Salzgitter 

Salzgitter: Nach Messer-Attacke vor Shishabar – Täter vor Gericht: „Ich war ...“

In Salzgitter ist es im Juli 2019 zu einer blutigen Messerattacke gekommen. Vor Gericht in Salzgitter sprach am Mittwoch nun der Angeklagte.
In Salzgitter ist es im Juli 2019 zu einer blutigen Messerattacke gekommen. Vor Gericht in Salzgitter sprach am Mittwoch nun der Angeklagte.
Foto: News38

Salzgitter. „Ich werde dich töten“ – mit diesen erschreckenden Worten soll ein Mann in Salzgitter vor einer Gaststätte auf seine damalige Noch-Ehefrau losgegangen sein.

Als ihr ihre Schwester und ihre Tante zur Hilfe eilten und den Mann von dem Opfer wegschubsten, habe dieser ein Messer aus seinem Auto geholt und die drei Frauen verfolgt und angegriffen. Die Tante schwebte zeitweise in Lebensgefahr. Auch die anderen beiden Frauen seien bei der Tat in Salzgitter verletzt worden. Am Dienstag begann der Prozess gegen den Mann vor dem Landgericht Braunschweig.

Salzgitter: Blutige Messer-Attacke vor Shishabar

Diese Schreckensszenen haben sich in der Nacht zum 13. Juli 2019 gegen 0.45 Uhr in Salzgitter abgespielt. Unmittelbar danach sei der Mann zur Polizei gefahren. Seither saß er in Untersuchungshaft.

Ab Mittwoch muss er sich nun vor dem Landgericht Braunschweig behaupten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung.

Für den Prozess sind vier Verhandlungstage angesetzt. Voraussichtlich am 29. Januar könnte das Urteil fallen. Zum Prozessauftakt drehte sich alles um den Angeklagten und dessen Tat. Was ist in der Nacht vor der Shishabar geschehen?

„Ich werde dich töten“ – Mann attackiert Ex-Frau

Laut Anklageschrift habe der 42 Jahre alte Angeklagte bereits seit einem Jahr getrennt von seiner Frau gelebt. Er habe seiner heutigen Ex-Frau jedoch regelmäßig aufgelauert. So auch am Tattag.

Demnach wollte die heutige Ex-Frau ihre Schwester vor der Shishabar in Salzgitter abholen. Der Angeklagte sei ihr gefolgt und auf der Straße auf sie losgegangen. „Ich werde dich töten“, habe er ihr mehrfach angedroht.

Zu dem Streit seien dann auch eine weitere Schwester und die gemeinsame Tante hinzugekommen. Die Tante habe mit einem Schuhlöffel auf den Angeklagten eingeschlagen. Der 42-Jährige sei daraufhin zu seinem Auto gegangen und habe ein Messer aus dem Seitenfach der Tür genommen, um damit auf die Frauen loszugehen.

Frau nach Messer-Attacke in Lebensgefahr

Diese seien vor ihm weggelaufen. Er habe sie jedoch eingeholt und mehrfach auf die Tante eingestochen. Die Frau erlitt laut Landgericht fünf Messerstiche in den Oberkörper sowie einen Messerstich ins Gesicht. Dabei sei ihre Halsschlagader getroffen worden. Sie habe notoperiert werden müssen.

Auch der Ehefrau und einer Schwester habe er Verletzungen mit dem Messer zugefügt. Als er gemerkt hatte, dass die Klinge des Messer abgebrochen war und er damit nichts mehr hätte ausrichten können, habe er die Flucht ergriffen und sei zur Polizei gefahren.

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Angeklagter will vor Gericht Rede und Antwort stehen

Doch was sagt der Angeklagte zu den Vorwürfen? Bereits zu Beginn der Verhandlung lies sein Verteidiger verlauten, dass der 42-Jährige jedem Rede und Antwort stehen wolle.

Mit einer Dolmetscherin an seiner Seite schilderte er dann die Geschehnisse am Tattag. Es habe Streit um die gemeinsamen Kinder gegeben – und das schon seit längerem. An besagtem Freitag habe er erneut mit seiner Frau darüber sprechen wollen, doch diese sei ihm aus dem Weg gegangen.

Deshalb sei er ihr bis zur Shishabar gefolgt. Er wollte sie zur Rede stellen. Doch sie habe ihn beschimpft und beleidigt. „Du hast keine Ehre, keinen stolz“, soll sie zu ihm gesagt haben. Noch während des Streits sei die Tante gemeinsam mit einer der beiden Schwestern mit einem Auto zur Shishabar gekommen.

Mann gesteht Tat: „Ich war ein Mensch wie ein Tier“

Der 42-Jährige wirft ihr nach eigener Aussage vor, dass sie ihn hätte überfahren wollen. Dann sei sie jedoch ausgestiegen und habe mit einer Stange auf ihn eingeschlagen. Der 42-Jährige wollte nach eigenen Angaben in sein Auto steigen und wegfahren, doch die Tante habe ihn festgehalten und zurückgezogen.

„Ich kann nicht beschreiben, was ich in dem Moment gefühlt habe“, sagt der Angeklagte. Er sei wütend gewesen, eine solche Aggressivität habe er noch nie gespürt. „Ich war ein Mensch wie ein Tier“, erinnert er sich. Er habe nach dem Messer gegriffen, sei blind vor Wut gewesen und habe unbedacht mit dem Messer zugestochen.

„Hätte ich sie umbringen wollen, hätte ich...“

Wen er wie getroffen habe – daran könne er sich nicht erinnern. Es habe einige Sekunden gedauert, dann sei er wieder zu sich gekommen. Als er dann das ganze Blut und die Verletzten sah, sei er aus Angst vor sich selbst geflüchtet und direkt zur Polizei gefahren. Hilfe habe er nicht geholt.

Vor Gericht betont er, das er die Frauen nicht töten wollte. Neben dem Messer habe er auch noch eine Holzaxt dabei gehabt. „Hätte ich sie umbringen wollen, hätte ich die Axt genommen“, betont der 42-Jährige.

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Bei der Polizei habe er von dem Streit mit seiner Ex-Frau berichtet. Seither sitzt er in Untersuchungshaft in der JVA. Eine Zeit, die nicht spurlos an ihm vorbeigegangen sei. Er schlafe wenig, sei oft sehr traurig, Von Depressionen ist die Rede. „Jede Strafe habe ich verdient, ich habe die Leben von vielen Menschen zerstört“, sagt er mit gesenktem Blick.

Angeklagter will aus JVA fliehen

Die Hände hat er stets gefaltet, nestelt ab und an an seinen Fingern. Selten blickt er der Kammer direkt ins Gesicht. Meist ist sein Blick gesenkt, er ist lediglich seiner Dolmetscherin zugewandt.

So auch, als er vor Gericht einräumt, am 31. Dezember 2019 einen Fluchtversuch aus der JVA unternommen zu haben. Das sei dem Gericht nämlich am Verhandlungstag via Laufzettel mitgeteilt worden.

Drei Nebenklägerinnen im Salzgitter-Fall

Er sei mit einem Mithäftling im Kinoraum der JVA gewesen, dort seien keine Wachen gewesen, ein Fenster habe offen gestanden. Er habe seine Kinder wiedersehen wollen. Doch die Flucht habe sich als schwierig erwiesen, darum seien sie „schnell wieder zurück.“

Stundenlang rekonstruieren Staatsanwältin und Richter die Tatnacht aus Sicht des Angeklagten. Sie versuchen, Licht ins Dunkel der Familienangelegenheiten zu bringen. Die Bank der Nebenkläger bleibt zunächst leer. Aber auch die betroffenen Frauen werden wohl noch als Zeugen vor Gericht aussagen.

Die Verhandlung geht am 20. Januar weiter. (abr)