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Hochwasser in Bayern: Fünf Tote, mehrere Vermisste

Autos schwimmen am 01. Juni 2016 in Simbach am Inn zwischen Holzteilen im Hochwasser.
Autos schwimmen am 01. Juni 2016 in Simbach am Inn zwischen Holzteilen im Hochwasser.
Foto: dpa
  • Sechs Tote, mehrere Vermisste.
  • Kinder nach Stunden aus Schule befreit.
  • Starkregen in Hannover.

Simbach/Triftern/Hannover. Update: Die Zahl der Toten hat sich in Bayern mittlerweile auf sechs erhöht, in NRW wurden zwei Männer vom Blitz getroffen.

Update: Nach der Hochwasserkatastrophe in Bayern ist die Zahl der Toten auf fünf gestiegen. Am Donnerstag wurde in Simbach am Inn die Leiche eines 75 Jahre alten Mannes geborgen, teilte das Polizeipräsidium Niederbayern mit. Vier Tote waren bereits am Vortag entdeckt worden. Nach drei weiteren Vermissten wird noch gesucht. "Da befürchten wir Schlimmeres", sagte Michael Emmer vom Polizeipräsidium Niederbayern am Donnerstag.

Update: Nach dem schwerem Hochwasser im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn mit mindestens vier Toten werden weitere Personen gesucht. "Es ist ein Schreckensbild. Es werden noch mehrere Menschen vermisst", sagte der Landrat des Kreises Rottal-Inn, Michael Fahmüller (CSU), am Donnerstag (2. Juni 2016) in Pfarrkirchen. Berichte, wonach die Person in der Gemeinde Zeilarn bereits tot geborgen worden sei, bestätigte die Polizei am Donnerstagmorgen nicht. Drei der bereits geborgenen Personen stammen aus einer Familie.

Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks waren die Nacht hindurch mit der Rettung von Personen beschäftigt. Am frühen Morgen (2. Juni 2016) wurden die Kräfte aufgestockt, um in Triftern und Tann mit dem Abpumpen der Wassermassen zu beginnen. In der Nacht hatte es nicht mehr geregnet. Der Deutsche Wetterdienst erwartete jedoch für Donnerstag erneut unwetterartige Mengen an Niederschlag, besonders im Landkreis Passau. Auch in der Region hat es heute Nacht kräftig geregnet, in Peine musste die Feuerwehr mehrfach ausrücken. In NRW hat es ebenfalls heftige Unwetter gegeben: In Hamminkeln (Wesel) droht ein Damm an der Issel zu brechen und auch in der Region Düsseldorf befürchteten Einsatzkräfte, dass Flüsse über die Ufer treten.

Bei dem verheerenden Hochwasser in Niederbayern sind mindestens vier Menschen ums Leben gekommen. Drei Leichen seien am Mittwochabend, 1. Juni 2016, von Tauchern in einem überschwemmten Haus in Simbach am Inn entdeckt worden, teilten Polizei und das Landratsamt in Pfarrkirchen mit.

Die Toten wurden gegen 20.30 Uhr von der Feuerwehr entdeckt. Die näheren Umstände der Todesfälle und die Identität der Opfer waren bis zum Abend nicht bekannt. Die Kriminalpolizei übernahm die Ermittlungen. Michael Fahmüller, der Landrat des Kreises Rottal-Inn, zeigte sich tief betroffen. "Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen", sagte der CSU-Politiker.

Später wurde an einem Bach bei Julbach auch noch die Leiche einer Frau entdeckt.

Chaos und Zerstörung in Bayern

Heftiger Regen hatte in Bayern zu zerstörerischen Überschwemmungen geführt. In Niederbayern löste der Landkreis Rottal-Inn in einigen Gemeinden Katastrophenalarm aus. Hunderte Kinder mussten bis zum Abend in ihren Schulen ausharren, weil die Zufahrten nicht passierbar waren.

Mit Booten und Hubschraubern wurden Menschen aus ihren Häusern gerettet, insgesamt rund 9.000 Haushalte waren ohne Strom. In Simbach stand das Wasser meterhoch - Autos und Bäume wurden weggespült. Die Schäden lagen nach ersten Schätzungen in zweistelliger Millionenhöhe. Die genaue Summe kann noch nicht beziffert werden.

Situation hat sich zugespitzt

32 Liter Regen pro Quadratmeter fielen binnen sechs Stunden allein in Pfarrkirchen bei Triftern. "Es herrscht Land unter. Die Wassermassen kamen sehr schnell", hieß es von der Polizei. "Die Situation hat sich in den letzten Stunden dramatisch zugespitzt", sagte der Bürgermeister von Triftern, Walter Czech.

Erst am Abend entspannte sich die Situation und das Wasser lief ab. Todesopfer gab es nach Angaben des Landratsamts Rottal-Inn nicht zu beklagen.

Aussichten bleiben trüb

Die Aussichten für die kommenden Tage bleiben trüb: Mindestens bis Sonntag werde sich die Gewitterluft in Deutschland halten, sagte der Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Aus Polen zog Tief "Friederike" herüber. Unwetter könnte es in der Mitte, im Osten und auch bei uns im Norden Deutschlands geben. Aber auch im Südwesten, der zu Wochenbeginn besonders stark betroffen war, drohten dem DWD zufolge neue Unwetter.

"Alles, was wir verfügbar haben, ist im Einsatz", teilte das Polizeipräsidium Niederbayern am Mittwoch mit. Polizisten seien auch von Grenzübergängen nach Österreich abgezogen worden. Eine Brücke am Übergang zum österreichischen Braunau war komplett überspült.

Langer Schultag für Kinder

In Simbach mussten sich 350 Schüler lange auf eine Übernachtung in ihrer Schule einrichten - erst am Abend konnten sie aus dem Gebäude geholt werden. Eine Asylbewerberunterkunft in einer ehemaligen Turnhalle wurde geräumt.

Eine Schulklasse aus Augsburg wurde bei einem Bootsausflug auf dem Schwarzen Regen vom Unwetter überrascht: 20 Kinder strandeten auf einer Insel und mussten gerettet werden. Lastwagenfahrer kletterten auf der Bundesstraße 12 auf die Dächer ihrer Fahrzeuge, weil sie Angst hatten, von den Fluten davon geschwemmt zu werden, wie Rettungskräfte berichteten. Passau rief angesichts anhaltender Regenfälle den Katastrophenfall aus.

In einer Realschule in Triftern (bei Simbach), in der am Mittwochabend noch Dutzende Schüler von den Wassermassen eingeschlossen waren, mussten 16 Kinder mit zwei Betreuern die Nacht über ausharren.

Mehrere Schulen bleiben im bayerischen Landkreis Rottal-Inn am Donnerstag geschlossen. Die Abiturprüfungen an der Fachoberschule und an der Beruflichen Oberschule in Pfarrkirchen fänden aber statt, sagte der stellvertretende Sprecher des Landratsamtes, Robert Kubitschek, am Mittwochabend. Schüler, die wegen der Überschwemmungen nicht zur Prüfung kommen könnten, bekämen schnell einen Nachholtermin.

Land unter in Hannover

Starkregen machte den Menschen auch in Hannover zu schaffen - die Feuerwehr musste zu mehr als 100 Einsätzen ausrücken. Allein in der Stadt seien es mindestens 50 gewesen, teilte ein Sprecher der Feuerwehr Hannover mit. Betroffen waren vor allem östliche Stadtteile. Hauptsächlich mussten Keller leergepumpt werden, wie der Sprecher sagte. Auf einem Flachdach eines Krankenhauses habe sich Wasser angesammelt und drohte in das Gebäude einzudringen. Verletzt wurde niemand. Angaben zum Schaden gab es zunächst nicht.Auch in Leipzig standen einige Straßen unter Wasser. Die Bahnstrecke zwischen Dresden und Prag, die am Dienstag überspült worden war, wurde hingegen wieder für den Verkehr freigegeben. Die Pegelstände an Rhein, Nahe und Mosel fielen nach einem sprunghaften Anstieg zu Wochenbeginn vorerst.

In Baden-Württemberg, wo das Tief "Elvira" bereits am Sonntagabend schwere Verwüstungen angerichtet hatte, ging das Aufräumen weiter. Nach wie vor müssen dort Massen von Schlamm, Schutt und Trümmer beseitigt werden. "Das ist ja wie in einem Horrorfilm", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Mittwoch bei einem Besuch in Schwäbisch Gmünd. Vier Menschen waren bei dem Unwetter ums Leben gekommen.

Aktuelle Wetterlage in Region 38

Am Mittwochnachmittag hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) auch wieder Warnungen für unsere Region herausgegeben. Für die Kreise Gifhorn und Peine galt bis zum Nachmittag beziehungsweise Abend die Alarmstufe Rot. Um 19.15 Uhr hob der DWD die Alarmstufe auf. Auch am Donnerstag soll es wieder Gewitter und Sturmböen geben.