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Colonia Dignidad: Gauck weist juristische Verantwortung zurück

Santiago de Chile. Noch-Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Staatsbesuch in Chile eine juristische Mitverantwortung Deutschlands für die Verbrechen der Sekte "Colonia Dignidad" zurückgewiesen. Gauck sagte am Mittwoch, 13. Juli 2016, in Santiago de Chile, dies sei ein Unterschied zu Ländern, in denen der deutsche Staat für Unrecht, Terror und Mord verantwortlich gewesen sei. "Das ist eine andere Geschichte."

Folterzentrum der Geheimpolizei

Am Dienstag hatte der deutsch-chilenische Opferanwalt Winfried Hempel eine juristische Mitverantwortung Deutschlands für die Verbrechen der Sekte angemahnt. Die Siedlung "Colonia Dignidad"(Kolonie der Würde) war unter ihrem Gründer Paul Schäfer ein befestigtes Lager, wo es systematischen Kindermissbrauch gab. Während der Militärdiktatur von 1973 bis 1990 in Chile war die Kolonie ein Folterzentrum der Geheimpolizei.

Gauck sagte, die Verantwortung des chilenischen Staates könne nicht auf Deutschland übertragen werden, wenn in Chile eine Gruppe von kriminellen Deutschen sich an Landsleuten und Chilenen vergangen habe. "Wir können als Deutsche nur bedauern, dass Landsleute mit der chilenischen Diktatur so zusammengearbeitet haben, dass die in deren Nähe ein Folterzentrum errichten konnten."