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Clan-Kriminalität in Niedersachsen: Organisierte Mitglieder fallen besonders mit diesem Trick auf

Die Polizei Niedersachsen will verstärkt gegen Clan-Kriminalität vorgehen. (Symbolbild)
Die Polizei Niedersachsen will verstärkt gegen Clan-Kriminalität vorgehen. (Symbolbild)
Foto: dpa

Osnabrück. Im Zusammenhang mit Clan-Kriminalität denken die meisten Menschen an Berlin, Nordrhein-Westfalen oder Bremen. Die drei Bundesländer gelten als die Hotspots der kriminellen Clan-Szene.

Doch auch in Niedersachsen werden zunehmend Straftaten im Zusammenhang mit Clan-Kriminalität erfasst. Im vergangenen Jahr seien es 822 gewesen, berichtet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ unter Berufung auf das Landeskriminalamt.

Clan-Kriminalität in Niedersachsen – Zahlen steigen

Die Zahl könnte in diesem Jahr deutlich steigen. Denn nach Informationen der Zeitung soll die Zahl der Ermittlungserfahren im Zusammenhang mit Clan-Kriminalität im ersten Halbjahr bereits deutlich über 500 gelegen haben.

Offiziell bestätigt sind diese Zahlen vom LKA allerdings noch nicht.

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Diese Verbrechen werden Clans in Niedersachsen zugeordnet

Nach Angaben der „Neue Osnabrücker Zeitung“ werden Clan-Mitgliedern vor allem Gewaltverbrechen zugeordnet. Doch neben Körperverletzungen zeichnet sich auch ein besonderer Schwerpunkt der organisierten Clan-Kriminalität ab.

Demnach registriere die Polizei eine erhöhte Zahl von Straftaten im Bereich des Callcenterbetrugs. Vor allem Senioren geraten mit einem besonderen Trick ins Visier der Kriminellen. Diese geben sich gegenüber den arglosen Opfern als Polizisten oder Verwandte aus. Senioren werden so lange unter Druck gesetzt, bis sie bereit sind, ihre Wertgegenstände an Mittelsmänner der falschen Polizisten oder Verwandten zu übergeben.

In der Vergangenheit hat die Polizei Niedersachsen wiederholt erklärt, verstärkt gegen Clans vorgehen zu wollen: „Die Polizei hat das Thema Clan-Kriminalität mit absoluter Priorität im Blick und nimmt das Phänomen sehr ernst“, sagte der LKA-Präsident Friedo de Vries im Januar nach einer Expertentagung.

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Woher kommen die Clans?

  • Wenn die Rede von kriminellen Araber-Clans ist, sind meist Mitglieder von Großfamilien mit türkisch-arabischen Wurzeln gemeint. In Deutschland gehören nach Schätzungen des Bundeskriminalamts (BKA) rund 200.000 Menschen zu solchen Großfamilien.
  • Die meisten von ihnen sind nicht kriminell. Manche aber haben sich zu mafiösen Gruppierungen zusammengeschlossen, nutzen familiäre Strukturen für kriminelle Geschäfte.
  • Die Clan-Kriminellen leben häufig in einer abgeschottenen Parallelwelt, erkennen staatliche Strukturen nicht an. Straftaten werden zu internen Probleme erklärt, die innerhalb der Familien von sogenannten Friedensrichtern geregelt werden.
  • Die meisten haben eine türkische (15 Prozent) oder libanesische (31 Prozent) Staatsangehörigkeit, 36 Prozent haben eine deutsche Staatsangehörigkeit, fünf Prozent sind staatenlos.
  • Ausweisungen von Intensivtätern sind entsprechend schwierig (ak)