Salzgitter 

Salzgitter: Mann darf wegen Gesundheit keine Maske tragen und erhebt Vorwürfe – „werde behandelt wie ein Schwerverbrecher"

In Deutschland gilt in Supermärkten Maskenpflicht. Doch es gibt auch Ausnahmen für Menschen, die beispielsweise an bestimmten Erkrankungen leiden – so wie Sascha aus Salzgitter. (Symbolbild)
In Deutschland gilt in Supermärkten Maskenpflicht. Doch es gibt auch Ausnahmen für Menschen, die beispielsweise an bestimmten Erkrankungen leiden – so wie Sascha aus Salzgitter. (Symbolbild)
Foto: imago images/teutopress

Salzgitter. Einzelne Städte haben es vorgemacht, Niedersachsen und schließlich ganz Deutschland sind nachgezogen: Maskenpflicht im Kampf gegen das Coronavirus. Doch bestimmte Personengruppen müssen keinen Mund-Nasen-Schutz tragen – dazu gehört auch ein Mann aus Salzgitter.

Der zweifache Familienvater leidet nach eigenen Angaben an einer Autoimmunerkrankung, hat ein Attest, das belegt, dass er keine Maske tragen darf. Seine Erkrankung führe dazu, dass die Muskeln absterben. „Meine Zukunft wird der Rollstuhl, respektive das Ersticken", schildert er gegenüber News38.

Doch obwohl er mit seinem Attest rechtlich auf der sicheren Seite ist, erlebe er immer wieder Situationen, die für ihn ungeheuerlich sind. „Ich werde behandelt wie ein Schwerverbrecher", sagt der 41-Jährige aus Salzgitter.

Salzgitter: Sascha muss keinen Mundschutz tragen – und erntet dafür böse Blicke

In der letzten Zeit habe er immer wieder Situationen erlebt, die ihn wütend machen. Egal, ob in Geschäften oder auf der Straße. „Man traut sich nicht mehr raus", erzählt er im Gespräch mit news38. Der Grund: Die Blicke der Menschen. „Die Leute treten einem alle gegenüber als wenn man wen getötet hätte," klagt der 41-Jährige an.

Wenn er zum Einkaufen fährt, hat er stets ein Foto des Attests auf seinem Handy. Das Original liegt außerdem in seinem Auto, damit er es zur Not vorlegen kann. Mehrfach sei er bereits von verschiedenen Mitarbeitern verschiedener Supermärkte und Baumärkte angesprochen worden. Neulich habe ihm eine Kassiererin nicht geglaubt, als er ihr an der Kasse erklärt habe, dass er keine Maske tragen muss und ein Attest dafür habe.

„Die Leute pöbeln gleich im Befehlston rum"

Daraufhin habe sie ihn aufgefordert, das Attest zu zeigen. Das wollte der Salzgitteraner aus Datenschutzgründen jedoch nicht. Erklärte, dass er es nur der Polizei vorlegen würde. Diese könnte sie gerne rufen. Daraufhin habe die Verkäuferin ihn des Ladens verwiesen. Für den 41-Jährigen ein Unding.

Ihm gehe es aber nicht nur darum, was er in manchen Geschäften erlebt. Ihn stören auch die Blicke der Menschen – egal, ob zwischen den Regalen oder in der Fußgängerzone. Und wenn er angesprochen wird, dann häufig unfreundlich, sagt er. „Wenn die Leute mich höflich ansprechen würden, wäre es kein Problem. Ich würde 100 mal die Frage beantworten. Doch die Leute pöbeln gleich im Befehlston rum und werden noch aggressiver, wenn man sagt, dass man keine Maske tragen muss."

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Maskenpflicht: Das sind die Regeln in Niedersachsen

Doch welche Regeln gibt es in Bezug auf die Maskenpflicht? Welchen Spielraum haben Geschäfte? Das hat das Land Niedersachsen klar geregelt.

Diese Personengruppen sind von der Maskenpflicht ausgenommen:

  • Menschen, bei denen es aufgrund einer Behinderung durch einen Mund-Nasen-Schutz zu erheblichen Einschränkungen in der Kommunikation oder Sinneswahrnehmung kommt – zum Beispiel Menschen, die auf Gebärdensprache angewiesen sind, blinde Menschen oder Menschen mit Sprachbehinderungen
  • Menschen, denen es aus gesundheitlichen Gründen nicht zumutbar ist, eine solche Bedeckung zu tragen

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Das Land Niedersachsen betont dabei, dass ein Attest in solchen Fällen nicht einmal zwingend notwendig ist. „Es genügt die Glaubhaftmachung, um hiervon Betroffene nicht in die Arztpraxen zu zwingen", heißt es. Die Menschen dürften selbstverständlich ohne Maske einkaufen gehen oder mit Bus und Bahn fahren.

Salzgitteraner: „Man sollte seine Menschlichkeit wahren"

Dennoch empfiehlt das Land, ein Attest dabei zu haben. Denn in Geschäften könnte durchaus verlangt werden, dass Kunden ohne Mund-Nasen-Bedeckung, die kein Attest haben, gehen müssen. Das ermögliche das Hausrecht. Hat man jedoch ein Attest dabei, empfiehlt das Land Niedersachsen durchaus, es bei Problemen dem Betreiber des Geschäfts vorzuzeigen.

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Der 41-Jährige aus Salzgitter würde in in der Bevölkerung gerne ein größeres Bewusstsein dafür schaffen, dass Menschen in diesen Zeiten beispielsweise nicht ohne Grund ohne Maske einkaufen gehen. „Man sollte einfach seine Menschlichkeit wahren", macht er klar. Höflichkeit, Respekt im Umgang miteinander – das wünscht er sich in dieser sonst so schweren Zeiten.

Alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in Niedersachsen findest du HIER. (abr)