Salzgitter 

Watenstedts Ende - Stadt will Einwohnern Häuser abkaufen

Das Ortsschild von Salzgitter-Watenstedt. Wie lange wohnen dahinter noch Menschen?
Das Ortsschild von Salzgitter-Watenstedt. Wie lange wohnen dahinter noch Menschen?
Foto: dpa
  • Rat beschließt Ankaufprogramm für Watenstedt. 
  • Umsiedlung der Einwohner soll 13 Jahre dauern.
  • Umwandlung des Stadtteils in Industriegebiet. 

Salzgitter. Die Tage von Watenstedt als Wohnsiedlung scheinen gezählt: Spätestens in 13 Jahren sollen in der letzten von 121 Wohnungen die Lichter ausgehen. Dann stünde dem geplanten "Industriepark Watenstedt" nichts mehr entgegen.

Das zumindest ist das Ziel eines am Dienstagabend vom Rat mehrheitlich beschlossenen Ankaufsprogramm für Privatgrundstücke in dem kleinen Stadtteil, mit dem die Stadt nach insgesamt 20-jährigen Debatten, Vorbereitungen und Planungen in die konkrete Phase einsteigen will.

Wichtig dabei: Salzgitter macht den Einwohnern nur ein Angebot zum Kauf ihrer Grundstücke und Häuser - zwangsumgesiedelt werden soll niemand, versicherten sowohl Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) als auch mehrere Abgeordnete. Außerdem soll nicht alles sofort gekauft werden: Das insgesamt rund 13 Millionen Euro "schwere" Programm ist auf 13 Jahre angelegt.

Warnung vor Geisterstadt

Doch genau an diesem Punkt setzte die Kritik von Andreas Böhmken (FDP) an: Das Programm sieht nämlich nur den Kauf und nicht den Abriss der Häuser vor. "Es ist zu befürchten, dass die Häuser dann leerstehen und verfallen" , warnte er.

Außerdem fänden sich die Verbleibenden in einer "Geisterstadt" wieder, wenn im Laufe der Jahre immer mehr Einwohner wegziehen.

Reicht das Geld?

Böhmken war sich in einem weiteren Kritikpunkt mit Hermann Fleischer (Linke) einig: Es gibt derzeit keinen Plan B, sollte das Geld nicht reichen. Denn nun sollen Gutachter die Immobilien zunächst bewerten - "und ich befürchte, dass 13 Millionen nicht reichen" , sagte Fleischer.

Immerhin: Schon vor zehn Jahren hatte die Stadt den Immobilienwert auf insgesamt 16,6 Millionen Euro geschätzt. Fleischer wollte das Programm deshalb um mehr als drei Millionen Euro aufstocken lassen, fand dafür aber keine Mehrheit.

Ohnehin kann die Stadt das Projekt nicht aus eigener Kraft finanzieren: Neben Mitteln einer Projektgesellschaft und städtischen Zuschüssen sollen Gewinne der Wohnungsbaugesellschaft mbH in das Ankaufprogramm fließen.

Die meisten wollen

Im vergangenen Monat hatte der Ortsrat die Watenstedter zu einer Versammlung in die Kirche eingeladen, um ein Stimmungsbild der Bevölkerung einzuholen. Dabei sprachen sich die meisten für die Umsiedlung aus, für die Salzgitter schon vor 20 Jahren die ersten Weichen gestellt, aber nie realisiert hatte.

Zuletzt hatte das Land vor zwei Jahren der hochverschuldeten Stadt Kreditaufnahmen untersagt, mit der Salzgitter die Umwandlung Watenstedts in einen Industriepark finanzieren wollte. Mit dem nun beschlossenen Programm "können wir endlich einen Schlussstrich ziehen und Versprechen einlösen", betonte Rolf Stratmann (CDU).