Salzgitter 

Adresse von Opfer verraten? Gericht wehrt sich

Das Amtsgericht Tecklenburg: Hier trafen Emine A. und Anton B. am Montagmorgen in einem Sorgerechtsstreit aufeinander. Wenige Stunden später war die 30-Jährige tot - mutmaßlich von ihrem Ex-Lebensgefährten erschossen.
Das Amtsgericht Tecklenburg: Hier trafen Emine A. und Anton B. am Montagmorgen in einem Sorgerechtsstreit aufeinander. Wenige Stunden später war die 30-Jährige tot - mutmaßlich von ihrem Ex-Lebensgefährten erschossen.
Foto: Holger1959/CC BY-SA 3.0 de
  • Justizsprecher: Adresse des Opfers nicht verraten.
  • Richter hat Polizeischutz angefordert.
  • Eskorte für die Frau bis auf die Autobahn.

Salzgitter/Braunschweig. Das Amtsgericht Tecklenburg hat Vorwürfen widersprochen, der mutmaßliche Mörder Anton B. habe durch das Gericht die aktuelle Adresse seiner ehemaligen Lebensgefährtin Emine A. in Salzgitter erfahren. Am Montagvormittag waren beide in einem Sorgerechtsstreit vor Gericht aufeinandergetroffen - am Abend dann soll der 38-Jährige die acht Jahre jüngere Frau vor den Augen der vier gemeinsamen Kinder und weiterer Familienangehöriger erschossen haben.

Der Bruder des Opfers hatte gegenüber news38.de berichtet, der Familienrichter habe während der Verhandlung ihre Adresse preisgegeben - und damit jenen Schutz zerstört, der für seine Schwester nach ihrer Flucht vor dem gewalttätigen Anton B. aufgebaut worden ist.

Mord in Salzgitter - Der Bruder des Opfers im Interview
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"Richter hat Polizeischutz angefordert"

Hans Christian Wolters, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, zitiert aus einer Stellungnahme des Amtsgerichts Tecklenburg und der Polizei Steinfurt, wonach vielmehr der Richter "aus Gründen des Opferschutzes vorsorglich die Polizei Steinfurt darum gebeten" habe, "die 30-jährige Frau vor einer Verfolgung durch den Beschuldigten zu schützen".

Eskorte auf die Autobahn

So habe ein Polizeifahrzeug die 30-Jährige zur Autobahn eskortiert, "ohne dass eine Verfolgung durch den Beschuldigten festgestellt werden konnte". Auch auf der Autobahn haben die Beamten demnach ihre Begleitung fortgesetzt; auch hier haben sie das Fahrzeug von Anton B. nicht entdecken können.

An der Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen habe die Polizei dann ihre Aktion beendet.

Bedrohung im Gericht - Ermittler prüfen

Unterdessen gehen die Ermittler Hinweisen nach, Anton B. habe noch im Gerichtssaal sein späteres Opfer bedroht - und zwar auf Albanisch: "Der genaue Wortlaut ist bislang noch nicht gesichert", betonte Hans Christian Wolters. "Dazu müssen erst noch weitere Zeugen vernommen werden, die an der Verhandlung teilgenommen haben."

Am Mittwochnachmittag hatte das Amtsgericht Braunschweig Haftbefehl gegen den 38-Jährigen erlassen. Der Vorwurf: Mord an Emine A. und schwere Körperverletzung - die 32-jährige Schwester des Opfers war von einem weiteren Schuss schwer verletzt worden.

Fotos vom Tatort