Salzgitter 

Salzgitter: Senioren leiden in Corona-Zeiten extrem – ihre Botschaften rühren zu Tränen

Zwei Dutzend Wünsche haben die Senioren aus Salzgitter aufgeschrieben.
Zwei Dutzend Wünsche haben die Senioren aus Salzgitter aufgeschrieben.
Foto: Rudolf Karliczek

Salzgitter. Sie trifft die Corona-Pandemie besonders hart: Ältere Menschen. Nicht nur, weil sie als besonders gefährdet gelten. Nein, viele von ihnen leiden seit Wochen unter Einsamkeit. Ein Seniorenheim in Salzgitter hat sich daher eine emotionale Aktion einfallen lassen.

Am Geras-Heim in Salzgitter-Fredenberg flattern neuerdings Stoffwimpel an den Balkonen. Die Bewohner haben darauf Botschaften geschrieben. Ihre Wünsche und Gedanken. Gänsehaut.

Salzgitter: Senioren haben emotionale Botschaften

„Mir fehlt die Umarmung von meinen Kinder und Enkeln“, so die Aussage eines älteren Menschen aus dem Heim. „Es machen plötzlich alle einen ganz großen Bogen um mich“, sagte ein anderer bei einer Aktion des AWO-Seniorentreffs AWirA, dem Geras-Seniorenheim und der TAG Wohnen.

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Wimpel-Aktion am Geras-Heim in Salzgitter

Daraufhin haben sich die Betroffenen die Wimpel-Aktion einfallen lassen. „Hintergrund ist, dass sinnbildlich auf diesem Weg die Hoffnungen und Wünsche vom Wind in die Welt getragen werden sollen. Alles geschieht im Glauben, dass die Botschaften dann auch in Erfüllung gehen“, sagte die Leiterin des Seniorentreffs, Birgit Hülsenbeck.

Einige Botschaften aus Salzgitter:

  • Wieder die Kinder umarmen
  • Kontakt zur Außenwelt
  • Gemeinsam essen
  • Gemeinsame Spaziergänge
  • Normalität soll wieder einkehren
  • Gruppenangebote sollen wieder starten
  • Freiheit für alle

Ein interessanter Wunsch lautet: „Beerdigungen wieder feiern dürfen.“ Dahinter stecke eine tiefere Sehnsucht nach Normalität ganz anderer Art, so Claudius Oleszak, TAG-Chef in Salzgitter: „Der Tod gehört zum Leben dazu und muss zwingend auch als Ritual im Rahmen der Normalität gepflegt werden dürfen.“

Salzgitter: Menschen haben Angst vor Vereinsamung

Alle Beteiligten waren sich einig: Hinter allen Wünschen und Hoffnungen steckt auch die Angst vor Vereinsamung. Selbst wenn allen bewusst ist, dass die verordneten kontaktbeschränkenden Maßnahmen der persönlichen Gesundheit dienen sollen, werden sie doch als sehr lebenseingreifend empfunden.

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TAG-Managerin Yvonne Beier sagte, man dürfe die Hoffnung nie verlieren. Solche Aktionen hätten für die Betroffenen auch eine sehr befreiende Wirkung. „Man hat es aufgeschrieben, es wird von Dritten gelesen und – wer weiß – vielleicht trägt der Wind die vielen emotionalen Botschaften von Fredenberg in die Welt. Bessere Zeiten warten sicherlich irgendwo.“ (ck)