Salzgitter 

Salzgitter: Kleiner Junge (†5) stirbt – Prozess gegen Ärztin nimmt jähes Ende

Diyar aus Salzgitter wurde nur fünf Jahre alt.
Diyar aus Salzgitter wurde nur fünf Jahre alt.
Foto: privat

Salzgitter. Vor dem Amtsgericht Salzgitter hat ein Prozess um einen Fall stattgefunden, der bundesweit für Aufsehen gesorgt hatte.

Auf der Anklagebank saß eine Ärztin aus Salzgitter. Der Vorwurf gegen sie wog schwer. Überraschenderweise gab es bereits am Dienstag eine Entscheidung!

Salzgitter: Ärztin wegen fahrlässiger Tötung auf der Anklagebank

Die Frau war wegen fahrlässiger Tötung eines Kindes angeklagt. Der Fall aus dem November 2017 hatte deutschlandweit Schlagzeilen gemacht.

Es ging um den fünfjährigen Diyar – ein Flüchtlingskind aus Syrien. Er hatte damals über höllische Bauchschmerzen geklagt und sich übergeben. Seine Eltern brachten ihn in die Notaufnahme des Helios-Klinikum Salzgitter.

Rettungswagen kommt zu spät: Diyar stirbt zu Hause

Die Ärztin soll Diyar dann lediglich ein Zäpfchen verabreicht und ihn wieder nach hause geschickt haben. Als der Junge wenige Stunden später schwer atmete, riefen die Eltern einen Rettungswagen. Diyar verstarb allerdings noch bevor die Retter ankamen.

news38.de hat damals mit seinen Eltern ein emotionales Interview geführt. Hier kannst du es noch mal lesen.

Laut Obduktion litt der Kleine an einer ausgeprägten Bauchfellentzündung. Die angeklagte Ärztin war vom Dienst freigestellt worden, bisher hatte sie sich nicht zu den Vorwürfen geäußert. >> Obduktionsergebnis belastet Ärztin

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Ihr wurde vorgeworfen, den Jungen nicht sachgemäß behandelt zu haben. Das führte aus Sicht der Staatsanwaltschaft dazu, dass sie eine schwere Erkrankung sorgfaltspflichtwidrig nicht erkannte.

Ein Sachverständiger der Staatsanwaltschaft war zu dem Ergebnis gekommen, dass das Kind entsprechend seines Krankheitsbildes unzureichend behandelt wurde. Ihm zufolge wären umfassende Untersuchungen wie etwa eine Blutuntersuchung oder ein Ultraschall nötig gewesen.

Die zunächst für Juli 2019 geplante Verhandlung wurde aufgehoben. Auf Antrag der Verteidigung und mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft sollte ein ergänzendes Sachverständigengutachten eingeholt werden.

Eltern blicken Ärztin ins Gesicht

Die Eltern traten vor dem Amtsgericht Salzgitter als Nebenkläger auf. Im Falle einer Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung hätte der Ärztin ein Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe gedroht.

Verfahren wird eingestellt

Aber alles kam anders. Das Verfahren gegen die 49-Jährige wurde unter Auflagen eingestellt! Das berichtet die „Salzgitter-Zeitung“. Demnach befand das Gericht, dass es sich um ein „Augenblicksversagen“ handelte.

Die Ärztin soll 10.000 Euro an vier gemeinnützige Einrichtungen überweisen, so der Beschluss des Gerichts auf Antrag der Staatsanwaltschaft. >> Mehr zum Prozess liest du in der „Salzgitter-Zeitung“ (ck/dpa)