Salzgitter 

Sex-Vorwürfe gegen Trainer: Stadt setzt BC Tigers unter Druck

Hier war noch alles gut: Integrationspreis der Stadt für den BC Tigers im Jahr 2015.
Hier war noch alles gut: Integrationspreis der Stadt für den BC Tigers im Jahr 2015.
Foto: Rudolf Karliczek (Archiv news38.de)

Salzgitter. Der BC Tigers Salzgitter steht nach den Sex-Vorwürfen gegen seinen bisherigen Vorsitzenden und Cheftrainer vor einem Umbruch an der Spitze. Das ist offenbar die Voraussetzung dafür, das der Verein weiter öffentliche Unterstützung erhält - vor allem das Projekt, die einstigee Matthäus-Kirche an der Suthwiesenstraße in eine kombinierte Boxarena mit Familienfreizeitstätte erhält.

Vorausgegangen waren offenbar intensive Gespräche zwischen Vereinsführung, der Stadt, der Endlager-Konrad-Stiftungsgesellschaft und der städtischen Bäder, Sport und Freizeit GmbH, wie Rathaus-Sprecherin Christine Flechner gegenüber news38.de bestätigte. Dabei habe der Verein "mitgeteilt, dass er sich personell neu ausrichten wird."

Etwas verklausuliert drückt die Sprecherin aus, dass ohne diese Zusage das Projekt Matthäus-Kirche geplatzt wäre: Nur "unter diesen Voraussetzungen wird nach Einschätzung der drei Institutionen die angestrebte Kooperation zur geplanten Integrationsstützung vorbehaltlich der Zustimmung der jeweiligen Gremien und der sichergestellten Gesamtfinanzierung nicht gefährdet sein."

Verdienste um Integration

Die Tigers sind bislang ein wichtiger Partner für die Stadt bei der Integration von Zuwanderern: Sie haben vor zwei Jahren die Patenschaft für 100 Flüchtlinge übernommen, bieten unter anderem Gratis-Training und Hausaufgabenhilfe an.

Mitte September dann wurde das positive Bild aber jäh zerstört: Die Polizei nahm den Vereinschef in der Trainingshalle fest. Der Vorwurf: Er habe ein im Verein trainierendes Mädchen missbraucht - und dies sogar über einen längeren Zeitraum hinweg. Zu Beginn der Übergriffe soll sie erst 13 Jahre alt gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft verzichtete nur deshalb auf einen Antrag auf Untersuchungshaft, weil der Mann die Vorwürfe "grundsätzlich eingeräumt" habe, wie Staatsanwalt Hans Christian Wolters am 19. September gegenüber news38.de berichtete. Außerdem sei "nicht von weiteren Betroffenen auszugehen".

Vereinsführung auf Tauchstation

Dennoch steht durch den Fall der gesamte Verein stark unter Druck. Zwar distanzierte sich der BC Tigers auf seiner Facebook-Seite von seinem Chef - ohne diesen beim Namen zu nennen - und betonte, dass dieser "vom Trainingsbetrieb zurückgetreten" sei. Auf der Homepage des Vereins jedoch ist der Beschuldigte noch immer mit allen bisherigen Funktionen genannt.

Seitdem geht der Verein gegenüber der Öffentlichkeit auf Tauchstation: Wiederholte telefonische wie schriftliche Anfragen blieben unbeantwortet - auch eine von news38.de am Freitag erbetene Stellungnahme des Vereins zur aktuellen Vereinbarung mit der Stadt und den weiteren Geldgebern blieb bisher aus.