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Kritik an Bundeswehr-Veranstaltung für sexuelle Minderheiten

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).
Foto: dpa
  • Die Verteidigungsministerin will die Bundeswehr vielfältiger machen.
  • Ein Workshop zur sexuellen Orientierung soll den Startschuss geben.
  • Kritiker erkennen darin eine völlig falsche Prioritätensetzung.

Berlin. Die Veranstaltung eines Workshops für sexuelle Minderheiten in der Bundeswehr hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) deutliche Kritik eingebracht. Sie setze "verfehlte Prioritäten", sagte der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Rainer Arnold, der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten" (Freitag). "Die Ministerin hält wichtige Themen von ihrem Schreibtisch fern, wie zum Beispiel die Tatsache, dass Rüstungsprojekte sich in ihrer Amtszeit weiter verlangsamt haben", sagte Arnold. "Die Personalsorgen der Bundeswehr werden mit solchen Aktionen ganz sicher nicht gelöst."

Der CSU-Verteidigungsexperte Florian Hahn bezweifelte in der "Bild"-Zeitung (Freitag), die zuerst über das Seminar berichtet hatte, dass das Workshop-Thema den Soldaten auf der Seele brennt.

Der frühere Generalinspekteur der Bundeswehr, Harald Kujat, sagte der "Passauer Neuen Presse" (Freitag): "Es ist mir nicht klar, was der Sinn dieser Veranstaltung ist. Mir ist nicht bekannt, dass Homosexuelle in den Streitkräften diskriminiert werden." Um die Bundeswehr attraktiver zu machen, müssten vielmehr Ausrüstungsmängel beseitigt werden.

"Peinlich, reaktionär und spießig"

Am 31. Januar 2017 geht es bei dem von der Ministerin angeregten Workshop "Sexuelle Orientierung und Identität in der Bundeswehr" in Berlin um die Chancengerechtigkeit von Angehörigen sexueller Minderheiten in der Bundeswehr. Über 200 hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Militär seien eingeladen.

Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels (SPD) hält den Workshop für sinnvoll. Sexuelle Orientierung sei ein Thema unter Soldaten. Es gebe Diskriminierungserfahrungen in der Truppe. "Es gibt durchaus manchmal Probleme bei Geouteten, die schief angeschaut werden und sich Sprüche anhören dürfen", sagte er. Die Verteidigungsministerin wolle mit der Veranstaltung ein Modernitätszeichen setzen.

Volker Beck von den Grünen nannte die Kritik "peinlich, reaktionär und spießig". Arnold habe "ein Bild von Personalführung eines Spießers aus dem letzten Jahrhundert". Diversity-Seminare gehörten heute zum Managementprogramm jedes modernen Großunternehmens.