, lautete die Masche. In mehreren Telefonaten mit mehreren Gesprächspartnern brachten die Betrüger die Frau dazu, ihre Wertsachen vor die Türe ihrer Wohnung zu legen.

Senioren im Fokus

Die Trickbetrüger zielen mit ihrer Masche besonders auf Senioren. Bei ihren Anrufen geben sie sich als Polizisten aus und generieren oft zur Verschleierung ihrer Identität mit Computertechnik eine seriöse Telefonnummer, etwa die der örtlichen Polizeidienststelle. Mit einer Lügengeschichte versuchen die Gauner, ihre Opfer zur Übergabe größerer Bargeldsummen zu bewegen.

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Beispielsweise warnen sie vor Bankmitarbeitern, die angeblich echtes Geld durch Falschgeld ersetzen würden - und bitten darum, dass ihnen Geld zur "Überprüfung" ausgehändigt wird.

Hohe Dunkelziffer

Die Landesregierung weist in ihrer Antwort darauf hin, dass die Dunkelziffer bei dieser Form des Trickbetrugs sehr hoch ist. Da die gemeldeten Anrufe von falschen Polizisten auf den Polizeiwachen zudem unter den Stichwort "Amtsanmaßung", "Call-ID-Spoofing" oder "Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Abzeichen" erfasst werden können, sind die ermittelten Fallzahlen den Angaben zufolge nur "begrenzt aussagefähig".

Trotzdem fällt auf: Im Westen des Landes häufen sich die Fälle. Die Gründe dafür sind unklar. "Die Anrufe werden wie am Fließband getätigt. Die Täter gehen bundesweit und sehr professionell vor. Wie sie sich ihren Bereich aussuchen, ist schwierig zu sagen", sagte Imke Burkop, Sprecherin der Polizei-Inspektion Verden/Osterholz.

Polizei klärt auf

Die Polizei versuche, durch intensive Präventionsarbeit gerade ältere Bürger über den Trick aufzuklären. "In vielen Fällen bleibt es beim Versuch, der Angerufene legt einfach auf." Ein Sprecher der Polizeidirektion Osnabrück sagte, die Datenerhebung des Innenministeriums werde derzeit analysiert.

Besonders häufig schlugen falsche Polizisten nach den erhobenen Daten in Verden, Osterholz und Osnabrück zu. Nach einer Stichwort-Auswertung des internen Polizei-Bearbeitungssystems für die ersten elf Monate 2018 ergab sich demnach, dass im Bereich Verden und Osterholz 704 Anrufe von falschen Polizisten gemeldet wurden, in Osnabrück 498 und im Raum Cloppenburg/Vechta 325.

Der Statistik zufolge ist die Masche mit den falschen Polizisten mittlerweile weiter verbreitet als der sogenannte Enkeltrick. Dabei täuschen die Betrüger ein Verwandtschaftsverhältnis vor, um an das Geld ihres Opfers zu gelangen. Landesweit wurden in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres 708 Fälle gemeldet, im Vorjahr waren es 770. (dpa)