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Mindestens vier Tote nach Überschwemmungen in Süddeutschland

Nach einem Unwetter mit starken Regenfällen istkam es in Schwäbisch Gmünd zu starken Überschwemmungen.
Nach einem Unwetter mit starken Regenfällen istkam es in Schwäbisch Gmünd zu starken Überschwemmungen.
Foto: dpa
  • Mindestens vier Todesopfer nach Überschwemmungen.
  • Immenser Sachschaden: Straßen und Häuser beschädigt.
  • Audi-Werk überflutet.

Schwäbisch Gmünd. Update: Viertes Todesopfer: Unter einer Bahnbrücke bei Schorndorf in Baden-Württemberg ist eine 13-Jährige von einem Zug erfasst und getötet worden - sie hatte dort Schutz vor dem Regen gesucht. Das Mädchen war am Sonntagabend zusammen mit einem Zwölfjährigen auf dem Heimweg und geriet wohl zu nah an die Gleise, wie die Polizei in Aalen am heutigen Montag, den 30. Mai 2016, mitteilte. Dem Jungen passierte nichts, er musste aber psychologisch betreut werden. (Dieser Artikel wird von news38.de fortlaufend aktualisiert)

Bei schweren Unwettern und Überschwemmungen in Baden-Württemberg sind somit vermutlich mindestens vier Menschen ums Leben gekommen, darunter auch ein Feuerwehrmann. Nach Angaben der Stadtverwaltung von Schwäbisch Gmünd kam der Feuerwehrmann bei einem Bergungsversuch ums Leben. Auch die Person, die er retten wollte, sei tot, teilte die Behörde am frühen Montagmorgen mit. Zuvor hatte die Polizei in Heilbronn einen Toten in einer Tiefgarage in Weißbach im Hohenlohekreis bestätigt.

Die Stadt Schwäbisch Gmünd teilte auf ihrer Internetseite mit, dass die Feuerwehr um einen ihrer Männer trauere. Am Bahnhof der Stadt sei wegen des hohen Risikos durch das Hochwasser eine Bergung von Menschen noch nicht möglich.

In Baden-Württemberg verzeichneten die Behörden Hunderte Notrufe. An vielen Orten waren die Keller vollgelaufen und Fahrbahndecken von den Wassermassen weggespült worden.

Schwere Überschwemmungen auch in Braunsbach

Das Überschwemmungsunglück hat am Sonntagabend auch den kleinen Ort Braunsbach im Norden Baden-Württembergs schwer getroffen. Das zuständige Polizeipräsidium Aalen sprach von erheblichen Schäden an Häusern, nachdem der örtliche Fluss über die Ufer getreten war. Es habe aber keine Toten oder Verletzten gegeben, hieß es zunächst. Der Ort sei großräumig abgesperrt.

Auf Fotos lokaler Medien im Internet waren Straßen zu sehen, die reißenden Flüssen glichen. Autos wurden vom Schlammwasser mitgerissen, türmten sich verkeilt übereinander und wurden teilweise in Schaufenster von Geschäften geschleudert. Bei einigen Häusern stand das Wasser offensichtlich bis in Höhe der untersten Fenster.

Der Ort im Kreis Schwäbisch-Hall liegt rund zehn Kilometer von der gleichnamigen Kreisstadt entfernt. Der Ort hat gut 900 Einwohner.

Unglaubliche Bilder von Zeugen

Auf Videoclips und Fotos in sozialen Netzwerken war zu sehen, wie Autos vom Schlammwasser mitgerissen, übereinander getürmt und in Schaufenster von Geschäften geschleudert wurden. Bei einigen Häusern stand das Wasser augenscheinlich bis in Höhe der untersten Fenster.

Der erste Landesbeamte des Landkreises Schwäbisch Hall, Michael Knaus, sagte am frühen Morgen, in den vergangenen Stunden sei so viel Regen pro Quadratmeter gefallen wie sonst in mehreren Monaten. Die heftigen Regenfälle verursachten an einigen Stellen das schlimmste Hochwasser seit rund zwei Jahrzehnten. Die Hochwasserzentrale in Karlsruhe warnte vor bedrohlichen Wasserständen an den östlichen Zuflüssen zu Neckar und Donau sowie im Rhein und an der Tauber. An der Messstation Kirchberg an der Jagst fielen im Laufe der Nacht innerhalb von sechs Stunden 87 Liter Niederschlag pro Quadratmeter.

Besonders vom Hochwasser betroffen sind nach Behördenangaben die südöstlichen Zuflüsse zur Donau und die östlichen Zuflüsse zum Neckar (Fils, Rems, Kocher, Jagst). Teils stieg der Wasserstand um bis zu drei Meter an. Mit Blick auf die Wettervorhersagen erwartet die Hochwasserzentrale, dass die Wasserstände weiter steigen.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sprach den Angehörigen der Hochwasseropfer sein Mitgefühl aus: "Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der Toten. Ich spreche ihnen meine aufrichtige Anteilnahme aus."

Audi-Werk steht unter Wasser

Die starken Regenfälle haben in der Nacht auch Teile des Audi-Werks in Neckarsulm in Baden-Württemberg unter Wasser gesetzt. Die gesamte Produktion stehe still, sagte eine Audi-Sprecherin am Montag. Seit den frühen Morgenstunden pumpe die Werksfeuerwehr das Wasser ab. Wann die Produktion wieder aufgenommen werden könne, sei bislang noch unklar. Etwa 2700 Mitarbeiter konnten ihre Schicht am Morgen nicht antreten, sagte die Sprecherin. Bei Audi in Neckarsulm sind mehr als 16 000 Menschen beschäftigt. Das Werksgelände liegt direkt an einem Kanal neben dem Neckar, außerdem fließt das Flüsschen Sulm am Rande des Geländes.