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Kindergärtner missbraucht Fünfjährige und filmt sich dabei – warum ihm trotz der schrecklichen Taten Respekt gezollt wird

Der nicht vorbestrafte 26-Jährige hatte zugegeben, die Mädchen im April und August 2018 in einer Kita in Westeregeln (Salzlandkreis) zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Obendrein fotografierte er die Mädchen und filmte mit dem Handy.
Der nicht vorbestrafte 26-Jährige hatte zugegeben, die Mädchen im April und August 2018 in einer Kita in Westeregeln (Salzlandkreis) zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Obendrein fotografierte er die Mädchen und filmte mit dem Handy.
Foto: rolf kremming / imago/Rolf Kremming
Er sollte sie beschützen und betreuen, doch er verging sich an ihnen. Mehrmals hat ein Kindergärtner in Sachsen-Anhalt zwei Mädchen sexuell missbraucht. Nun ist er verurteilt worden.

Sachsen-Anhalt. Ein Kindergärtner ist am Mittwoch in Magdeburg wegen sexuellen Missbrauchs an zwei fünf Jahre alten Mädchen zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Die zweite Jugendschutzstrafkammer des Landgerichts sprach den Erzieher wegen schweren sexuellen Missbrauchs in sechs Fällen und sexuellen Missbrauchs in einem Fall schuldig.

Erzieher filmt sexuellen Missbrauch an Fünfjährigen

Der nicht vorbestrafte 26-Jährige hatte zugegeben, die Mädchen im April und August 2018 in einer Kita in Westeregeln (Salzlandkreis) zu sexuellen Handlungen gezwungen zu haben. Obendrein fotografierte er die Mädchen und filmte mit dem Handy.

Kindergärtner vergeht sich an Schutzbefohlenen

Mit dem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die für eine achtjährige Haftstrafe plädiert hatte. Das Gericht zeigte sich überzeugt, «dass planvoll gehandelt wurde». «Er hat das Vertrauen der Schutzbefohlenen und seine Stellung als Betreuer ausgenutzt», sagte die Vorsitzende Richterin Anne Seydell zur Begründung. Trotz Scham sei er seinen Bedürfnissen immer wieder nachgegangen, hieß es.

Erzieher sagt öffentlich im Missbrauchs-Prozess aus

Zugunsten des Mannes wurde sein umfassendes Geständnis gewertet, das er auf eigenen Wunsch zum Prozessauftakt am 22. Februar nicht hinter verschlossenen Türen abgelegt hatte. Der Saal des Landgerichts war da, wie auch zur Urteilsverkündung, bis auf den letzten Platz mit Zuschauern gefüllt. «Wir haben ihnen jedes Wort abgenommen und haben Respekt davor, dass sie trotz ihres Bekanntheitsgrades in ihrem Heimatort und der großen medialen Berichterstattung öffentlich ausgesagt haben», sagte die Richterin.

Kinderschänder ist selbst Vater einer Vierjährigen

Der groß gewachsene blonde Mann ist nach eigenen Angaben selbst Vater eine fast vierjährigen Tochter. Er ist demnach ausgebildeter Erzieher und hat sich 2017 zum Spielpädagogen weitergebildet. In Westeregeln war er unter anderem Leiter der Kinderfeuerwehr, Jugendfeuerwehrwart und Veranstalter eines Volksfestes. In seinem letzten Wort hatte er sich zum wiederholten Mal bei den Eltern der Mädchen entschuldigt, die als Nebenkläger anwesend waren. Deren Anwalt hatte in seinem Schlusswort zusätzlich ein Berufsverbot eingefordert, was die Kammer aber nicht aussprach.

Pädophiler soll sich Hilfe holen

«Sie haben bereits angefangen, sich kritisch mit dem Thema Pädophilie auseinanderzusetzen», so die Richterin. «Holen Sie sich jede Art von Hilfe und nehmen Sie sie an, damit Sie keinem Kind mehr Schaden zufügen können.» Der Verteidiger des 26-Jährigen, der für kein konkretes Strafmaß plädiert hatte, sagte nach dem Urteil, er werde sich mit seinem Mandanten wegen einer möglichen Revision beraten. (dpa, aj)