Salzgitter 

Missbrauch und Vergewaltigung? Anklage gegen Ex-Boxtrainer

Der nun unter Anklage stehende frühere BC "Tigers"-Chef bei der Entgegennahme des Integrationspreises der Stadt Salzgitter im Jahr 2015.
Der nun unter Anklage stehende frühere BC "Tigers"-Chef bei der Entgegennahme des Integrationspreises der Stadt Salzgitter im Jahr 2015.
Foto: Rudolf Karliczek (Archiv news38.de)
  • Vorwürfe: Missbrauch und Vergewaltigung.
  • Hat sich Ex-Chef zwei Jahre lang an Mädchen vergangen?
  • Staatsanwaltschaft erhebt Anklage.

Salzgitter. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat Anklage gegen den früheren Vorsitzenden und Cheftrainer des BC "Tigers" Salzgitter, Abdullah K. erhoben. Lässt die Jugendstrafkammer des Landgerichts Braunschweig die Anklage zu, dann muss sich der Ex-Boxer wegen schweren sexuellen Missbrauchs beziehungsweise wegen Missbrauchs in Tateinheit mit Vergewaltigung verantworten.

Einen Termin für den Prozessauftakt gibt es demnach auch noch nicht: Die Anklage sei noch "ganz frisch", sagte Behördensprecher Sascha Rüegg gegenüber news38.de.

Der Mann soll sich zwischen August 2015 und September 2017 insgesamt 14 Mal an einem im Verein trainierenden Mädchen vergangen haben; zu Beginn der Übergriffe soll die Nachwuchs-Boxerin erst 13 Jahre alt gewesen sein. In seinen Vernehmungen habe er betont, die Kontakte seien "einvernehmlich" gewesen.

Bis zu 15 Jahre Haft?

Dem Ex-Funktionär drohen im Falle eines Schuldspruches mehrere Jahre Gefängnis: Allein beim schweren sexuellen Missbrauch beginne der Strafrahmen "pro Tat nicht unter zwei Jahren", zitierte Staatsanwaltschafts-Sprecher Rüegg aus dem entsprechenden Gesetz. Laut Anklage fallen sechs Fälle in diese Kategorie.

Weitere acht Anklagepunkte werfen dem Mann "sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen" vor, wofür das Gesetz jeweils drei Monate bis fünf Jahre Haft vorsieht. In einem Fall sei es dabei auch zur vollendeten Vergewaltigung gekommen, wofür zwei bis 15 Jahre Haft drohen.

Weiter kein Haftbefehl

Trotz dieser massiven Vorwürfe sieht die Anklagebehörde vorerst keinen Grund, Haftbefehl gegen den früheren Club-Boss zu beantragen. Er habe die "Taten in wesentlichen Teilen eingeräumt" und sich kooperativ gezeigt. Deshalb nehmen die Strafverfolger keine Fluchtgefahr an.

"Tigers" hoffen wieder auf Geld

Die Stadt Salzgitter hatte dem BC "Tigers" im vergangenen Jahr nach Bekanntwerden der Missbrauchsfälle zunächst alle Zuschüsse zu der vom Verein geplanten Umwandlung der früheren St. Matthäuskirche in ein Sport- und Integrationszentrum gestrichen.

Dieser finanzielle Druck beschleunigte die personelle Erneuerung an der Vereinsspitze. Nun hofft der BC ''Tigers", dass die Stadt in diesem Jahr wie geplant eine Förderrate von 250.000 Euro freigibt.