Salzgitter 

Salzgitter: Anwohner sehen Kind (15) im Müll wühlen – seine Geschichte ist einfach traurig

Auf dieser Couch im Keller fand eine Hausbewohner in Salzgitter den 15-Jährigen.
Auf dieser Couch im Keller fand eine Hausbewohner in Salzgitter den 15-Jährigen.
Foto: Rudolf Karliczek

Salzgitter. Ein 15-Jähriger liegt auf der Couch unter einer Kellertreppe in Salzgitter. Entdeckt wird er von einer Bewohnerin, die anonym bleiben möchte, des Mehrparteienhauses an der Schubertstraße.

Die Frau erzählt, wie sie auf den offensichtlich obdachlosen Jungen gestoßen ist: „Ich bin in den Keller gegangen, wollte was rausstellen. Unter der Treppe haben wir eine alte Couch stehen sehen, wem die gehört keine Ahnung.“ Sie sieht nur zwei Füße, erschrickt und geht zu einem Nachbarn. Zuvor soll das Kind bereits in einer Mülltonne nach Essen gesucht haben.

Gemeinsam rufen sie die Polizei Salzgitter hinzu.

Salzgitter: Polizei schnappt 15-Jährigen und muss ihn wieder gehen lassen

Doch eher die Beamten eintreffen, ist der 15-Jährige bereits verschwunden. Die Polizisten raten den Hausbewohnern: „Falls der Junge nochmal auftaucht, geben sie uns Bescheid.“ Der Nachbar, er will ebenfalls seinen Namen nicht öffentlich lesen, erzählt: „Gegen 21 Uhr war der junge Bengel wieder hier, erneut haben wir die Polizei gegerufen.“

Die Befragung durch die Polizei ergibt: Der 15-Jährige hat keinen festen Wohnsitz. „Die Beamten der Polizei hielten daraufhin eine telefonische Rücksprache mit dem Jugendamt in Salzgitter. Nach Rücksprache mit dem Mitarbeiter des Jugendamtes wurde der Jugendliche wieder am Einsatzort entlassen“, sagt Matthias Pintak, Polizeisprecher in Salzgitter.

Obdachloser Junge kann nicht gezwungen werden, ins Heim zu gehen

Doch warum nimmt das Jugendamt den Jungen nicht entgegen? „Das Jugendamt der Stadt Salzgitter (Fachdienst Kinder, Jugend und Familie) ist im genannten Fall nicht das zuständige Jugendamt“, erklärt Stadtsprecher Martin Neumann. Zuständig sei das Jugendamt der Stadt Celle.

Weitere Auskünfte zu dem Kind dürfe man aus Gründen des Datenschutzes nicht geben. „Grundsätzlich zuständig ist immer das Jugendamt des jeweiligen Herkunftsortes.“

Die Sache gestaltet sich kompliziert. Denn für die Zuweisung in eine (Wohn-)Einrichtung muss eine rechtliche Grundlage bestehen. Solange aber keine ärztlich attestierte Fremd- oder Eigengefahr bestehe, darf der Junge nicht zugewiesen werden. Er kann somit nicht gezwungen werden, eine Unterkunft aufzusuchen.

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Hat sich der Junge für ein Leben auf der Straße entschieden?

Weiter erläutert Neumann: „Ohne diese Voraussetzungen, verbleibt es bei Angeboten an die betroffene Personen, zu denen das Jugendamt selbstverständlich verpflichtet ist. In diesem Rahmen wird alles dafür getan, um Obdachlosigkeit zu verhindern oder schnellstmöglich zu beenden.“

Es scheint, als hätte sich der 15-Jährige das Leben auf der Straße selbst ausgesucht. (mb)