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Existenzängste – Hühnerbauern appellieren an Verbraucher

Niedersachsens Landwirte haben Angst: Ihre "Freilandeier" dürfen sie wegen der Stallpflicht nicht mehr als solche deklarieren.
Niedersachsens Landwirte haben Angst: Ihre "Freilandeier" dürfen sie wegen der Stallpflicht nicht mehr als solche deklarieren.
Foto: dpa

Wegen der Vogelgrippe sind derzeit in Niedersachsen mehr als 3,5 Millionen Legehennen aus konventioneller Freilandhaltung länger als zwölf Wochen im Stall. Dies teilte das Landwirtschaftsministerium am Mittwoch mit.

Werden die Tiere länger als zwölf Wochen im Stall gehalten, dürfen die Eier nicht mehr als Freilandware deklariert werden. Sie gelten als Bodenhaltungseier. Nach Angaben des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) sind davon 233 Betriebe betroffen – auch Betriebe aus der Region. Insgesamt gibt es in Niedersachsen 3,9 Millionen Legehennen in Anlagen mit konventioneller Freilandhaltung.

Appell an Verbraucher

Niedersachsen und andere Bundesländer haben sich auf einen Hinweis für die Verbraucher geeinigt. Per Zusatzetikett auf den Verpackungen wird deutlich gemacht, dass sich die Freilandhühner wegen der Vogelgrippe derzeit im Stall befinden und es sich deshalb um Eier aus Bodenhaltung handelt. "Wir appellieren an die Verbraucher, nicht auf ein anderes Produkt umzusteigen", sagte ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums.

"Für den Erzeuger liegt der Preisunterschied zwischen Freilandware und Bodenhaltung bei 4 Cent pro Ei", sagte Friedrich-Otto Ripke, Vorsitzender des Landesverbandes Geflügelwirtschaft. Die jetzige Situation könne dazu führen, dass viele Freilandbetriebe in Existenznot geraten. "Das würde ausgerechnet jene Betriebe treffen, die sich für das Tierwohl engagieren." Ripke appellierte an den Einzelhandel, das bisherige Preisniveau zu halten.

Trick 17: Ein Tag aussetzen

In Baden-Württemberg hatte sich das Landwirtschaftsministerium kürzlich entschieden, die Stallpflicht für einen Tag auszusetzen und erst danach wieder zu verlängern. Auf diese Weise können die Eier für weitere zwölf Wochen als Freilandeier deklariert werden. "Der Verbraucher könnte sich aber getäuscht fühlen", sagte Ripke.

In den meisten Landkreisen in Niedersachsen gilt als Vorsichtsmaßnahme gegen die Vogelgrippe weiterhin die Stallpflicht. So etwa in Gifhorn, Braunschweig, Helmstedt und Peine.

Aufgehoben wurde sie in den Landkreisen Cuxhaven, Holzminden, Goslar sowie Salzgitter Stadt. Eine teilweise Aufstallung, die nicht die ganze Region betrifft, gilt im Landkreis Lüchow-Dannenberg und in Hildesheim.