Salzgitter 

Salzgitter: Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen Helios Klinikum – „kühl und abweisend“

Erneut gibt es Kritik am Helios Klinikum Salzgitter. Diesmal berichtet ein Vater von seinen Erlebnissen in der Notaufnahme. Das Klinikum entschuldigt sich. (Archivbild)
Erneut gibt es Kritik am Helios Klinikum Salzgitter. Diesmal berichtet ein Vater von seinen Erlebnissen in der Notaufnahme. Das Klinikum entschuldigt sich. (Archivbild)
Foto: Rudolf Karliczek

Salzgitter. Ein Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen das Helios Klinikum Salzgitter. Vor allem geht es ihm um die Kommunikation – oder besser gesagt: die Nicht-Kommunikation. Das Klinikum wiederum entschuldigt sich – und erklärt den Alltag in einer Notaufnahme.

Genau dort war der Vater vergangene Woche mit seiner kleinen Tochter. Das zweieinhalbjährige Mädchen war gestürzt und hatte eine tiefe, blutende und schmerzende Platzwunde, schreibt sein Papa bei Facebook.

Vater kritisiert Helios Klinikum Salzgitter

„Schon die Anmeldung verlief sehr kühl und abweisend. Keine erste Begutachtung, keine Erstversorgung, keine Desinfizierung“, beschreibt er die Szenerie. Der Patientenempfang wirke eher wie eine Patientenabwehr.

Insgesamt fünf Patienten hätten im Warteraum des Klinikums Salzgitter gesessen, darunter seit viereinhalb Stunden auch ein Kind mit einer Gelenkverletzung. Kommunikation von Seiten des Personals habe nicht stattgefunden, so der Vater.

Vielmehr seien eine Mutter und er unfreundlich abgewiesen worden, als sie nachfragten, wie lange es denn noch dauere. Das könne man nicht sagen, aber Kinder würden natürlich bevorzugt behandelt.

Nach fast zwei Stunden reichte es dem Vater. Er nahm seine Tochter und ging. Dabei habe er sich abmelden wollen, sei aber trotz Blickkontakts hinter der Glasscheibe vom Personal nicht beachtet worden.

„Da wir unsere Telefonnummern auf dem Notfallbogen hinterließen, warteten wir zumindest auf einen Anruf. Dieser erfolgte nicht“, schreibt er. Die Wunde seiner Tochter sei dann außerhalb des Klinikums versorgt worden: „Es geht ihr wieder gut.“

Vater hat großen Respekt vor Arbeit und Stress

Dabei habe er großen Respekt vor der Arbeit und dem Stress in einer Notaufnahme, betont der Vater. Aber so gehe man nicht mit Kunden oder Patienten um. „Sicherlich gibt es in einer Notaufnahme weitaus schlimmere Notfälle, die per Rettungswagen eingewiesen werden. So kann das heute vielleicht auch gewesen sein. Aber dann kommuniziert man so etwas auch vernünftig.“

Dennoch müsse eine Notaufnahme auch auf kleinere Notfälle vorbereitet sein, die in einer größeren Stadt wie Salzgitter nun mal täglich eintreffen. Wenn man personell nicht gut aufgestellt ist, muss man eben den Begebenheiten entsprechend reagieren und für genügend Personal sorgen.

Er beziehungsweise seine Tochter seien ja auch nicht die ersten Betroffenen. Das hätten Medienberichte und seine Internetrecherche ergeben.

Das sagt das Helios Klinikum Salzgitter

Das Helios Klinikum Salzgitter entschuldigt sich bei dem Vater und seiner kleinen Tochter.

„Es tut uns sehr leid, dass der Aufenthalt und die Betreuung des Kindes hier bei uns in der Notaufnahme nicht so verlaufen ist, wie es sich der Vater in der beschriebenen Situation gewünscht hätte“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber news38.de.

Um Dinge künftig besser zu machen, bietet das Klinikum in Salzgitter den Eltern ein persönliches Gespräch mit dem Chefarzt an. Man wolle versichern, dass man Erfahrungen und Kritik als wichtige Quelle für Verbesserungen sehr ernst nimmt.

Außerdem werde man den Verlauf und die Kritikpunkte noch einmal gemeinsam im Team aufarbeiten und kritisch reflektieren. In der Notaufnahme komme es leider manchmal zu ärgerlichen und nicht immer nachvollziehbaren Wartezeiten – je nach Patientenaufkommen.

Wie schnell ein Patient behandelt werde, richte sich danach, wie dringend und wie schwer seine Erkrankung oder Verletzung ist. „Um Patienten nach ihrer Ankunft in der Notaufnahme richtig einzuordnen, arbeiten wir nach dem Emergency Severity Index (ESI), einem international standardisierten Verfahren“, erklärt Klinik-Sprecherin Sabina Korkmaz.

Notaufnahme in Salzgitter arbeitet nach Index

Dabei seien die gesamten Vorgänge in der Notaufnahme vom Warteraum aus nicht einsichtig, so dass die Abläufe für Patienten und Angehörige nur schwer zu überblicken seien. „Während Patienten warten, kommen Krankentransporte über die Liegendaufnahme im Krankenhaus an. Sind Patienten mit hoher Dringlichkeit darunter, werden diese zuerst versorgt“, so Korkmaz.

Im konkreten Fall sei es leider ganz offenkundig nicht gelungen, mit einer guten Kommunikation für die notwendige Transparenz zu sorgen. „Dass sich der Vater in dieser Situation mehr Aufmerksamkeit und eine bessere Information gewünscht hätte, ist für uns sehr nachvollziehbar“, entschuldigt sich Korkmaz.

25.000 Patienten kommen jährlich in die Notaufnahme

Das Team der Zentralen Notaufnahme des Helios Klinikums Salzgitter versorgt nach eigenen Angaben jährlich mehr als 25.000 Patienten. „Das Spektrum dieser Notfälle ist sehr weit gefächert und reicht von einfachen Bagatellen bis hin zu schweren, lebensbedrohlichen Zuständen“, heißt es.

„Auf die steigenden Patientenzahlen in der Zentralen Notaufnahme haben wir bereits mit einer personellen Verstärkung und der Etablierung eines pflegerischen Leitungsdienstes reagiert“, so Korkmaz. Darüber hinaus seien konkrete Umbaumaßnahmen in Planung, um den künftigen Herausforderungen noch besser gerecht werden zu können.

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Dazu gehörten auch eine patientenorientierte, klare und verständliche Kommunikation sowie regelmäßige Trainings und Feedbackgespräche.

„Es ist uns wichtig, dass unsere Patienten und auch Angehörige mit der Betreuung in unserem Hause zufrieden sind und uns auch weiterhin ihr Vertrauen schenken“, schreibt das Klinikum abschließend. (ck)