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Eintracht Braunschweig: Ex-Coach Christian Flüthmann in England – „ein unheimliches Geschenk“

Christian Flüthmann erlebte bei seiner Zeit bei Eintracht Braunschweig Höhen und Tiefen. Inzwischen hat es in nach England gezogen...
Christian Flüthmann erlebte bei seiner Zeit bei Eintracht Braunschweig Höhen und Tiefen. Inzwischen hat es in nach England gezogen...
Foto: imago images / Köhn

Hannover. Christian Flüthmann – seit vergangenem November ist er nicht mehr Trainer von Eintracht Braunschweig. Sein Name ist in der blau-gelben Fan-Seele aber immer noch präsent. Nicht wenige halten den Rauswurf des 38-Jährigen nach wie vor für falsch – selbst, wenn es unter Nachfolger Marco Antwerpen aktuell gut läuft.

Aber was macht der ehemalige Coach von Eintracht Braunschweig eigentlich? Christian Flüthmann absolviert einen 18-monatigen Trainer-Lehrgang in England, dem Mutterland des Fußballs. Die Trainer-Ausbildung ist dort vollkommen anders als im Rest der Fuball-Welt.

Eintracht Braunschweig: Ex-Coach Christian Flüthmann lernt in England

Der Verband lädt dazu Polizei-Ermittler ein. Oder Google-Manager. Die Engländer wollen einen anderen Blick, den Blick von außen. Eintracht Braunschweigs Ex-Trainer Christian Flüthmann war dabei.

„Der Fußball ist wie ein Hausbau“, sagte der 38-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. „Eine Komponente reicht nicht aus, um ein stabiles Haus zu bauen. Ähnliches gilt im Fußball-Business.“

Genauso sieht das auch die englische „Football Association“. Sie geht davon aus, ihren Absolventen nichts mehr über taktische Systeme oder Eckballvarianten beibringen zu müssen. Im Zentrum des Lehrgangs stehen deshalb andere Fragen: Wie bringe ich eine Gruppe von Menschen dazu, die Ziele zu verfolgen, die ich vorgebe? Und wie stelle ich dafür ein Team von Experten um mich herum zusammen?

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Die Referenten in Flüthmanns Lehrgang arbeiten nach genau diesen Prinzipien, hatten aber in vielen Fällen nichts mit Fußball zu tun. Die FA lud unter anderen einen ehemaligen FBI-Ermittler ein, der der britischen Polizei mittlerweile als Experte für Geiselnahmen dient. Dazu den Leiter eines Musicals und einen Google-Manager.

Premier League ist sehr global ausgerichtet

Die englische Premier League ist sehr global ausgerichtet. Die Clubbesitzer kommen aus den USA, aus Russland oder Abu Dhabi. Die Trainer heißen Jürgen Klopp, Pep Guardiola oder José Mourinho. Deshalb werde auch gerade im englischen Fußball ein so „großer Wert darauf gelegt, sich Input von außen zu holen“, so Flüthmann.

Er selbst arbeitete von Juli 2017 bis November 2018 als Co-Trainer von Norwich City. In genau dieser Zeit bot der englische Verband zum ersten Mal seinen neuen Trainerlehrgang an, wie er überhaupt in den 2010er-Jahren alles auf den Kopf stellte, was mit Ausbildung zu tun hat.

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Die Nationalmannschaft hat über Jahrzehnte zu häufig enttäuscht - also wurde die Talentförderung neu organisiert. In der Premier League gibt es kaum einheimische Trainer - deshalb jetzt der neue Kurs.

Trainerkarriere bei Eintracht Braunschweig im Zeitraffer

Christian Flüthmann hat parallel zu diesem Lehrgang schon einmal eine beinahe komplette Trainerkarriere im Zeitraffer erlebt. Als der Kurs im Januar 2018 begann, war er noch Co-Trainer bei Eintracht Braunschweig. Ein halbes Jahr später beförderte der Club ihn zum Chef und wieder nur viereinhalb Monate später trennte er sich von ihm, obwohl Flüthmann mit der Eintracht auf Platz fünf der 3. Liga stand.

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Während der Corona-Zeit schrieb der in Münster geborene Coach dann eine Abschlussarbeit, die genau in diese Corona-Zeit passt. „Der Trainer als Motivator - wie wichtig ist die Selbstmotivation eines Spielers?“, lautet der Titel. Alle Bundesliga-Trainer mussten sich zuletzt mit dieser Frage beschäftigen, als ihre Spieler noch allein zu Hause trainierten, weil es kein Mannschaftstraining gab.

Die letzten Trainer von Eintracht Braunschweig:

  • Marco Antwerpen (11/19 - 06/20)
  • Christian Flüthmann (06/19 - 11/19)
  • André Schubert (10/18 - 06/19)
  • Henrik Pedersen (07/18 - 10/18)
  • Torsten Lieberknecht (05/2008 - 06/2018)

Flüthmann hat die Charaktere einer Mannschaft dazu in vier Typen kategorisiert: Musterprofis, Leader, Künstler, Soldaten. Seine These ist, dass in der Zeit der Geisterspiele nicht die besseren Einzelspieler entscheiden, „sondern mehr denn je die Zusammensetzung eines Kaders. Jedes Team braucht jetzt Leader, die auch unter solchen Umständen unbedingt gewinnen wollen.“

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Aber auch das nur sehr gezielt: „Zwei Alphatiere in einem Zwei-Mann-Sturm - das funktioniert kaum.“

Trainerjob: Christian Flüthmann ist für alles offen

Flüthmann nennt die Corona-Zeit „eine hochspannende Zeit für Trainer“. Weil jeder jetzt sieht: „Wen muss ich von außen anschieben? Wer hat einfach Bock, wieder Fußball zu spielen? Und wer kommt vielleicht auch besser damit klar, dass keine Zuschauer im Stadion sind?“

Er weiß aber auch: Es ist nicht die einfachste Zeit, um selbst wieder einen neuen Job zu finden. Ob in England oder Deutschland: Flüthmann ist da für alles offen. „Ich sehe es unheimliches Geschenk an, dass ich meine Ausbildung in beiden Ländern genießen durfte.“ (dpa/ck)