Salzgitter 

Mord in Salzgitter: Das Schweigen des Anton B.

Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Polizei am Montagabend vor dem Haus am Jägerweg, vor dem die tödlichen Schüsse fielen.
Einsatzkräfte von Rettungsdienst und Polizei am Montagabend vor dem Haus am Jägerweg, vor dem die tödlichen Schüsse fielen.
Foto: Rudolf Karliczek
  • Mord in Salzgitter: Anton B. schweigt weiter.
  • Ermittler untersuchen Verstrickung in Salafisten-Szene.
  • Staatsanwaltschaft wartet auf Akten.

Salzgitter/Braunschweig. Der unter Mordverdacht in Untersuchungshaft sitzende Anton B. schweigt nach wie vor zu dem Vorwurf, seine 30-jährige Ex-Lebensgefährtin in Salzgitter erschossen zu haben. Das sagte Hans Christian Wolters, Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, auf Nachfrage von news38.de.

Aktuell warten die Ermittler auf Akten - sowohl vom Amtsgericht Tecklenburg, wo der 38-Jährige und das spätere Opfer Emine A. wegen eines Sorgerechtsstreits um die vier gemeinsamen Kinder aufeinandergetroffen waren. Als auch von der Polizei Steinfurt: Hier geht es um die Frage, ob der mutmaßliche Todesschütze beispielsweise wegen häuslicher Gewalt schon aktenkundig geworden ist.

Wie tief in Salafisten-Szene verstrickt?

Und noch einer Frage gehen die Ermittler nach: Wie tief war Anton B. in der Osnabrücker Salafisten-Szene verankert? Nach Darstellung der Familie von Emine A. hatte sich der 38-Jährige bereits seit einiger Zeit radikalisiert.

Die Frau habe bei ihm eine Fahne der Terrormiliz Islamischer Staat (IS)gefunden; außerdem soll er damit gedroht haben, mit den gemeinsamen Kindern in IS-Gebiete auszureisen.

Nach bisherigen Erkenntnissen hat die vermutete Zugehörigkeit von Anton B. zur Salafisten-Szene "bei der Trennung eine gewisse Rolle gespielt", bestätigt Staatsanwalt Wolters. "Für die Tat selbst spielte das keine Rolle." Hier gehen die Ermittler weiter von einer Familientragödie aus Rache aus.

Adresse schon vorher bekannt

Unterdessen scheint Anton B. schon vor dem Gerichtstermin am Montagvormittag in Tecklenburg die aktuelle Adresse seiner Ex-Freundin gekannt zu haben. Das verlautete aus Ermittlerkreisen gegenüber news38.de.

Mord in Salzgitter - Der Bruder des Opfers im Interview
Mord in Salzgitter - Der Bruder des Opfers im Interview

Der Bruder von Emine A. hatte gegenüber news38.de berichtet, der Familienrichter habe während der Verhandlung die Adresse bekanntgegeben. Das hatte das Gericht am Mittwoch über die Staatsanwaltschaft Braunschweig dementieren lassen.

Vielmehr habe der Richter bei der Polizei Steinfurt Geleitschutz für die 30-Jährige während der Rückfahrt aus Tecklenburg angefordert; die Beamten eskortierten Emine A. daraufhin bis zur Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.