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Kampf um Mossul - EU fürchtet Terror nach Sieg über IS

Kämpfer der kurdischen Peschmerga unterstützen die irakische Armee bei ihrer Offensive auf die Millionenstadt Mossul.
Kämpfer der kurdischen Peschmerga unterstützen die irakische Armee bei ihrer Offensive auf die Millionenstadt Mossul.
Foto: dpa

Brüssel/Mossul. Die von der irakischen Armee begonnene Großoffensive auf die nordirakische Stadt Mossul als letzte Hochburg der Terrormiliz IS in dem Land sorgt bei der Europäischen Union für Besorgnis: EU-Sicherheitskommissar Julian King sieht bei einem Sieg der Iraker über den IS die Terrorgefahr in Westeuropa wachsen.

"Die Rückeroberung Mossuls kann dazu führen, dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen", sagte King der Zeitung "Die Welt". Das sei eine sehr ernste Bedrohung.

Wichtig sei deshalb, durch geeignete Maßnahmen Terroristen immer weniger Handlungsmöglichkeiten zu geben und "insgesamt unsere Widerstandsfähigkeit gegen die terroristische Bedrohung zu erhöhen."

Hilfsorganisationen rufen die Konfliktparteien unterdessen dazu auf, die in der Stadt lebenden Zivilisten zu schonen. Das fordert das Komitee vom Internationalen Roten Kreuz (IKRK) und Roten Halbmond in Genf. "Es ist besonders wichtig, die Gesundheitseinrichtungen und deren Personal zu schützen", betonte das IKRK .

Bis zu einer Million Flüchtlinge erwartet

Das Rote Kreuz stehe bereit, den bis zu einer Million Flüchtlingen in den nächsten Tagen und Wochen beizustehen. Alle Konflikt-Parteien müssten ihr Möglichstes tun, um sicherzugehen, dass ihre Ziele rein militärischer Natur seien. Allen Bewohnern, die aus der Stadt fliehen wollten, sollte ein sicherer Korridor zur Verfügung stehen, forderte das IKRK.

Dagegen berichten Flüchtlinge aus Mossul, dass der IS in der Stadt jedem mit Erschießen drohen, der sich in Sicherheit bringen will. "Spiegel Online" zitierte einen namentlich nicht genannten Mann mit den Worten: "Jeder, der versucht zu fliehen, wird erschossen."

Der IS hatte 2014 die damals zwei Millionen Einwohner zählende Metropole erobert; derzeit leben zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Menschen dort.

IS klar in der Unterzahl

Die seit Monaten vorbereitete Großoffensive zur Rückeroberung der Stadt ist die entscheidende Phase im Kampf gegen die Extremisten. Nach Medienberichten sollen 30.000 Mann der Allianz 4.000 IS-Kämpfern gegenüberstehen.

Irakische Streitkräfte und kurdische Peschmerga eroberten am ersten Tag nach Angaben von Kurden-Präsident Massud Barsani ein Gebiet von rund 200 Quadratkilometern. Sollte die Offensive gegen die letzte IS-Bastion im Land erfolgreich verlaufen, wären die Dschihadisten im Irak militärisch weitestgehend besiegt.

Amnesty sorgt sich um die Sunniten

Amnesty International wiederum warnte vor schweren Menschenrechtsverletzungen gegen Flüchtlinge aus Mossul. Tausende Zivilisten, die bereits aus Gebieten unter IS-Kontrolle fliehen konnten, seien Opfer von Folter, willkürlicher Inhaftierung, "Verschwindenlassen" und außergerichtlichen Hinrichtungen geworden, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Dieser beruht auf Gesprächen unter anderem mit ehemaligen Gefangenen und Augenzeugen.

"Nachdem sie den Schrecken des Krieges und der Tyrannei des IS entkommen sind, drohen sunnitischen Arabern im Irak brutale Vergeltungsschläge durch (vornehmlich schiitische) Milizen und Regierungstruppen. Sie werden für die Verbrechen des IS bestraft", sagte Philip Luther, Experte für die Region Naher Osten und Nordafrika bei Amnesty International.