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140 Tote bei Angriff auf Trauerhalle: USA drohen Saudi-Arabien

Helfer in den Trümmern der bombardierten Trauerhalle. Für mindestens 140 Menschen endete eine Begräbnisfeier mit dem eigenen Tod.
Helfer in den Trümmern der bombardierten Trauerhalle. Für mindestens 140 Menschen endete eine Begräbnisfeier mit dem eigenen Tod.
Foto: dpa
  • Bomben auf Trauernde: Mindestens 140 Tote und 525 Verletzte.
  • USA gehen auf Distanz zu Saudi-Arabien.
  • Rotes Kreuz kann nur mit Leichensäcken helfen.

Sanaa/Washington. Nach dem Luftangriff auf eine Trauerfeier im Jemen mit mindestens 140 Toten hat sich die US-Regierung ungewöhnlich scharf von ihrem Verbündeten Saudi-Arabien distanziert. Eine Stellungnahme des Nationalen Sicherheitsrats (NSC) legt nahe, dass Washington die Schuld für die Tragödie bei der saudi-arabisch geführten Militärallianz sieht. Nur sie fliegt im Jemen Angriffe. Die Sicherheitszusammenarbeit mit dem sunnitischen Königreich sei "kein Blanko-Scheck", die Berichte über den Vorfall seien "zutiefst verstörend", erklärte NSC-Sprecher Ned Price in der Nacht zu Sonntag, 9. Oktober.

Der Luftangriff auf eine Trauerhalle in Jemens Hauptstadt Sanaa ist einer der schwersten seit Beginn des Bürgerkriegs. Neuen UN-Angaben zufolge wurden dabei am Samstag laut Vertretern der Gesundheitsbehörden mehr als 140 Menschen getötet und mindestens 525 verletzt.

USA droht Saudi-Arabien

Auch wenn die US-Regierung Saudi-Arabien bei der Verteidigung des eigenen Staatsgebiets unterstütze, "müssen und werden wir weiterhin unsere ernsten Bedenken zum Ausdruck bringen über den Konflikt im Jemen und darüber, mit welchen Mitteln er geführt wird", erklärte Price.

Unmissverständlich drohte er mit einem Stopp der Zusammenarbeit: "Wir haben eine sofortige Überprüfung unserer bereits deutlich reduzierten Hilfe für das saudi-arabisch geführte Bündnis eingeleitet - und wir sind bereit, unsere Unterstützung anzupassen, um den Prinzipien, Werten und Interessen der USA besser gerecht zu werden."

UN-Koordinator erschüttert

Der für den Jemen zuständige UN-Nothilfekoordinator Jamie McGoldrick erklärte, die humanitären Helfer im Land seien "erschüttert und entsetzt" über den Luftangriff. McGoldrick verurteilte die Attacke, machte aber niemanden direkt dafür verantwortlich.

Galt der Angriff den Huthi-Rebellen?

Das Militärbündnis teilte laut der saudi-arabischen Agentur SPA mit, es kenne die Berichte über die "bedauerliche und schmerzliche Bombardierung" der Trauerhalle und werde den Fall zusammen mit US-Experten untersuchen. Die Streitkräfte des Bündnisses hätten klare Anweisungen, keine belebten Gebiete anzugreifen und zivile Opfer zu vermeiden. Ein Schuldeingeständnis ließ sich aus der verbreiteten Stellungnahme aber nicht herauslesen.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz im Jemen kündigte seine Hilfe für die Opfer des Angriffs an. Unter anderem würden 300 Leichensäcke zur Verfügung gestellt. Unter den Toten und Verletzten sollen auch ranghohe Funktionäre der Huthi-Rebellen sein.

So verheerend war der Angriff