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Koloniales Unrecht: Tansania fordert deutsche Wiedergutmachung

Daressalam. Tansania will von Deutschland eine Entschuldigung und Wiedergutmachung für während der Kolonialzeit begangenes Unrecht fordern. Dabei geht es um die brutale Niederschlagung der Maji-Maji-Revolte von 1905-1907 im damaligen Deutsch-Ostafrika, dem heutigen Tansania. "Wenn andere Länder für Kriegsverbrechen entschädigt werden, wieso nicht wir", fragte am Donnerstag, 9. Februar, der mit Außenpolitik befasste Abgeordnete Cosato Chumi.

Verteidigungsminister Hussein Mwinyi hatte am Mittwoch im Parlament erklärte, das Außenministerium werde prüfen, wie in der Sache am besten vorzugehen sei. Bei der Niederschlagung des Aufstandes kamen Schätzungen zufolge Zehntausende Menschen ums Leben, die meisten starben an Hunger oder Krankheiten in Folge des Konfliktes.

Tansania will mit seiner Forderung offenbar den Anstrengungen von namibischen Stämmen folgen, die Opfer der Kolonialherrschaft im damaligen Deutsch-Südwestafrika geworden waren. Nachfahren der Hereros und Nama haben jüngst vor einem US-Gericht gegen Deutschland auf Schadenersatz geklagt. Die Bundesregierung verhandelt derzeit über eine Einigung mit der Regierung in Windhuk. Ziel ist es unter anderem, eine gemeinsame Sprachregelung für die Grausamkeiten zu finden, die Historiker als ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts bezeichnen.