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Der Weihnachtsbraten quakt noch

Landwirt Martin Schönhoff kennt seine Gänse ganz genau.
Landwirt Martin Schönhoff kennt seine Gänse ganz genau.
Foto: dpa
  • Monatelange Arbeit für den Gänsebraten.
  • Mit dem Martinstag beginnt die Zeit der Gänseessen.
  • Doch noch haben die Tiere Schonfrist.

Hannover. Das große Schlachten hat noch nicht begonnen: Knapp drei Wochen vor dem Martinstag haben die Gänse in Niedersachsen noch Schonfrist. Doch nur ein kleiner Teil der Tiere, die hierzulande auf dem Tisch landen, kommt aus Deutschland - weniger als 20 Prozent, sagt Margit Beck von der Marktinformation Eier & Geflügel. Ob der Festtagsbraten in diesem Jahr teurer wird als 2015, kann sie noch nicht sagen.

Lebenszeit: Ein halbes Jahr

Für die Gänsehalter sind die Monate November und Dezember die wichtigste Zeit des Jahres - mehr als 90 Prozent des Umsatzes werden im vierten Quartal gemacht. "Die ganze Haltung hat ihren Schwerpunkt auf Weihnachten", sagt Landwirt Martin Schönhoff, der in der Wedemark nördlich von Hannover Gänse züchtet. Bei Schönhoff leben die Tiere fünf bis sechs Monate, bevor sie ab November geschlachtet werden. Momentan werden rund 223.000 Gänse in Niedersachsen gehalten, wie aus Zahlen der Tierseuchenkammer Niedersachsen hervorgeht.

"Bei den meisten Betrieben handelt es sich um Familienbetriebe in bäuerlichen Strukturen", sagt Peter Hiller, Referent für Geflügel bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Die Gänse wachsen in Niedersachsen in der Regel in Herden zwischen 1.000 und 2.000 Tieren auf.

Gierig nach Gänsefleisch

Jede dritte Gans in Deutschland wird auf niedersächsischem Boden geschlachtet, 2015 waren es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes etwa 191.000 Tiere, deutschlandweit rund 601.000. Doch das reicht nicht, um den Hunger der Deutschen auf Gänsefleisch zu stillen. "Unter 20 Prozent des Bedarfs kann in Deutschland durch Eigenproduktion gedeckt werden", sagt Margit Beck.

Artgerecht und günstig? Geht nicht.

Die Mehrheit der Gänse zu Weihnachten komme daher aus Ungarn und Polen. Das diese Tiere in Supermärkten so günstig sind liegt an den Haltungsbedingungen. "Dort herrscht eine Getreidemast vor", sagt Jochen Dettmer von Naturschutzbund BUND. "Mit unserer Vorstellung artgerechter Haltung hat das wenig zu tun."

Durch den Import aus Osteuropa gibt genügend Tiere auf dem Markt. Wer aber eine Gans aus artgerechter Haltung und aus der Region haben will, dem empfiehlt Heike Bollmann vom Landvolk Niedersachsen eine frühzeitige Vorbestellung.