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Grippewelle in Deutschland - Niedersachsen hüstelt

Hustensaft auf dem Nachttisch, Tempos zur Hand: Die Grippe hat Deutschland fest im Griff.
Hustensaft auf dem Nachttisch, Tempos zur Hand: Die Grippe hat Deutschland fest im Griff.
Foto: dpa

Hannover. Geht Ihr noch zur Arbeit oder liegt Ihr schon flach? Damit seid Ihr nicht allein: Vergangene Woche fesselte die Influenza nach Daten des Landesgesundheitsamtes 325 Niedersachsen ans Bett; seit Beginn der Grippesaison im Oktober habe die Virusinfektion sogar 830 Menschen erwischt.

Diese Zahlen sind zwar hoch und werden vermutlich auch noch steigen. Im Vorjahresvergleich sei das aber nicht ungewöhnlich, erklärt Armin Baillot, Laborleiter beim Landesgesundheitsamt Niedersachsen. Seine Behörde informiert über den aktuellen Stand jede Woche auf ihrer Internetseite.

Werte über Vorjahresmonat

Das Klinikum Wolfsburg verzeichnet derzeit überhaupt keine Grippe-Patienten. Im Klinikum Braunschweig werden zwar einige versorgt. Das sei aber normal für die Jahreszeit, erklärt Professor Wilfried Bautsch, stellvertretender Ärztlicher Direktor der Klinik, gegenüber news38.de. Das Gesundheitsamt Braunschweig meldet für Januar 17 Influenza-Erkrankungen; im Dezember waren es noch drei.

Damit liegen die diesjährigen Werte deutlich über den Vorjahresmonaten mit zwei beziehungsweise null Fällen. In Salzgitter zählte das Gesundheitsamt im Januar sieben Erkrankte, darunter sechs Kinder. Im Vorjahresmonat waren dagegen nur vier Menschen betroffen.

Grippe kann tödlich enden

Dabei kommt das Land noch glimpflich davon. Bundesweit registrierten die Gesundheitsbehörden seit Beginn der aktuellen Grippesaison 27.000 Erkrankungen registriert; 85 davon verliefen tödlich. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs, denn lange nicht alle Fälle werden gemeldet. Vor allem in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz grassiert der Virus.

Sorgen machen müsst Ihr Euch aber nicht: Muskel-, Kopf- und Gliederschmerzen, Husten, Schnupfen und Fieber – nach ein bis zwei Wochen ist alles ausgestanden.

Laborleiter Baillot schränkt jedoch ein: Älteren Menschen könne der Virus Typ A (H3N2) durchaus gefährlich werden; dieser Virus sei für 95 Prozent der diesjährigen Grippe-Erkrankungen verantwortlich. Er schwäche zusätzlich das Immunsystem und bereite so oft den Boden für eine bakterielle Lungenentzündung.

Impfen, bevor es zu spät ist

Ihr könnt aber vorbeugen: Eine Impfung nimmt jeder Hausarzt vor; die Kosten trägt die Krankenkasse. Mediziner Wilfried Bautsch empfiehlt: "Vor allem Menschen über 60 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere und medizinisches Personal sollten sich immunisieren lassen." Antibiotika dagegen helfen nur gegen Bakterien und Parasiten.

Der ideale Zeitpunkt für die Impfung vor Beginn der Grippesaison im Dezember ist zwar schon verstrichen, räumt Bautsch ein. Zu spät sei es aber noch nicht, denn erst um Ostern herum klinge die Grippewelle erfahrungsgemäß ab. Etwas beeilen solltet Ihr Euch aber schon, weil der Impfschutz erst nach zwei Wochen greift.

Hat Euch die Grippe aber bereits fest im Griff, raten Ärzte zu Mitteln wie Tamiflu: Es mildert die Symptome ab und verkürzt die Leidenszeit. Für Gesundheitsbewusste dagegen, die auf die Chemiekeule verzichten wollen, noch ein letzter Tipp: Sport und ausgewogene Ernährung stärken das Immunsystem und härten ab gegen die fiesen Krankheitserreger.

Ansonsten: Sich weder anhusten noch anniesen lassen, besser auf Handshake verzichten und oft Hände waschen, rät Marion Charlotte Renneberg, Hausärztin und Vorsitzende der Bezirksstelle Braunschweig der Ärztekammer Niedersachsen. Influenzaviren überleben nämlich lange auf Bussitzen, Türklinken und Geldscheinen.