Salzgitter 

Tod eines Jungen: Jetzt reden Diyars Eltern

  • Tod eines Fünfjährigen wirft Fragen auf.
  • Donnerstag wurde Diyar beerdigt.
  • Wir haben mit seinen Eltern gesprochen.

Salzgitter. Die Sonne scheint, als die Familie und die Freunde den schwarzen Sarg des kleinen Diyar zu Grabe tragen. Am Donnerstag wurde der Fünfjährige auf dem Waldfriedhof in Salzgitter-Bad beerdigt. Sein Tod hatte hohe Wellen geschlagen – und viele Fragen hinterlassen.

Hätte man Diyars Leben retten können? Oder war es das vielzitierte Schicksal, was vor genau einer Woche zugeschlagen hat? Diyars Eltern, Kawthar und Mohammad, möchten öffentlich trauern – und sie möchten reden.

"Heute ist ein schlechter, schwarzer Tag", sagen die beiden direkt nach der Beerdigung. Sie sitzen auf einer Bank neben dem Grab ihres Sohnes und lassen ihren Gefühlen freien Lauf. Die beiden erzählen uns ihre Geschichte.

Vergangenen Donnerstag habe er seinen Sohn wie immer nachmittags aus dem Kindergarten abgeholt, sagt Mohammad. Der Kleine habe zu Hause in Gebhardshagen erst ganz normal gespielt. "Dann hat er gesagt 'Papa, ich habe Bauchschmerzen' - anschließend musste er sich vier- oder fünfmal übergeben", so der Vater.

Danach sei er wieder okay gewesen, aber im Laufe des Abends habe sich der Zustand Diyars rapide verschlechtert.

"Wollten nicht helfen"

"Sein Herz schlug ganz schnell, er atmete laut und seine Hände und Füße waren sehr kalt", erinnert sich Kawthar. So gegen 2 Uhr in der Nacht hat Mohammad dann den Notruf gewählt.

"Ich habe denen gesagt, wie schlecht es Diyar geht, ich habe alle Symptome geschildert. Trotzdem wollten sie nicht kommen – ich weiß nicht, warum nicht", erzählt er.

Also sei er selbst mit seiner Familie ins Klinikum nach Lebenstedt gefahren. Mitten in der Nacht.

"Die Ärztin dort hat ihn aus meiner Sicht gar nicht richtig untersucht, sie hat nur alles in den Computer getippt. Eine 'Untersuchung' war das nicht", beschreibt Mohammad die womöglich entscheidende Situation. Die Ärztin habe ihnen dann empfohlen, am nächsten Tag zum Kinderarzt zu gehen.

"Wir hatten immer wieder gefragt, warum sie denn nicht jetzt helfe. Denn jetzt könne sie ja noch helfen", so die Eltern. "Jeder andere Mensch wäre zu dem Kind hingelaufen und hätte ihm geholfen." Das sei doch auch der Job eines Arztes.

"Wir hatten so eine Angst!"

Diyar sei es immer noch schlecht gegangen, dennoch sei man dann wieder nach Hause gefahren. Gegen 6 Uhr habe der Fünfjährige nicht mehr richtig sprechen können, sein Zustand habe sich noch einmal verschlechtert. "Wir hatten so eine Angst!"

Wieder rief Mohammad nach eigener Aussage den Notruf: "Kommen Sie bitte, mein Kind stirbt", habe er gefleht. Diyar habe da schon keine Lebenszeichen mehr gezeigt.

Diesmal sei ein Krankenwagen gekommen. Das Rettungsteam sei sehr schnell da gewesen – aber es war leider zu spät. "Ihr Kind ist tot", habe der Arzt gesagt.

Notarzt angefleht

Kawthar und Mohammad sagen, sie hätten den Notarzt noch angefleht: "Bitte versuchen Sie es mit einem Defibrillator, bitte lassen Sie sein Herz wieder schlagen!" Aber das Herz des Fünfjährigen hatte aufgegeben.

Es ist beeindruckend, mit welcher Kraft Diyars Eltern das Erlebte schildern. Es ist erst eine Woche her. Die Beerdigung erst wenige Minuten.

Wunsch nach Gerechtigkeit

Die beiden wünschen sich Gerechtigkeit. Wenn jemand einen Fehler gemacht habe, so wie sie es glauben, müsse man ihn bestrafen. Natürlich machten Menschen Fehler, ohne Zweifel. Aber Kawthar und Mohammad fühlen sich falsch behandelt. Sie werfen dem Klinikum vor, in Diyars Fall versagt zu haben.

Inwiefern das Klinik-Team den Tod wirklich hätte verhindern können, versucht die Staatsanwaltschaft herauszufinden. Es gehe derzeit allein um die Klärung der genauen Todesursache. Ein schriftliches Obduktions-Gutachten soll in "ein bis eineinhalb Wochen" vorliegen.

Klinikum unter Schock

Das Klinikpersonal selbst steht noch immer unter Schock. Auch Krankenhaussprecherin Sabrina Korkmaz schrieb am Donnerstagabend auf Anfrage:

"Wir sind tief bestürzt über den Tod des kleinen Diyar. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen und ihrem Schmerz über den Verlust ihres Kindes. Wir setzen alles daran, die Vorgänge aufzuarbeiten und werden die Ermittlungen aktiv unterstützen. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht weiter äußern können."

Zuvor hatte Korkmaz erklärt, dass es bei der Untersuchung keine Anzeichen gegeben habe, die auf einen solchen Verlauf hindeuteten. Unabhängig vom Ausgang der Ermittlungen biete man den Angehörigen ein Gespräch an.