Salzgitter 

Tod von 30-Jährigem: Sind Pflegerinnen schuld?

Das Helios Klinikum Salzgitter.
Das Helios Klinikum Salzgitter.
Foto: Rudolf Karliczek

Salzgitter/Braunschweig. Gegen das Helios-Klinikum Salzgitter werden schon wieder Vorwürfe tödlicher Behandlungsfehler laut: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig bestätigte auf Nachfrage von news38.de, gegen zwei Pflegerinnen ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet zu haben.

Die beiden Frauen haben möglicherweise versäumt, einem nach einer Messerstecherei schwer verletzten und notoperierten Mann Thrombose-Spritzen zu verabreichen. Etwa zwei Wochen nach der Auseinandersetzung in einer Kneipe in Salzgitter starb der Mann Anfang Juni im Krankenhaus - wahrscheinlich nicht an den Folgen der Messerstiche, sondern an Herzversagen in Folge einer Lungenembolie.

Trauer um Fünfjährigen

Vor knapp Wochen hatte das Schicksal eines fünfjährigen Jungen für Betroffenheit und Entsetzen gesorgt: Nur wenige Stunden, nachdem sein Vater ihn wegen starker Bauchschmerzen in die Notaufnahme des Klinikums gebracht hatte und untersuchen ließ, starb der Fünfjährige - an einer akuten Bauchfell-Entzündung.

Das Obduktionsergebnis verdichtete Hinweise auf einen Behandlungsfehler; die diensthabende Assistenzärztin sei zwar sehr erfahren und habe den Jungen "gründlich körperlich untersucht", betonte Klinikum-Sprecherin Sabina Korkmaz gegenüber news38.de. Doch das Gutachten der Rechtsmedizin ergebe "Anhaltspunkte" auf einen ärztlichen Fehler, hatte Sascha Rüegg, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig gegenüber news38.de betont.

Mordprozess in Braunschweig

Am Freitag bestätigte er das Verfahren gegen die beiden Pflegerinnen wegen des Todes des 30-jährigen Messerstecher-Opfers - für den sich derzeit ein 56-Jähriger vor dem Landgericht Braunschweig verantworten muss.

Der Vorwurf der Anklagebehörde gegen ihn: Mord. Sollte sich aber herausstellen, dass letztlich nicht die Messerstiche tödlich waren, sondern letztlich fehlende Spritzen zur Vorbeugung gegen Thrombose zu der Embolie geführt haben, wäre der Mordvorwurf gegen den Angeklagten nicht mehr zu halten - und die Pflegerinnen müssten mit einem Prozess rechnen.

Besonders belastend: ein medizinisches Gutachten zum Tod des 30-Jährigen. Darin stellte der Sachverständige fest, dass die Thrombose-Prophylaxe nicht gemäß den geltenden Richtlinien vorgenommen worden sei.

Klinik: Noch keine Akteneinsicht

Entsprechend schmallippig fällt die Stellungnahme des Klinikums Salzgitter aus: "Im Zuge des Strafverfahrens gegen den Messerstecher wird nun auch die Behandlung im Klinikum überprüft", betonte Sprecherin Sabina Korkmaz. Und weiter: "Allerdings hatten wir bislang noch keine Akteneinsicht, so dass wir nicht wissen, welche Fragestellungen relevant wird."