Salzgitter 

VW-Tochter MAN geht radikalen Schritt – „Angriff auf die gesamte VW-Familie“

Beschäftigte des Lastwagenbauers MAN in Nürnberg protestieren gegen einen geplanten Stellenabbau.
Beschäftigte des Lastwagenbauers MAN in Nürnberg protestieren gegen einen geplanten Stellenabbau.
Foto: Daniel Karmann/dpa

Salzgitter. Hilf- und machtlos, und unendlich wütend – so dürften sich die meisten der MAN-Beschäftigten in Salzgitter fühlen. Schon seit Monaten brodelt es gewaltig bei der VW-Tochter mit Sitz in München. Das Unternehmen selbst will weltweit 9.500 Jobs abbauen.

Erste Pläne eines radikalen Stellenabbaus bei MAN wurden bereits im Februar bekannt. Über die Corona-Zeit ist die wirtschaftliche Lage überraschenderweise nicht gerade rosiger geworden. Dass es jetzt doch so schnell gehen könnte, damit hatte in Salzgitter jedoch kaum jemand gerechnet. Schon in wenigen Monaten könnten hunderte Arbeitsplätze verloren gehen. Der MAN-Vorstand hat am Dienstag ernst gemacht und die eigentlich bis 2030 geltenden Beschäftigungssicherungs- und Standortverträge aufgekündigt.

Salzgitter: Kommt der Kahlschlag früher als erwartet?

In Salzgitter baut MAN Truck & Bus SE auf einer Werksfläche von über einer Millionen Quadratmetern zentrale Komponenten für die Produktion. Schon seit Wochen bangen viele von ihnen um ihre Jobs. Im Raum steht eine komplette Verlagerung des Komponentenwerkes nach Krakau und Ankara. Etwa 1.200 Arbeitsplätze in Salzgitter stehen auf dem Spiel.

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Das ist die Stadt Salzgitter:

  • wurde 1942 gegründet
  • ist eine Großstadt mit 104.291 Einwohnern (Stand: Dezember 2019)
  • besteht aus sieben Ortschaften und 31 Stadtteilen
  • Oberbürgermeister ist Frank Klingelbiel (CDU)

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Jetzt könnte alles plötzlich ganz schnell gehen, viel zu schnell aus Sicht der Angestellten und des Konzernbetriebsrats. In der vergangenen Woche kündigte der Konzernvorstand an, eine Betriebsgarantie, die Mitarbeitern bis Ende 2030 einen Arbeitsplatz garantiert hatte, aufzukündigen. Ein Novum im Firmenimperium von Volkswagen. Die Arbeitnehmer liefen Sturm. Am Dienstag dann die Schock-Nachricht: Der Vorstand hat den Schritt tatsächlich umgesetzt, die Verträge an den deutschen und österreichischen Standorten wurden aufgekündigt.

Als Grund nannte MAN in einer Mitteilung die wirtschaftliche Situation. Die letzte Hoffnung: Einigen sich MAN und die Mitarbeiter bis Jahresende auf ein gemeinsames Programm zur Neuausrichtung, könnten einige Sicherungsverträge mitunter wieder in Kraft treten. MAN-Personalvorstand Martin Rabe dazu: „MAN steht vor herausfordernden Zeiten. Der gesamte Vorstand ist sich sicher, dass sich beide Seiten dieser Verantwortung bewusst sind und wir sehr zeitnah zu konstruktiven und zielgerichteten Verhandlungen kommen können.“

Osterloh mahnt an: „Ein Bruch mit der Kultur in unserem Unternehmen“

Bei VW-Konzernbetriebsratsvorsitzendem Bernd Osterloh sorgte die Nachricht für Entsetzen. Er wandte sich mit deutlichen Worten an die MAN-Führungsspitze: „Das Aufkündigen der Beschäftigungssicherung ist ein Bruch mit der Kultur in unserem Unternehmen. Es handelt sich hierbei um einen Angriff auf die gesamte Volkswagen-Familie. Eine solche Vorgehensweise wird nicht ansatzweise zum Erfolg führen. Daher werden wir im Laufe der Verhandlungen dafür sorgen, dass die umfangreiche Beschäftigungssicherung wieder in Kraft tritt.“ Osterloh erklärte in den „Wolfsburger Nachrichten“, dass die MAN-Krise vor allem ein Versagen des Managements sei.

Noch bevor bekannt wurde, dass der MAN-Vorstand tatsächlich den heftigen Schritt gehen wird, sorgte allein die Ankündigung bei Konzernbetriebsratsvorsitzende Saki Stimoniaris für große Sorge: „Wer einen Vertrag zehn Jahre vor Ablauf kündigt, ohne über Alternativen gesprochen zu haben, sollte sich genau überlegen, was er damit auslöst.“

Betriebsrats-Chef: Werden für unsere Rechte kämpfen

Innerhalb weniger Monaten könnten die ersten MAN-Mitarbeiter in Salzgitter ihren Platz räumen müssen. Sollte MAN noch kurzfristig bis zum 30. September kündigen, wären bereits ab dem 1. Januar betriebsbedingte Kündigungen möglich, heißt es vom Konzernbetriebsrat.

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Da es noch Vereinbarungen mit den Werken gebe, sei eine flächendeckende Kündigung bei MAN ab dem 1. Oktober 2021 möglich. „Wir haben kein Interesse an einer Eskalation, sagen aber auch klar, dass wir für unsere Rechte kämpfen werden“, kündigt Stimoniaris kämpferisch an. (dav)