Salzgitter 

Förderschule vor dem Aus - Millionenbau für Gymnasium

Die Pestalozzi-Förderschule in Lebenstedt muss voraussichtlich im Sommer 2022 schließen; der Rat lehnte es am Mittwochabend mit knapper Mehrheit ab, die Einrichtung bis Sommer 2028 weiterzubetreiben.
Die Pestalozzi-Förderschule in Lebenstedt muss voraussichtlich im Sommer 2022 schließen; der Rat lehnte es am Mittwochabend mit knapper Mehrheit ab, die Einrichtung bis Sommer 2028 weiterzubetreiben.
Foto: Siegfried Denzel

Salzgitter. Die eine Schule hat ihre Zukunft hinter sich, die andere soll mit Millionenaufwand fit gemacht werden für die Zukunft: Der Rat von Salzgitter hat am Mittwochabend die Weichen gestellt für die Bildungslandschaft der Stadt in den nächsten Jahrzehnten.

Letzter Schultag im Sommer 2022

In dieser Landschaft wird die Pestalozzi-Förderschule keinen Platz mehr haben: Nach langer Diskussion lehnte es eine knappe 21:19-Mehrheit ab, die Schule noch zehn Jahre lang bis Ende Juli 2028 weiterzuführen. Damit ist klar, dass die Einrichtung in Lebenstedt wie die meisten anderen niedersächsischen Förderschulen mit dem Schwerpunkt "Lernen" im Sommer 2022 ihre Pforten schließen muss.

Der Rat war tief gespalten, wobei es zu einer ungewöhnlichen Koalition kam: CDU und Linke machten sich für die Verlängerung des Schulbetriebs stark und verwiesen dabei auch auf das Votum des Schulvorstands, der die Einrichtung als weiterhin nötig ansah.

Er könne es verstehen, wenn Eltern ihre Kinder lieber in der Pestalozzi- als an "normalen" Schule anmelden, argumentierte Hermann Fleischer (Linke). Denn wegen des vielen Unterrichtsausfalls an anderen Einrichtungen Salzgitters sei das Risiko groß, dass Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf nicht ausreichend unterstützt werden,

Dagegen sah Elke Streckfuß (SPD) keine Probleme die Kinder nach dem Jahr 2022 - also nach dem Ende der nun geltenden "Restlaufzeit" - in "normalen" Schulen zu unterrichten. Es seien schließlich keine Massen an Förderschülern: Für das kommende Schuljahr seien gerade einmal neun Mädchen und Jungen angemeldet.

Großer Sanierungsstau

Bürgermeister Marcel Bürger und Sascha Pitkamin (beide Grüne) argumentierten hingegen mit dem schlechten Bauzustand der Pestalozzischule.

Der Sanierungsstau in dem Gebäude sei ja auch deshalb so groß, weil die Stadt wegen des erwarteten Endes kaum noch etwas in die Erhaltung investiert habe. "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Platten von der Wand fallen und die Heizung defekt ist", warnte Pitkamin.

1,6 Millionen für Gymnasium in Bad

Unterdessen beschloss der Rat einstimmig, das Gymnasium in Salzgitter-Bad für rund 1,6 Millionen Euro zu erweitern und umzubauen. Der Grund: Wegen der Wiedereinführung des Abiturs nach insgesamt 13 Schuljahren ab dem Schuljahr 2020/2021 und damit einem zusätzlichen Schüler-Jahrgang droht das Gymnasium aus allen Nähten zu platzen.

Der Erweiterungsbau wird auf dem Gelände des Nebengebäudes an der Helenenstraße entstehen und laut Beschluss sechs normale Unterrichts- sowie zwei Gruppenräume bieten.

Fast 1.300 Schüler

Die Verwaltung geht davon aus, dass ab dem Schuljahr 2020/2021 fast 1.300 Kinder und Jugendliche das Gymnasium in Bad besuchen werden.

Die einzelnen Jahrgänge werden dabei zwischen 130 und 160 Schüler stark sein.

Erst Abriss, jetzt Neubau

Als Niedersachsen das Abitur nach 13 Jahren abgeschafft und die "Schullaufbahn" auf 12 Jahre verkürzt hatte, war dies für Salzgitter zunächst ein willkommener Anlass, die Platzkapazität der Schule zu reduzieren: 2015 hatte die Stadt einen baufälligen Pavillon mit fünf Räumen abreißen lassen.