Salzgitter 

Salzgitter: Widerwärtig! Diese Aufkleber tauchen plötzlich überall in der Stadt auf

Hetzerische Aufkleber befinden sich an zahlreichen Stellen in Salzgitter. Nun ermittelt die Polizei.
Hetzerische Aufkleber befinden sich an zahlreichen Stellen in Salzgitter. Nun ermittelt die Polizei.
Foto: privat

Salzgitter. An einigen Ecken von Salzgitter sind sie unübersehbar: Sticker mit rechtem Gedankengut, die gegen Einwanderer und die deutsche Einwanderungspolitik ätzen. Teils pflastern sie Schilder, Laternen und Ampelmasten.

Gleich mehreren Menschen in Salzgitter sind die Aufkleber aufgefallen. Sie möchten anonym bleiben, haben Angst vor Repressalien. Einer schildert news38.de: „Die braune Brut traut sich viel zu sehr aus ihren Löchern raus.“

Seit mehr als drei Jahren beobachte er, wie die Aufkleber sich um die Ludwig-Erhard-Straße vermehren. Einer anderen Frau seien sie vor allem in der Nähe der Kleingartenanlage „immergrün“ aufgefallen.

Salzgitter: Rechte Aufkleber überziehen ganze Gehwege

Ein Slogan, der besonders häufig zu lesen ist: „Deutschland, willst du nicht islamisch sein, so schlag ich dir den Schädel ein.“ Darauf ist ein dunkelhäutiger Mann zu sehen, der eine Axt schultert. Auf seinem grünen Oberteil sind Blutspuren zu erkennen.

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Angelehnt ist der Satz an einen Spottvers aus der fanzösischen Revolution. „La fraternité ou la mort!“ - „Brüderlichkeit oder Tod!“

Erst 1903 hauchte Reichskanzler Fürst Bernhard von Bülow dem Vers in einer Rede neues Leben ein. „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein“, sagte er bei einer Auseinandersetzung im Reichstag.

Weitere Aufkleber prangern in niederträchtiger Weise die deutsche Flüchtlingspolitik an. Warnen beispielsweise vor „schubsenden Migranten“ oder „Einzelfällen“. Ähnliche Grafiken und Bilder kursieren auch häufig in sozialen Medien. Bei Facebook oder Twitter können sie gelöscht werden, in Salzgitter werden sie abgeknibbelt oder beschmiert.

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Shop-Betreiber ein bekannter Rechtsradikaler

Hinter dem Online-Shop, der die Aufkleber vertreibt, steckt Sven Liebich. Der rechtsextreme Aktivist sorgte erst vergangene Woche für Furore. 2015 hatte Liebich einen Welt-Artikel geteilt, der einen umstrittenen Zwischenruf Renate Künast im Berliner Abgeordnetenhaus aus dem Jahr 1986 schildert.

In den Kommentaren brach darauf eine Welle des Hasses gegen die Grünen-Politikerin aus. Gegen einige dieser Kommentare ging die Politikerin juristisch vor, doch das Berliner Landgericht sah die Beleidigungen als zulässig.

Lieblich verbreitet sein Gedankengut über Blogs, YouTube-Kanäle und soziale Netzwerke wie Facebook. Er wird seit Jahren durch den Verfassungsschutz beobachtet, berichtet ZDFzoom. Seine Hetzkampagne ist durch die Meinungsfreiheit gedeckt.

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Die Aufkleber bleiben nicht nur an Straßenschildern hängen

Das Problem: Prägnante kurze Sätze bleiben hängen - egal ob sie stimmen oder nicht. Der Polizei Salzgitter sind die Aufkleber bisher nicht bekannt. Durch die Recherchen von news38.de wurde nun ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet. Auch die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet worden. (mb)