Salzgitter 

Salzgitter: Hier fahren täglich Tausende lang – doch kaum einer kennt diesen mysteriösen Pfahl an der B363

Salzgitter: Die Stadt deckt ein Geheimnis an der B363 auf. (Symbolbild)
Salzgitter: Die Stadt deckt ein Geheimnis an der B363 auf. (Symbolbild)
Foto: imago images

Salzgitter. Wenn du in Salzgitter regelmäßig auf der B636 zwischen Barum und Heerte unterwegs bist, ist dir sicher schon einmal das kleine Waldstück dort aufgefallen.

So friedlich der Grünabschnitt zwischen den Stadtteilen heute auch wirkt, so idyllisch ist es dort nicht immer gewesen. Vielmehr hat dieser Ort in Salzgitter eine traurige Vergangenheit.

Salzgitter: Dieses düstere Geheimnis verbirgt dort

Ein stummer und gut versteckter Zeuge dieser dunklen Zeit ist ein Zaunpfahl aus Beton. Für die „Salzgitter Geheimnisse“-Videoreihe der Stadt kämpft sich die Leiterin der Gedenkstätte KZ Drütte, Maike Weth, durch Gebüsch und präsentiert den Pfahl, an dem jeden Tag Tausende Salzgitteraner vorbeifahren.

Salzgitter-Geheimnisse

Doch was macht das Ding dort einsam an der Straße? Er markiert eine Ecke des ehemaligen Lagerkomplexes „E/F/G“. Wo heute Ackerland und Wald gedeihen, lebten einst rund 2000 Menschen auf engstem Raum in Holzbaracken.

Deswegen gab es in Salzgitter einen Lagerkomplex

Gebaut wurden sie 1940 von den Nationalsozialisten. Die brachten dort freiwillige Arbeiter aus Italien unter, aber auch Zwangsarbeiter aus Osteuropa. Sie wurden vornehmlich in den Stahlwerken Braunschweig eingesetzt, die fußläufig entfernt lagen.

Sie lebten dort unter furchtbaren Bedingungen, sagt Weth. Es habe sich um Menschen gehandelt, „die aus Sicht der Nationalsozialisten nichts wert waren“. Hunger und Verzweiflung waren die schlimme Folge.

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Auf Hilfe der Salzgitteraner konnten die Zwangsarbeiter nicht hoffen: Kontakte zu den Einheimischen waren strengstens verboten, auf Liebesbeziehungen stand die Todesstrafe, erklärt die Expertin.

Nach dem Krieg blieb das Lager erhalten

Nach der Niederlage der Nazionalsozialisten und dem Ende des Krieges bauten die Besatzer die Baracken in ein Camp für „displaced Persons“ um, also Menschen, die weder in ihr Heimatland zurück, noch in Deutschland bleiben wollten. Bis 1947 warteten einige von ihnen auf die Ausreise.

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Anschließend renovierten die Stahlwerke Braunschweig die alten Baracken als Werkswohnung für die Mitarbeiter. Damit war Anfang der 60er Jahre Schluss: Das sogenannte „Musekamp“ wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Übrig blieb nur der alte, im Dickicht versteckte Betonpfahl. Er erinnert als stummer Zeuge an Schmerz und Leid. Manch einem Salzigitteraner war dieser Teil der Stadtgeschichte bisher unbekannt: „Da hat man jahrelang in Heerte gewohnt und weiß nichts davon“, kommentiert ein Mann das Video.

Du willst mehr Geheimnisse aus Salzgitter erfahren? „Insgesamt gibt es 50 Salzgitter-Geheimnisse zu entdecken, jeden Monat eine Episode“, sagt Jeannette Rische vom Medienzentrum in Salzgitter. Die bereits erschienenen Videos siehst du >>> hier in dem Youtube-Kanal der Stadt Salzgitter. (vh)