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Brisanter Tag bei Abu-Walaa-Prozess erwartet: Ex-Rocker-Präsident sagt gegen IS-Deutschlandchef aus

Celle: Abu Walaa, mutmaßlicher Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland, steht mit bedecktem Kopf in einem Gerichtssaal des Oberlandesgerichts. Walaa und vier weitere mutmaßliche vor Gericht stehende Top-Islamisten sollen Freiwillige für den IS rekrutiert haben.
Celle: Abu Walaa, mutmaßlicher Anführer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland, steht mit bedecktem Kopf in einem Gerichtssaal des Oberlandesgerichts. Walaa und vier weitere mutmaßliche vor Gericht stehende Top-Islamisten sollen Freiwillige für den IS rekrutiert haben.
Foto: Holger Hollemann/dpa
  • Hinter Gittern vertraut sich ein Islamist einem Rockerchef an, der für ihn Botschaften aus dem Gefängnis schleust
  • Diese landen aber beim LKA statt bei Mittelsmännern
  • Im Abu-Walaa-Prozess sagt der Rocker nun als Zeuge aus

Celle. Ein brisanter Prozess findet heute in Celle seine Fortsetzung: Der Ex-Präsident der Rockergruppe Satudarah soll gegen den mutmaßlichen Deutschlandchef der Terrormiliz Islamischer Staat, Abu Walaa, am Dienstag (9.15 Uhr) als Zeuge aussagen.

Der mit einem Mitangeklagten aus Abu Walaas Netzwerk inhaftierte Rocker schmuggelte Schreiben dieses Islamisten aus dem Hochsicherheitsgefängnis Düsseldorf und übergab sie statt an Mittelsmänner dem Landeskriminalamt. In den Schreiben soll der mitangeklagte türkische Reisebüroinhaber aus Duisburg dazu aufgerufen haben, Zeugen einzuschüchtern.

Das Oberlandesgericht Celle erhofft sich von der Aussage des Rockers weitere Einblicke in das Tun des Islamisten, über das er mit dem Rocker mutmaßlich hinter Gittern gesprochen hat.

Abu-Walaa-Prozess: Schergen für den IS angeheuert?

Die Drohungen des Mitangeklagten aus der Haft heraus, die teils wohl dennoch ihre Adressaten erreichten, blieben offenbar nicht ohne Wirkung. Wie eine Beamtin des LKA Nordrhein-Westfalen bereits im Sommer aussagte, wurde unter anderem auf das Haus der Schwester eines Zeugen in Duisburg geschossen.

In den Schreiben, die nach einer Handschriftenanalyse des LKA mit hoher Wahrscheinlichkeit von dem Reisebüroinhaber stammen, wurde zu „Operationen“ gegen Zeugen aufgerufen.

Abu Walaa, der Reisebüroinhaber und drei weitere Mitangeklagte müssen sich wegen Unterstützung und Mitgliedschaft in der Terrormiliz verantworten. Sie sollen junge Menschen insbesondere im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim islamistisch radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt haben. Die Angeklagten haben bislang zu den Vorwürfen geschwiegen.

Ex-Satudarah-Chef zu mehrjähriger Strafe verurteilt

Der Prozess läuft inzwischen seit knapp eineinhalb Jahren, ein Ende ist bislang nicht in Sicht. Weitere Verhandlungstage sind bis August terminiert.

Der Ex-Chef der inzwischen verbotenen Rockerclubs Satudarah wurde 2014 im Gegenzug zu einem Geständnis umfangreicher Drogen- und Waffengeschäfte und dem Benennen von Komplizen vom Landgericht Duisburg zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Haftentlassung auf Bewährung vor knapp einem Jahr wurde er beim LKA Düsseldorf mit den Schreiben des Mitangeklagten vorstellig.

Zuvor, als er noch in Haft saß, hatte auch sein Anwalt entsprechende Papiere übergeben. Möglicherweise versprach er sich davon Hafterleichterungen. (dpa/mb)